LIA im Interview: „Songwriting ist für mich die beste Form von Therapie“

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Die junge Musikerin LIA behandelt in ihren Songs das Thema Mental Health und lenkt mehr Aufmerksamkeit auf die Probleme, die in unseren Köpfen existieren. Ihre neue Single „Leben“ ist ein Song über das bloße Funktionieren und die Hoffnung, die trotzdem bleibt.

Inspiriert von der Nachricht eines Fans, hat die junge Musikerin sich dazu entschlossen, einen Song über den Gefühlszustand zu schreiben, wenn es sich manchmal mehr nach kämpfen als nach leben anfühlt.

Seit ihrer Debüt-EP „Try Out“ aus dem Jahr 2023 hat sich die Musikerin aus NRW spürbar weiterentwickelt. Statt frecher Songs stehen heute Mental-Health-Themen im Mittelpunkt, verpackt in einen Mix aus Deutschpop, elektronischen Einflüssen und Indie.

Im Interview spricht LIA darüber, warum uns ein ehrliches „Mir geht’s nicht gut“ so schwerfällt, wo für sie die Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem liegt und warum Songwriting für sie die beste Form von Therapie ist.

Außerdem verrät sie, was für sie den perfekten Ausgleich zum Musik machen bietet und welcher Song bei ihr gerade auf Dauerschleife läuft.

 […] Ich liebe es, meine kleinen und großen Gedanken und Gefühle in Songs zu packen und der Welt zu zeigen.

BANDUP: Du hast 2023 deine Debüt-EP „Try Out“ veröffentlicht. Wenn du heute auf deine ersten Songs zurückblickst: Was hat sich vielleicht seitdem verändert und was hast du seitdem gelernt?

LIA: In den drei Jahren ist auf jeden Fall musikalisch und textlich einiges passiert. Ich bin weg von den eher „frechen“ Songs und lege meinen Fokus ganz klar auf das Thema Mental Health.

Musikalisch habe ich in den drei Jahren immer mehr meinen Sound gefunden, einen Mix aus dem „klassischen“ Deutschpop und elektronischer bzw. Indie-Musik. Ich habe aber auch viel dazugelernt.

Mein wichtigstes Learning war auf jeden Fall, immer weiterzumachen und sich von kleinen Rückschritten nicht unterkriegen zu lassen. Denn „nach einem Tief kommt immer ein Hoch“, und irgendwie hat sich das bisher bei dem ganzen Musikding bei mir so durchgezogen.

Ein Song für alle, die gerade nur funktionieren

BANDUP: Den Anstoß für deine neue Single „Leben“ gab eine Nachricht, die dich über Instagram erreicht hat. Eine Followerin schrieb dir, dass sie momentan das Gefühl habe, mehr zu kämpfen als zu leben. Was hat diese Nachricht in dir ausgelöst und warum hattest du das Gefühl, daraus einen Song machen zu wollen?

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LIA: Mich hat diese Nachricht emotional sehr getroffen und ich hatte direkt so ein Bauchgefühl, dass dieses Thema gehört werden muss und einen Song braucht. Mir ist es sehr wichtig, in meinen Songs auf solche Themen aufmerksam zu machen, und ich habe das Ziel, dass sich Menschen damit verstanden und nicht alleine fühlen.

BANDUP: Wenn jemand gerade genau an diesem Punkt steht und das Gefühl hat, nur noch zu funktionieren: Was würdest du dieser Person gerne sagen?

LIA: Ich würde der Person gerne sagen, dass ein „Warum funktioniere ich gerade nur noch?“ auch ein „Was, wenn alles gut wird?“ bedeuten kann. Diese Zeit des „Funktionierens“ stelle ich mir unheimlich hart vor und ich würde der Person gerne ein Stück Hoffnung schenken.

Manchmal braucht es mehr als ein „Wie geht’s dir?“

BANDUP: Warum fällt es uns deiner Meinung nach so schwer, ehrlich auf die Frage „Wie geht’s dir?“ zu antworten?

LIA: Weil es ganz oft ein „Verdrängen“ oder „Verstecken“ von Gefühlen ist. Ich selbst erwische mich oft dabei und möchte andere nicht mit meinen Problemen stören. Ein „Mir geht’s gut“ ist meiner Meinung nach viel leichter gesagt als ein „Mir geht’s gerade nicht gut“.

BANDUP: Du machst aus sehr persönlichen Erfahrungen Musik, die am Ende auch andere Menschen erreicht. Gibt es für dich eine Grenze zwischen dem, was du in einem Song teilen möchtest, und dem, was lieber nur bei dir bleibt?

LIA: Die Songs, die ich schreibe, kommen zu 100 % aus meinem Herzen und sind teilweise sehr persönlich. Das Schöne am Songwriting finde ich aber, dass man sich so ausdrücken kann, wie man sich damit wohlfühlt. Da habe ich mittlerweile einen guten Weg gefunden, meine Gedanken auszuschütten und so zu verpacken, dass ich sie mit gutem Gewissen der Welt zeigen kann.

BANDUP: Schreibst du eher, um etwas für dich selbst zu verarbeiten, oder entstehen deine Songs erst dann, wenn du merkst, dass du etwas mit anderen teilen möchtest?

LIA: Das ist tatsächlich beides der Fall. Songwriting ist für mich die beste Form von Therapie und ich kann so viel damit verarbeiten.

Manchmal habe ich aber auch Themen im Kopf oder sehe bei anderen etwas, das ich unbedingt teilen möchte, und packe das in meine Songs. Es ist also eine gute Mischung aus beidem.

BANDUP: Woher nimmst du die Kraft, dich so viel mit diesen Themen auseinanderzusetzen, und was gibt dir in schwierigen Zeiten Hoffnung bzw. Kraft?

LIA: Der Rückhalt meiner Liebsten, aber auch die Reaktionen meiner Community auf meine Songs geben mir total viel Kraft!

Für mich ist es das schönste Gefühl, wenn sich Menschen mit meiner Musik verstanden fühlen und sich danach vielleicht sogar ein Stück besser fühlen. Das zeigt mir immer wieder, wie wichtig es ist, Songs über solche Themen zu schreiben.

Triathlon als Ausgleich vom Musik machen

BANDUP: Was beschäftigt dich im Alltag abseits der Musik? Gibt es bestimmte Orte, Bücher, Filme oder Aktivitäten, die dich besonders prägen?

LIA: Tatsächlich ist es bei mir der Sport, vor allem der Triathlon. Die Mischung aus Laufen, Radfahren und Schwimmen ist für mich der perfekte Ausgleich zur Musik.

BANDUP: Zum Abschluss: Welchen Song würdest du unseren Leser*innen gerne empfehlen und was läuft bei dir gerade auf Dauerschleife?

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LIA: „danke für nichts“ von jolle läuft bei mir gerade auf Dauerschleife und ist eine ganz große Empfehlung von mir!

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