Bruno Kawelke hat am 16. Oktober sein Debütalbum „Die Kugel“ veröffentlicht. Elf Songs sind drauf, produziert hat sie Sam Moran, und bei der Single „Almería“ ist Blumengarten mit dabei. Der Wahlkölner, der nebenbei auch als Musikjournalist arbeitet, hat sich mit einer Handvoll Songs, ausverkauften eigenen Shows und Support-Slots für Berq schnell einen Namen als Musiker gemacht.

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Auffällig ist vor allem die Laufzeit: Nur ein einziger Song geht knapp über drei Minuten, der Titelsong ist schon nach 81 Sekunden vorbei. Ausgerechnet jemand, der offen zugibt, dass ihm Zeit Angst macht, gönnt seinen Songs also erstaunlich wenig davon. Einen ersten Eindruck gibt das Video zu „Almería“, das Julius Gabele an einer verlassenen Mine mit Blick aufs Meer gedreht hat.

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Salz auf der Haut, Türme von Atlanta

„Almería“ liest sich wie ein Stapel Postkarten: Isle of Arran, die Türme von Atlanta und schließlich Almería, wo der Erzähler mit L steht. Mama mahnt, dass man nicht auf jeder Hochzeit tanzen kann, während er gerade aus den Fluten steigt und sich das Salz von der Haut wäscht. Mitten in diesem Fernweh steht dann die zentrale Zeile: „Ich sehe meine Zukunft und es macht mir keine Angst“.

Musikalisch bleibt viel Luft. Sam Moran lässt auf dem Album oft nur zurückgenommene Gitarren stehen, an anderen Stellen wird es plötzlich laut und filmisch, etwa bei „Machen Götter aus Männern“. Der Song nimmt sich die Männerbilder vor, die man in Jungsgruppen übernimmt, lange bevor man sie überhaupt hinterfragen könnte.

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Zehn Jungs und eine Tankstelle

Wie persönlich das ist, zeigt eine Erinnerung, die Bruno Kawelke im Gespräch erzählt: zehn Jungs, nachts an einer Tankstelle in Sterkrade, eine geteilte Flasche Wodka. Musik ist für ihn der Weg zurück zu solchen Momenten, mit demselben Licht, denselben Stimmen und demselben Geschmack auf der Zunge. Drei Minuten lang ist er dann wieder dort.

Damit ergibt die Kürze plötzlich Sinn. Klingt für mich nach purer Absicht: Wer einen Moment konservieren will, braucht keine sechs Minuten, sondern ungefähr so viel Zeit, wie der Moment selbst gedauert hat.

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