MUSIK GEGEN RECHTS: DAS TAUMELN FESTIVAL IN CHEMNITZ

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Kommenden Samstag feiert das TAUMELN Festival in Chemnitz seine Premiere – mit Künstler*innen aus der deutschen New Wave- und Indie-Szene und einem klaren Zeichen gegen Rechts. 

Mit dabei: Serpentin, Skuppin, Moderna, Sophie Soraya und Urbannino. Schauplatz ist der Garten des Kulturhaus Arthur, im Anschluss geht’s weiter zur Aftershow-Party ins aaltra mit lokalen DJs.

Hinter dem Projekt stehen der Musiker Skuppin und seine Freundin Chiara. Mit ihrem Engagement möchten sich die Wahlleipziger für Vielfalt und demokratische Werte in ihrer Heimatstadt Chemnitz starkmachen – und gleichzeitig ein klares Zeichen gegen Rechts setzen. Die Gewinne gehen dabei vollständig an Vereine, die sich für politische Arbeit in Chemnitz einsetzen. Wir haben mit Skuppin über das Festival und seine Motivation dahinter gesprochen.


BANDUP: Welches persönliche Anliegen steckt für dich hinter der Idee, das TAUMELN Festival zu starten?

SKUPPIN: Anfang des Jahres saß ich zusammen mit dem Hamburger Künstler Urbannino in einem Backstage und wir haben darüber gesprochen, an welchen Orten einfach noch zu wenig passiert – gerade aus unserer Szene heraus und als klares Zeichen gegen Rechts. Die Idee, in Chemnitz selber zu veranstalten, schwirrt mir schon länger im Kopf herum, aber dieser Abend hat mir den letzten Anstoß gegeben.

„ALS KÜNSTLER*IN HAT MAN IMMER EINE PLATTFORM“

BANDUP: Inwiefern siehst du darin auch eine Verantwortung als Musiker und Künstler?

SKUPPIN: Als Künstler*in hat man immer eine Plattform. Meiner Meinung nach sollte man diese auch nutzen, um Themen in den Fokus zu rücken, die einem persönlich wichtig sind. Ich habe das Gefühl, als Chemnitzer, gerade weil ich mittlerweile in Leipzig wohne, meiner Heimatstadt nicht den Rücken zukehren zu wollen. Meiner Freundin Chiara geht es genauso, weshalb wir dieses Festival gemeinsam organisieren.

Chiara und Skuppin


BANDUP: Die Gewinne des Festivals gehen an Vereine, die politische Arbeit leisten – welche Vereine sind das, und warum gerade die? Habt ihr da einen persönlichen Bezug?

SKUPPIN: Wir haben uns für zwei Vereine entschieden, die im ersten Moment sehr unterschiedliche Arbeit leisten. Zum einen Athletic Sonnenberg e.V., den viele auch als Fußballverein in Chemnitz kennen, der sich aber ebenso für soziale Projekte und das Stärken einer demokratischen Gesellschaft einsetzt. Zum anderen Different People e.V., die sich seit vielen Jahren für mehr Sichtbarkeit von LGBTQIA+ Menschen engagieren, indem sie Begegnungsräume schaffen. Beide leisten sehr wichtige Kinder- und Jugendarbeit, die mich selbst früh in Chemnitz geprägt haben. Gerade in dieser Stadt sehe ich darin einen wichtigen Baustein für den Erhalt einer demokratischen, freien Gesellschaft.

MEHR SICHTBARKEIT DER LOKALEN MUSIKSZENE

BANDUP: In diesem Jahr ist Chemnitz die europäische Kulturhauptstadt 2025. Hat eure Festivalpremiere bewusst einen Bezug dazu?

SKUPPIN: Die Arbeit der Kulturhauptstadt hat viele positive Ansätze, doch wir sind der Meinung, dass noch mehr aus der Szene direkt entstehen könnte. Wir haben uns zwar entschieden, nur wenige regionale Artists auf die Bühne zu holen, möchten aber ein wohl überlegtes Lineup präsentieren, das an dem Abend für einen guten Zweck zusammenkommt. Wir bekommen keine Förderung, aber wollten die Idee auch nicht aufschieben. Deshalb haben wir uns entschieden, das Festival dieses Jahr auch ohne Förderung stattfinden zu lassen. 

BANDUP: Gibt es musikalische Netzwerke in Chemnitz, die du national stärker sichtbar machen möchtest?

SKUPPIN: Nicht unbedingt im Sinne des Festivals, aber es gibt viele Vereine, deren Arbeit ich als sächsischer Artist sehr positiv wahrnehme. Zum Beispiel Bandbüro e.V. , die mich sehr früh mit noch ganz anderer Musik auf ihre Bühnen geholt haben. Kreatives Sachsen, durch die ich die Möglichkeit hatte, beim Reeperbahn Festival zu spielen und die eine Vielzahl an Workshops und Events planen. Ich würde mich über noch mehr Sichtbarkeit dieser Vereine freuen und hoffe sehr, dass sie ungeachtet der Haushaltslage in Sachsen ihre wichtige Arbeit fortsetzen können.

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MUSIK, INFOSTÄNDE & KUNST

BANDUP: Was bietet das TAUMELN Festival neben den Konzerten noch?

SKUPPIN: Es wird einige Infostände geben, die Raum zum Austausch bieten sollen. Gleichzeitig wird an dem Abend noch eine Ausstellung von Linus Grösel in der Galerie des Haus Arthur zu sehen sein. Wir freuen uns, auf zwei Bühnen viele tolle Artists zu zeigen und sind dankbar für alle Menschen, die mit uns an diesem Tag und gegen Rechts da stehen. 

Das TAUMELN Festival findet am kommenden Samstag, den 20. September ab 17 Uhr statt. Tickets gibt es ab rund 20 Euro bei City Ticket Chemnitz und Rausgegangen

Künstler*innen: