Aphrodite Vox über „Goddess“: Transformation, feminine Stärke und der Mut zur Sichtbarkeit

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Mit ihrer neuen Single „Goddess“, worüber wir bereits hier geschrieben haben. schafft Aphrodite Vox einen eindrucksvollen Auftakt zu einer künstlerischen Trilogie über Selbstwerdung und Selbstermächtigung. Die Drag-Künstlerin und Musikerin vereint in ihrem Projekt Sound, visuelle Kunst und Storytelling zu einem Gesamtkunstwerk, das besonders in der queeren Popkultur Resonanz findet. Im BANDUP-Interview spricht sie über den bewussten Umgang mit Verletzlichkeit, die Kraft femininer Energie und darüber, warum Aphrodite Vox mehr ist als nur Musik – es ist eine Einladung in eine lebendige, sich stetig entwickelnde Welt voller Tiefe, Sinnlichkeit und positiver Energie.

BANDUP: Zum Einstieg: Wer ist Aphrodite Vox – und was sollten Leser*innen über dich wissen, bevor sie „Goddess“ hören oder sehen?

Aphrodite Vox: Aphrodite Vox ist meine künstlerische Identität, in der Musik, Bild und Storytelling untrennbar miteinander verbunden sind. Meine Arbeit kreist um Themen wie Transformation, Sinnlichkeit und Selbstermächtigung und versteht Identität als etwas Lebendiges, das sich stetig weiterentwickelt. Mit Aphrodite Vox habe ich mir bewusst einen eigenen Raum geschaffen: eine Welt, eine Community und eine Verbindung zu Menschen, die sich darin wiederfinden. Ich erlaube mir, sichtbar zu sein, mit Stärke und mit Verletzlichkeit zugleich.

„Goddess“ markiert den Auftakt einer Trilogie, die sich mit Selbstwerdung, Verbindung und emotionaler Offenheit beschäftigt. Dabei fließen auch meine kulturellen Wurzeln und mythologische Bilder mit ein. Aphrodite ist für mich nicht nur eine Figur aus der Mythologie, sondern ein Symbol für eine Energie, die bis heute weiterlebt. Aphrodite Vox versteht sich als ihre Stimme in unserer Zeit. Wer den Song hört oder das Video sieht, begegnet also nicht nur einem einzelnen Track, sondern dem Einstieg in eine größere künstlerische Welt.

BANDUP: Deine Debütsingle „Goddess“ ist erst seit Kurzem draußen. Wie fühlt es sich an, dieses Projekt jetzt öffentlich loszulassen?

Aphrodite Vox: Die Entscheidung, „Goddess“ zu veröffentlichen, fiel ausgerechnet an meinem Geburtstag, das gibt dem Ganzen eine sehr besondere Bedeutung. Es fühlt sich an wie ein persönlicher Neubeginn, fast wie eine zweite Geburt von Aphrodite Vox. „Goddess“ ist kein Song, den ich einfach veröffentlicht habe. Es ist ein Teil meiner inneren Reise, den ich jetzt nach außen gebe.

Dieses Loslassen bedeutet auch, Kontrolle abzugeben und zu akzeptieren, dass Menschen den Song auf ihre eigene Weise fühlen und interpretieren. Gleichzeitig empfinde ich große Dankbarkeit. Zu sehen, dass etwas so Persönliches Resonanz findet und andere berührt, ist intensiv. Es fühlt sich an wie der erste echte Schritt mit Aphrodite Vox in dieser Welt: mutig, ehrlich, fokussiert und mit offenem Herzen.

BANDUP: Der Song kreist um Transformation und feminine Stärke. Gab es einen konkreten Auslöser oder Moment, der dieses Thema für dich greifbar gemacht hat?

