BRUCKNER laden mit neuem Album zum „Zusammenbleiben” ein
Die beiden Brüder Matti und Jakob Bruckner haben am 25. September ihr Album „Zusammenbleiben” veröffentlicht. Es ist das dritte Album in ihrer bisher achtjährigen Musikkarriere und das erste, das für die beiden eine Art von Ankommen verkörpert. Inspiriert durch den erneuten Familienzuwachs seitens Jakob und das ganze, doch auch spaltende Weltgeschehen, wollen die zwei den Fokus wieder mehr auf das Menschsein und das Zusammenleben lenken. Produziert wurde es hauptsächlich von den beiden selbst.
„Könn’ wir uns nicht vertragen, weil die Welt eh so im Arsch ist/ Und alles, was wir haben, sind wir, wenn wir’s schon nicht schaffen, was soll dann passieren?” – Vertragen
Der Opener macht Hoffnung
Musikalisch haben sich die Brüder einerseits weiterentwickelt und vorsichtig neue Richtungen ausprobiert, jedoch wirkt es andererseits so, als ob der Mut gefehlt hat, komplett loszulassen und sich neu zu erfinden. Schnell rutscht es wieder in die altbekannte BRUCKNER-Soundkulisse ab.
Der Opener „F” klingt nach etwas Neuem, aber immer noch Vertrautem. Leicht verspielt lenkt das Intro des Songs mit einem fröhlichen Synthesizer und einer gezupften Akustikgitarre die Aufmerksamkeit auf sich. Bis Jakobs Stimme einsetzt. Der Song wird eindringlicher und vom Gesang vorangetrieben. Es setzen Schlagzeug, Bass und die zweite Gitarre ein, Matti stößt mit der zweiten Gesangsstimme dazu und die Anspannung schwillt weiter an. Wie bei einem Bach, der anfangs fröhlich vor sich hin plätschert, dann zunehmend zum reißenden Fluss wird und mit dem Höhepunkt bei 1:18 Minute schließlich im weiten Meer mündet, wo die Spannung sich letztendlich auflöst. Passend für ein Lied, das nach dem Anfangsbuchstaben seiner kleinen Tochter benannt ist.
Der Song hat also nicht den typischen BRUCKNER-Sound, wie man ihn sonst von den beiden kennt, sondern eine andere, neue Atmosphäre, und trotzdem hört er sich nicht fremd an. Er macht neugierig und lässt einen kurz innehalten. Je öfter man zuhört, desto mehr versteht man, was Jakob eigentlich meint mit dem, was er sagt. So wird er jedes Mal ein bisschen schöner.
Business as usual
Musikalisch lässt es allerdings danach schnell nach. Hier und da sind ein paar kleine Details versteckt, wie etwa beim fast fließenden Übergang von „F” zu dem typisch BRUCKNERischen und im Refrain etwas an Text gesparten „Gute Dinge”, in dem man beim genauen Hinhören die Wiederaufnahme der ersten Gitarrenstimme entdeckt. Oder bei dem synthlastigen „High wie du”, in dem die aufmerksamen Hörer*innen eine Kinderstimme vernehmen können (es wäre naheliegend, dass es sich hierbei um eines von Jakobs Kindern handelt, was wieder einmal mehr auf den neuen Fokus im Leben der beiden Brüder hindeutet). Schließlich wäre da noch der fast schon rockige Ausreißer „Rosmarie”, welcher thematisch aber auch nichts Neues bereithält. Ansonsten klingen die Brüder so wie immer. Mit „Dienstag“ liefern sie noch einen leichten Tanz-Pop-Song, der melodisch an Milky Chance erinnert, und mit „Vertragen“ einen obligatorischen ruhigen Dreivierteltakter.
Zuversicht und Zusammenhalt in 11 Songs gepackt
„Wir sagen, es tut uns leid und wir schenken uns Magnolien und ein bisschen Zeit/ Mit jeder Wunde, die heilt, wird die Haut dicker und das Herz, das darin schlägt, ein bisschen sich’rer sein” – Magnolien
Das Album ist wesentlich persönlicher und direkter als die beiden Vorgänger. Nach „Hier” und „Zerrissen” geht es in „Zusammenbleiben”, wie der Titel schon erahnen lässt, um zwischenmenschliche Beziehungen, um Zuversicht, um den Kern des Zusammenlebens, um das Miteinander leben und leben lassen und um das gemeinsame Wachsen. Zusammengefasst: Es geht ums Zusammenbleiben und das Wieder-Zueinanderfinden.
„Du” ist für Jakob ein Eingeständnis und die Selbsterkenntnis, dass er als Mann, trotz seiner Künstlerkarriere, zwar eine finanzielle Absicherung schaffen konnte, er jedoch nicht die Person in der Familie ist, die alles zusammenhält (und es auch nicht sein muss), sondern seine Frau: „Ich wär so gern der Mensch, auf dessen Schultern alles ruht, doch wenn ich ehrlich bin, dann bist das du“. Er ist zwar nicht der Erste, der diese Erkenntnis hat und darüber einen Song schreibt, aber es tut gut zu merken, dass ein weiterer Cis-Mann anerkennt, was eine Frau alles hinter den Kulissen für eine Familie leistet. Gleichzeitig sieht er auch ein, dass er nicht irgendwelchen „männlichen“ Stereotypen entsprechen muss und somit, nur weil er ein Mann ist, nicht automatisch der Ernährer und das Rückgrat einer Familie zu sein hat.
