Hannover, die Zwanziger, ein Kopf voller Gedanken: NANCY macht Deutschpop und erzählt in ihrer Musik von Dingen, die viele fühlen, aber selten ausgesprochen werden. Bindungsangst, Overthinking, Selbstzweifel. Mit ihrer zweiten EP „Dauerlauf“ fängt sie genau das Gefühl ein, ständig in Bewegung zu sein und trotzdem auf der Stelle zu treten. Doch wer bei NANCY nur an Melancholie denkt, liegt falsch. Neben nachdenklichen Songs gibt es tanzbare Tracks, die zum Loslassen einladen.
Übrigens: Morgen feiert NANCY „Dauerlauf“ mit ihrem ersten eigenen Konzert.
Fr, 23.10.2026 · 20:00 Uhr · Faust / Mephisto, Hannover · ab 14,99 €
Im Interview spricht sie über den Moment, in dem man erkennt, dass man ohne einen bestimmten Menschen besser dran ist. Sie erzählt von ihrem Wunsch, mit ihrer Musik einen Safe Space zu schaffen, und von der Aufregung vor ihrem allerersten eigenen Konzert im Mephisto in Hannover. Außerdem verrät sie, wie sie sich seit ihrer Debüt-EP „Schockverliebt“ verändert hat und welcher Song auf der neuen Platte ihr persönlichster ist. Ein offenes Gespräch über Verletzlichkeit, Verbindung und den Mut, weiterzulaufen.
Es darf bei mir emotional werden, aber genauso darf man loslassen, tanzen und das Leben feiern
BANDUP: „Dauerlauf“ ist der Titel deiner zweiten EP. Ein Wort, in dem sowohl Ausdauer als auch eine gewisse Erschöpfung mitschwingen. Was bedeutet dieser Titel für dich, und warum hast du ihn für diese Phase deines Lebens und Schaffens gewählt?
NANCY: „Dauerlauf“ beschreibt für mich ziemlich gut, wie sich meine Zwanziger manchmal anfühlen. Man ist ständig dabei, irgendwie alles unter einen Hut zu bekommen, sich selbst zu finden, Erwartungen gerecht zu werden und gleichzeitig herauszufinden, was man eigentlich wirklich will. Manchmal hat man das Gefühl, einfach nur weiterlaufen zu müssen, obwohl einem gerade alles zu viel wird. Genau darum geht es auch auf der EP: um Overthinking, mentale Gesundheit, Selbstzweifel und Beziehungen, aber auch darum, sich selbst besser kennenzulernen. Ich glaube, viele kennen dieses Gefühl, irgendwie auf der Stelle zu treten, obwohl man die ganze Zeit in Bewegung ist. Mit „Dauerlauf“ möchte ich genau dieses Gefühl einfangen. Gleichzeitig bedeutet es für mich auch, nicht aufzugeben und seinen eigenen Weg weiterzugehen, selbst wenn es zwischendurch anstrengend wird.
BANDUP: Du beschreibst die EP als Auseinandersetzung mit Overthinking, Selbstreflexion und den Herausforderungen der Zwanziger. Gab es einen konkreten Moment oder eine Erfahrung, die den Anstoß gegeben hat, genau diese Themen jetzt zu verarbeiten?
NANCY: Ich glaube, der Anstoß war vor allem, dass in den letzten Jahren ziemlich viel passiert ist, was ich erst mal für mich selbst sortieren musste. Gerade in den Zwanzigern verändert sich so viel, und ich habe bemerkt, wie viel in meinem Kopf passiert und wie oft ich mir selbst im Weg stehe. Man versucht herauszufinden, wer man ist, was man vom Leben möchte und welche Menschen einem wirklich guttun. Gleichzeitig vergleicht man sich oft mit anderen und macht sich viel zu viele Gedanken über Dinge, die man manchmal gar nicht kontrollieren kann. Ich habe gemerkt, dass ich viele dieser Gedanken mit mir selbst ausmache und dass mir das Songwriting hilft, sie zu sortieren. Manche Songs sind dabei wie ein Blick in den Spiegel, andere helfen mir, Erlebnisse zu verarbeiten. Mit der EP wollte ich diese Gedanken und Gefühle festhalten, weil ich glaube, dass sich viele Menschen in dieser Lebensphase damit identifizieren können.