Aphrodite Vox: Ja! Der Auslöser hatte viel mit meiner eigenen Beziehung zu Sichtbarkeit und Weiblichkeit zu tun. Als Drag-Künstlerin erlebe ich, wie stark Feminität bewertet, eingeordnet oder missverstanden wird, sowohl außerhalb als auch innerhalb der eigenen Community. Lange Zeit habe ich versucht, mich davor zu schützen. Weniger angreifbar zu sein. Mit Aphrodite Vox ist etwas Entscheidendes passiert: Ich habe aufgehört, diese Verletzlichkeit zu verstecken, und begonnen, sie bewusst als Kraft zu begreifen.

„Goddess“ ist aus genau diesem Wendepunkt entstanden. Feminine Stärke bedeutet für mich nicht Pose oder Perfektion, sondern die Fähigkeit, mit Tiefe, Sensibilität und Selbstbewusstsein gleichzeitig im Raum zu stehen. Der Song ist deshalb weniger ein Statement gegen etwas, sondern eine bewusste Entscheidung für mich selbst und gleichzeitig ein Angebot an andere. Jeder Mensch trägt feminine und maskuline Anteile in sich. Wenn Aphrodite Vox dazu beitragen kann, dass Menschen sich darin gesehen und ermutigt fühlen, erfüllt das den Kern meiner Intention.

BANDUP: Sound und Bild wirken bei dir sehr eng miteinander verbunden. Wie wichtig ist dir das Visuelle beim Schreiben und Produzieren von Musik?

Aphrodite Vox: Für mich ist das Visuelle kein Zusatz, sondern Teil des kreativen Kerns. Ich denke beim Schreiben fast immer in Bildern, Szenen und Atmosphären. Oft entsteht zuerst ein Gefühl oder eine innere Welt, daraus entwickelt sich der Sound. Aphrodite Vox ist als Gesamtkunstwerk gedacht. Deshalb arbeite ich bewusst mit einem starken Team aus spezialisierten Künstler*innen zusammen: Make-up, Hair, Styling, Visuals, Video.

Jede Ebene trägt zur Identität bei. Das ist eine bewusste Investition und Ausdruck meines Anspruchs. Viele Menschen, mit denen ich arbeite, sind international tätig und arbeiten teilweise für große Produktionen. Dass sie sich für dieses Projekt begeistern, zeigt mir, dass diese Vision trägt. Nichts an Aphrodite Vox ist zufällig. Jede Bewegung, jedes Bild, jedes Detail folgt einer Idee. Erst im Zusammenspiel aus Sound, Bild und Körper entsteht die ganze Geschichte.

Das Spannungsfeld zwischen Emotion und Clubkultur

BANDUP: „Goddess“ bewegt sich zwischen emotionaler Intensität und clubtauglicher Energie. Was reizt dich an genau diesem Spannungsfeld?

Aphrodite Vox: Mich reizt der Moment, in dem Gefühl und Körper zusammenkommen. Ich liebe Musik, die nicht nur berührt, sondern auch bewegt. Die dich tanzen lässt und gleichzeitig emotional erreicht. Als Tänzerin ist Bewegung ein zentraler Teil meiner Sprache. Hinter jeder Bewegung, jeder Zeile, jedem Sound steckt Bedeutung. Mir ist wichtig, dass Menschen spüren, dass Substanz dahintersteckt. Gleichzeitig möchte ich mit meiner Kunst positive Energie weitergeben. Menschen sollten sich öffnen, sich verbinden und gemeinsam tanzen. „Goddess“ lebt genau in diesem Spannungsfeld: intensiv, aber auch körperlich, lebendig und voller Energie.

BANDUP: Deine Musik spricht besonders Menschen an, die sich in queerer Popkultur wiederfinden. Welche Rolle spielen Identität und Selbstermächtigung für dich als Artist?

Aphrodite Vox: Identität und Selbstermächtigung sind für mich keine Konzepte, sondern eine Haltung. Aphrodite Vox ist entstanden, weil ich mir erlaubt habe, mich nicht länger einzuengen. Dass sich besonders viele Menschen aus der queeren Popkultur in meiner Musik wiederfinden, berührt mich sehr. Diese Community steht für Freiheit, Vielfalt und Ausdruck, darin sehe ich mein Projekt verankert.

