Wenn der Weg zurück der einzige nach vorn ist: Slow Pulp mit „Melodie“
Slow Pulp meldet sich zurück: Die Band veröffentlicht am 18. September ihr drittes Album „Melodie“. Die 11 Songs nehmen uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit und zeigen, wie sehr der Blick zurück dabei helfen kann, die eigenen Gefühle besser zu verstehen.
WO DIE REISE BEGINNT
Slow Pulp eröffnet das Album mit einem der persönlichsten und retrospektivsten Songs des gesamten Werks. „Yellow And Green“, so der Titel, ist eine Hommage an die Green Bay Packers, das Football-Team aus Masseys und Stoehrs Heimatstaat Wisconsin. Klanglich wird man direkt von einer warmen Gitarre und Masseys sanfter Stimme aufgefangen und anschließend durch eine Welt voller Nostalgie und Ehrlichkeit geführt. Der Sound wirkt vertraut und einfach unfassbar „Slow Pulp“.
ZWISCHEN ZWEI SELBST
Die erste Single „Better Man“ veröffentlichte die Band bereits am 10. Juni und wurde ausschließlich von Stoehr geschrieben. Der Track setzt sich mit der Diskrepanz zwischen dem idealen Selbst und dem tatsächlichen Selbst auseinander. Da der Text vom Gitarristen Stoehr stammt, aber von Massey gesungen wird, bringt der Song einen interessanten Gender-Tausch mit sich. Sie singt von dem Mann, der er ist und dem, der er sein möchte.
Musikalisch bringt der Track eine unentbehrliche Energie mit sich. Zuerst erklingt ein glockenähnliches Geräusch, bei dem es sich tatsächlich um Stoehrs Schlag auf den Gitarrensteg hinter den Saiten handelt. Dieses wird von einem krachenden Schlagzeug und Gitarren abrupt durchbrochen bevor der Song sich in der Melodie verläuft.
WER BRICHT STOEHRS HERZ?
Der durchaus poppige Mittelteil des Albums wird unterbrochen von einer Ballade. „Not For Nothing“, ebenfalls von Stoehr geschrieben, erzählt von verschiedenen Arten des Herzschmerzes. Er begibt sich auf eine kettenartige Reise des Kontrollverlusts: Zu Beginn wird er mit der zweifellosen Machtlosigkeit, seine eigenen Emotionen steuern zu können konfrontiert. Anschließend stößt er auf das Wissen, dass dieses Gefühl einen vollständig einnehmen wird und begegnet letztendlich den daraus folgenden Konsequenzen.
Das einzige, was ihm dann noch bleibt, ist die Möglichkeit zur Entscheidung: Die Entscheidung sich zu ergeben.
You break your own heart […] It’s a loss, but there’s really no other option.
So beschreibt es Stoehr mit seinen eigenen Worten. Man bricht sein eigenes Herz, indem man zulässt, es genau zu wissen. Man verliert dabei vielleicht die Distanz oder auch die Selbsttäuschung. Die Alternative wäre nur, dauerhaft neben sich selbst zu stehen und das ist keine.
Mit Kontrollabgabe hat sich die Band auch im Produktionsprozess des Albums auseinandergesetzt. Zum ersten Mal haben sie sich dazu entschieden mit Elliot Kozel einen externen Produzenten heranzuholen, der Stoehr bei seiner Arbeit unterstützt. Das half ihm unter Anderem auch dabei, sich wieder mehr dem Songwriting zu widmen, denn Massey hatte die Texte der letzten Alben größtenteils allein geschrieben; „Melodie“ gemeinsam mit Stoehr zu schreiben brachte die beiden wieder zurück zu ihren Anfängen, als sie noch gemeinsam schrieben.
VERTRAUTER KLANG AUF NEUEM WEG
Wer die Band von ihren vorherigen Alben „Moveys“ und „Yard“ lieben gelernt hat, wird sich auf „Melodie“ schnell zurechtfinden. Slow Pulp bleibt ihrem folkigen Indie-Rock Kern treu, bringt jedoch weitere Facetten mit, die dem typischen Klang nicht widersprechen, sondern ihn mit Fülle ergänzen und vervollständigen. Mal blitzt Shoegaze durch, ein anderes Mal ein verträumter Pop-Track. Auch die Reihenfolge der Songs führt zu einem spielerischen Wechsel all dieser Dimensionen.
„Melodie“ gibt es bald nicht nur auf Streaming-Plattformen zu hören, sondern auch live: Die Band beginnt schon diesen Herbst ihre Tour und hat für Januar 2027 auch zwei Stopps in Deutschland eingeplant.

Gewinnspiel
BANDUP verlost auf Instagram zwei Vinyls des Albums “WILDCHILD” von Alex Warren.









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