BANDUP: Bindungsangst, Verlustängste, emotionale Abhängigkeit: Das sind Themen, die viele kennen, aber selten offen aussprechen. Wie gehst du beim Songwriting damit um, so verletzlich zu sein, und was löst es in dir aus, wenn du diese Songs dann live spielst?
NANCY: Beim Songwriting versuche ich, ehrlich zu sein und nichts zu beschönigen. Manchmal ist es gar nicht so leicht, sich einzugestehen, warum man in bestimmten Situationen so fühlt oder handelt. Beim Schreiben kann ich Dinge aussprechen, die ich im Alltag vielleicht nicht so direkt sagen würde, und ich merke dann erst, wie sehr mich etwas eigentlich beschäftigt. Live war es gerade am Anfang schon ein komisches Gefühl, mich mit so persönlichen Themen und Gedanken so verletzlich zu zeigen. Gleichzeitig ist es ein besonderes Gefühl, wenn Menschen mir danach erzählen, dass sie sich in einem Song wiedererkennen. Dann merke ich, dass aus etwas sehr Persönlichem eine Verbindung zu anderen entstehen kann.
Wann ist man ohne jemanden besser dran?
BANDUP: Mit „Besser ohne dich“ hast du bereits eine erste Single aus der EP veröffentlicht. Was erzählt dieser Song, und wie fügt er sich in die Gesamtgeschichte von „Dauerlauf“ ein?
NANCY: „Besser ohne dich“ handelt davon, zu erkennen, dass einem ein Mensch nicht guttut und das Leben ohne ihn vielleicht sogar leichter ist. Manchmal hält man an Menschen fest, obwohl sie einem mehr Energie nehmen, als sie geben. Der Song handelt davon, loszulassen und wieder mehr zu sich selbst zu finden. Damit passt er gut zu „Dauerlauf“, weil es auf der EP auch darum geht, eigene Muster zu erkennen und zu verstehen, dass man nicht für immer in einer Situation feststecken muss.
BANDUP: Du sprichst davon, einen „Safe Space“ für dich selbst und deine Hörer*innen schaffen zu wollen. Wie stellst du sicher, dass deine Musik diesen Raum öffnet, sowohl textlich als auch musikalisch?
NANCY: Mir ist wichtig, dass Menschen durch meine Musik das Gefühl bekommen, verstanden zu werden und mit ihren Gedanken und Gefühlen nicht allein zu sein. Ich möchte, dass sie sich in meinen Texten wiederfinden und merken, dass es okay ist, nicht immer alles im Griff zu haben. Gerade bei Themen wie Bindungsangst, Selbstzweifeln oder emotionaler Abhängigkeit hat man manchmal das Gefühl, mit diesen Gedanken allein zu sein oder nicht darüber sprechen zu können. Genau dieses Gefühl des Verstandenwerdens möchte ich auch bei meinen Konzerten schaffen. Ich möchte, dass man für diesen Moment alles um sich herum vergessen, loslassen und einfach man selbst sein kann. Dass man gemeinsam mit anderen Menschen fühlt, tanzt, lacht oder auch mal weint, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Für mich wäre es das Schönste, wenn jemand nach einem Konzert nach Hause geht und das Gefühl hat, für einen Moment genau am richtigen Ort gewesen zu sein und mit seinen Gefühlen nicht allein zu sein.
BANDUP: Die EP erscheint morgen, am 23. Oktober, begleitet von einem Releasekonzert im Mephisto in Hannover. Was erwartet die Besucher*innen an diesem Abend, und was geht dir durch den Kopf, da es dein erstes eigenes Konzert sein wird?