Gleichzeitig geht es mir nicht darum, nur eine bestimmte Szene anzusprechen. Jede Person darf sich angesprochen fühlen, die etwas in meiner Kunst erkennt. Man muss nichts „sein“, um sich berühren zu lassen. Es reicht, offen zu sein. Selbstermächtigung bedeutet für mich vor allem: zu sich selbst zu stehen. Wenn Aphrodite Vox Menschen darin bestärkt, sich freier und wahrhaftiger zu fühlen, ist mein Ziel erreicht.

BANDUP: Du hast angedeutet, dass „Goddess“ Teil einer größeren, zusammenhängenden Geschichte ist. Was bedeutet es dir, Musik langfristig und konzeptionell zu denken?

Aphrodite Vox: Ich denke Aphrodite Vox nicht als lose Abfolge von Songs, sondern als zusammenhängendes Projekt. Jeder Song erfüllt eine Funktion innerhalb einer größeren Erzählung. Die Trilogie rund um „Goddess“ zeigt diese Entwicklung: vom Erwachen über Verbindung bis hin zu Klarheit und Selbstbewusstsein. Diese Struktur gibt mir die Möglichkeit, Themen wirklich zu entfalten, musikalisch, visuell und emotional. So entsteht eine Welt, die sich mit jedem Release weiter öffnet und Menschen langfristig begleiten kann.

Geheimnisse, Easter Eggs und die Kunst der Andeutung

BANDUP: Im Musikvideo soll es bereits einen Hinweis auf das nächste Kapitel geben. Wie bewusst arbeitest du mit Erwartungen und Andeutungen? Möchtest du eventuell verraten, was du für Easter Eggs eingebaut hast?

Aphrodite Vox: Ich mag Kunst, die nicht alles sofort erklärt, sondern Raum lässt für Entdeckung. Diese zweite Ebene interessiert mich fast genauso sehr wie das Offensichtliche. Im Video zu „Goddess“ gibt es am Ende einen kleinen visuellen Moment, der bereits auf das nächste Kapitel verweist, eher ein Gefühl als ein klassischer Teaser. Diese Details sollen organisch aus der Geschichte entstehen, nicht wie Marketing-Tricks wirken. Wer sie entdeckt, bekommt einen tieferen Einblick. Wer sie übersieht, kann den Song trotzdem genießen. Beides darf nebeneinander existieren. Ein bisschen Geheimnis gehört für mich zur Magie.

BANDUP: Abseits von Releases und Konzepten: Was hilft dir persönlich, kreativ zu bleiben und nicht den Überblick zu verlieren?

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Aphrodite Vox: Disziplin, Ehrlichkeit und Aufmerksamkeit. Ich arbeite strukturiert, aber die eigentliche Kreativität entsteht aus echten Momenten, aus Begegnungen, Gesprächen, Emotionen. Ich zwinge Ideen nicht herbei, sondern höre auf mich und meine Umgebung. Kleine Reisen und Ortswechsel helfen mir dabei sehr. Neue Eindrücke bringen Bewegung in den Kopf und oft genau den Impuls, den ich brauche.

BANDUP: Zum Abschluss – ganz klassisch: Hast du noch eine Song- oder Artist-Empfehlung für unsere Leser*innen?

Aphrodite Vox: Ich finde, es lohnt sich sehr, international zu schauen. Weltweit gibt es so viele spannende Stimmen und Persönlichkeiten. Künstlerinnen wie Lady Gaga beeindrucken mich, weil man ihren künstlerischen Prozess so klar verfolgen kann. Gleichzeitig berührt mich ältere Musik sehr, zum Beispiel Aaliyah, ihre Songs sind zeitlos. Auch große Bühnenmomente wie von Sertap Erener inspirieren mich, etwa beim Eurovision Song Contest. Irgendwann selbst dort zu stehen und Deutschland zu repräsentieren, ist tatsächlich ein Traum. Kurz gesagt: Ich lasse mich inspirieren von Geschichten, Persönlichkeiten und Momenten. Das hält meine Kunst lebendig.

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