Der Kontrast, von dem man nicht wusste, dass er fehlte
Der letzte Song „Zusammenbleiben” ist nicht nur Titeltrack und somit das Herzstück der Platte, er ist gleichzeitig auch der einzige Song mit einem Feature-Part. Zu hören sind darauf, neben Jakob und Matti, die ebenfalls aus Bayern stammende Indie-Rockband Falschgeld. Gemeinsam singen die Jungs eine schlichte Liebeserklärung, gerichtet an eine geliebte Person, mit der man schon durch dick und dünn gegangen ist, alles Mögliche überstanden hat und gemeinsam daran gewachsen ist, ohne dabei zu übertreiben oder geschwollen zu klingen. Einfach und roh. Und genau durch diese Kombination wirkt der Song so natürlich authentisch und bettet die Botschaft in eine ganz wohlige und leicht melancholische Stimmung ein. Er versetzt einen genau in das Szenario, das die beiden Bands beschreiben. Zudem tut es dem Song gut, eine zweite, tiefere und noch ungewohnte Stimme zu hören, die im Kontrast zur Hauptstimme Jakob Bruckners steht.
Es sind solche Songs, wie „F“ und „Zusammenbleiben“, die zeigen, was die beiden Brüder am besten können: Mit einfachen, aber wohl gewählten Worten und gezielter Instrumentierung eine packende Stimmung zu erzeugen. Und zwar eine lähmende und zugleich rührende Stimmung, bei der man gleichzeitig weinen und lächeln muss.
Worauf es eigentlich ankommt
Trotz allem ist es etwas schade, dass die Platte nicht viel Neues bereithält. Schließlich ist ein neues Album für die Hörer*innen jedes Mal aufs Neue eine Art Überraschungstüte, bei der man nicht weiß, was auf einen zukommt. Man fragt sich immer, in welche Richtung sich die Band entwickelt hat, ob es überhaupt eine Entwicklung gab oder ob die neue Platte vielmehr einen Schritt nach hinten ist.
Vielleicht ist aber genau das die Absicht gewesen: Ein Album zu machen, dass weniger als Weiterentwicklung sondern eher als Verfeinerung zu sehen ist. Schließlich wäre es nicht das erste Mal, dass sich alles etwas erdet, sobald ein neues Familienmitglied dazukommt. Jakob selbst sagt im Interview mit der Süddeutschen Zeitung, er wolle die Kindheit seiner Kinder nicht verpassen. Man setzt seinen Fokus neu, alles verrutscht ein bisschen und es wird klar, worauf es eigentlich ankommt: Zusammensein; die Zeit mit den Menschen zu verbringen, die man liebt, und das zu tun, was einen erfüllt. Vielleicht ist genau das auch den beiden Oberbayern passiert.
Jakob selbst schrieb über den gemeinsamen Account auf Instagram:
Unser drittes Album „Zusammenbleiben“ ist das Album geworden das wir immer machen wollten: Jeder Song auf dieser Platte ist so ehrlich und direkt aus unseren Herzen und Leben, völlig frei von dem Versuch irgendwas darzustellen, cool zu sein oder einem Zeitgeist nachzueifern. Nach „Hier“ und „Zerrissen“ fühlt es sich an wie nach einer langen Reise endlich heimzukommen. […] Es ist das ehrlichste was wir je gemacht haben. […]
Es war also gar nicht das Ziel, herauszustechen und etwas komplett Neues zu schaffen, sondern einfach, sich treu zu bleiben und das zu machen, was sie am besten können, ohne sich dabei zu verändern oder den Zwang zu haben, sich neu erfinden zu müssen. Dennoch wäre es schön gewesen, wenn sie etwas experimentierfreudiger an ihr drittes Album herangegangen wären und sich musikalisch weiterentwickelt oder zumindest mehr als ihren kleinen Zeh in unbekannte Gewässer getaucht hätten.
BRUCKNER bleibt BRUCKNER
Die Platte ist also für alle BRUCKNER-Fans, die ihre Lieblingsband genau deshalb so lieben, weil sie so klingt, wie sie klingt. Alle, die etwas Neues erwartet haben, werden leider etwas enttäuscht. Es ist zwar keine misslungene Stagnation, jedoch ist die Platte im Vergleich zu ihren Vorgängern weniger abenteuerlustig und hält sich in einem kleineren Soundkosmos auf. Man kann sie dennoch mit gutem Gewissen genießen und sich mit solidem Indie-Pop den Tag versüßen lassen.
Es scheint so, als hätten die beiden Brüder mit ihrem dritten Album eher was für sich selbst getan und sich musikalisch gefunden. Und das ist ja wohl die Hauptsache. Am Ende ist und bleibt es durch und durch ein BRUCKNER-Album.

Gewinnspiel
BANDUP verlost auf Instagram zwei Vinyls des Albums “sunny side up/:down” von jolle.









Diskussion (0)
Noch keine Kommentare. Sei die erste Stimme.