NANCY: Ich glaube, ich kann noch gar nicht richtig in Worte fassen, wie viel mir dieser Abend bedeutet. Ich habe lange darauf hingearbeitet, meine eigene Musik auf die Bühne zu bringen und einen Abend zu gestalten, der ganz meiner Musik und meinen Geschichten gehört. Die Besucher*innen erwartet eine Mischung aus den Songs meiner neuen EP „Dauerlauf“, älteren Songs und sogar ein paar bisher unveröffentlichten Songs. Mir ist vor allem wichtig, dass es nicht einfach nur ein Konzert wird, bei dem man vorne steht und Musik hört, sondern dass wir gemeinsam einen Abend erleben, an dem man alles andere für einen Moment vergessen kann. Ich möchte, dass die Leute mitsingen, tanzen, lachen und vielleicht auch bei dem einen oder anderen Song emotional werden.
Was bleibt, wenn der letzte Ton verklungen ist?
BANDUP: Du hast bereits auf größeren Bühnen gespielt, zum Beispiel auf dem Maschseefest oder bei einem Gig auf dem Homeward Festival. Was bedeutet dir gerade jetzt die Verbindung zum Publikum?
NANCY: Ich finde es immer wieder spannend, ob ich auch Menschen erreiche, die meine Musik vorher gar nicht kannten und vielleicht einfach zufällig vorbeikommen, wie bei den größeren Veranstaltungen, die ich schon spielen durfte. Ich schreibe meine Songs erst einmal aus meinen eigenen Gefühlen heraus. Wenn dann fremde Menschen vor der Bühne stehen und sich darin wiederfinden, ist das ein besonderes Gefühl. Ich möchte nicht nur für den Moment unterhalten, sondern im besten Fall etwas hinterlassen, das die Leute auch nach dem Auftritt noch begleitet.
BANDUP: Zwischen deiner ersten EP „Schockverliebt“ und „Dauerlauf“ liegt eine gewisse Zeit. Wie hast du dich musikalisch und persönlich weiterentwickelt, und was unterscheidet die neue EP von deinen bisherigen Releases?
NANCY: Ich glaube, ich bin in der Zeit vor allem ehrlicher zu mir selbst geworden. Bei „Schockverliebt“ habe ich viele Gefühle verarbeitet, die ich in dem Moment erlebt habe. Bei „Dauerlauf“ schaue ich viel mehr darauf, warum ich eigentlich so fühle und welche Muster sich bei mir immer wiederholen. Ich hinterfrage mich mehr, manchmal wahrscheinlich auch zu viel. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass ich nicht auf alles sofort eine Antwort haben muss. Musikalisch habe ich mich ebenfalls weiterentwickelt und mich mehr getraut, unterschiedliche Seiten von mir zu zeigen. Die neue EP ist für mich deshalb nicht unbedingt erwachsener, sondern einfach noch ein Stück näher an dem, was gerade wirklich in mir vorgeht. Ich glaube, man merkt beim Hören, dass ich mich selbst noch lange nicht komplett verstanden habe, aber mittlerweile besser damit umgehen kann, dass das auch gar nicht immer nötig ist.
BANDUP: Zum Abschluss: Welchen Song, ob von dir oder von anderen Künstler*innen, empfiehlst du gerade unseren Leser*innen, und warum?
NANCY: Ich würde auf jeden Fall „Nur zu Besuch“ von meiner neuen EP empfehlen, weil der Song für mich einer der persönlichsten auf „Dauerlauf“ ist. Es geht darum, immer wieder das Gefühl zu haben, für andere Menschen nur eine vorübergehende Rolle zu spielen, obwohl man sich eigentlich wünscht, wirklich zu bleiben und ein Zuhause für jemanden zu sein. Ich glaube, viele kennen dieses Gefühl, gerade beim Dating. Man gibt viel von sich, hofft, dass daraus etwas wird, und am Ende ist man doch wieder nur eine Zwischenstation. Ich glaube, der Song trifft etwas, worüber viele nicht so offen sprechen, und vielleicht fühlt sich die eine oder andere Person beim Hören ein bisschen weniger allein damit.

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