War Child mit HELP(2) Album: Wenn Musik wirkt, wo Politik scheitert
Jedes sechste Kind wächst in Kriegs- und Krisengebieten auf – das ist die erschreckende Bilanz von UNICEF. Um genau den Kindern zu helfen, die Unterstützung am dringendsten brauchen, hat das britische Label War Child am Donnerstag die Charity-Compilation HELP(2) angekündigt – und zeigt damit Verantwortung, wo Politik weltweit versagt.
Den ersten Vorboten für das Album, das am 6. März erscheint, lieferten die Arctic Monkeys mit “Opening Night”. Warum dieser Release gerade jetzt so wichtig ist, lest ihr hier.
Dass “Opening Night”, die erste Single des Albums, zugleich der erste Release der Arctic Monkeys seit vier Jahren ist, zeigt die Besonderheit des Projekts. Die Band um Alex Turner prägte vor 20 Jahren mit ihrem Sound eine ganze Generation – entsprechend hoch waren die Erwartungen, als sich die Gerüchte um neue Musik verdichteten.
Bei der Ankündigung am Donnerstag blieb der Fokus dennoch klar bei War Child; die Band zeigte sich stolz, Teil des Charity-Projekts zu sein: „We are proud to support the invaluable work War Child do and hope the record will make a positive difference to the lives of children affected by war.
„No child should be part of war. Ever.“
HELP(2)ist das zweite große Projekt der Organisation, bereits 1995 sammelte sie mit HELP umgerechnet rund eine Million Euro für Kinder, die vom Bosnienkrieg betroffen waren. Das Album wurde damals von Kritikern als „das beste Charity-Album aller Zeiten“ bezeichnet –ein Maßstab, an den War Child nun anknüpfen möchte, um die Notwendigkeit humanitärer Hilfe auch heute wieder deutlich zu machen.
Es ist ein Projekt, das Hoffnung schenken will, aber gleichzeitig deutlich macht, wie dramatisch die Lage für über 473 Millionen Kinder ist, die weltweit in Krisen- und Kriegsgebieten leben. Besonders betroffen sind derzeit Kinder in der Ukraine, in Gaza, im Jemen und im Sudan. Genau dorthin sollen die Erlöse des Charity-Albums fließen. War Child macht deutlich: “No child should be part of war. Ever.“
Um dieses Ziel zu erreichen, setzt die Organisation auf Bildungsangebote, Kinderschutz, Unterstützung der psychischen Gesundheit von Kindern und die Stärkung ihrer Rechte. HELP(2) wurde mit der Unterstützung zahlreicher Labels produziert, um die Kosten zu senken – sämtliche Gewinne gehen am Ende an War Child.
PROMINENTE UNTERSTÜTZUNG UND SPANNENDE FEATUREs
Während sich 1995 vor allem britische Rockbands wie Radiohead, Blur, Oasis oder Portishead für das Projekt zusammenschlossen, ist HELP(2) deutlich internationaler aufgestellt. Insgesamt beteiligen sich 30 Künstler*innen, darunter Olivia Rodrigo, Depeche Mode, The Last Dinner Party, Arlo Parks und Wet Leg.
Das Album entstand innerhalb einer Woche im letzten November in den berühmten Abbey Road Studios in London. Produziert wurde HELP(2) von James Ford, der bereits mit Künstler*innen wie den Arctic Monkeys, Florence + The Machine und Depeche Mode zusammenarbeitete. Erste Einblicke liefern Snippets aus den Aufnahmen, die bereits erahnen lassen, wie außergewöhnlich die Platte ausfällt: Die Tracklist ist definitiv eine der spannendsten, die ein Compilation-Album in den letzten Jahren hervorgebracht hat.
Neben den prominenten Namen wecken besonders einige außergewöhnliche Kollaborationen auf der Charity-Compilation Neugier. Gleich der zweite Track “Flags” vereint eine echte Supergroup: Damon Albarn (Blur/Gorillaz), Fontaines D.C.-Frontmann Grian Chatten, Kae Tempest, The Smiths-Gitarrist Johnny Marr und viele mehr kommen hier zusammen – ergänzt durch einen Chor, in dem sogar Kinder mitsingen.
Spannend sind außerdem einige Coversongs: Fontaines D.C. interpretieren Sinéad O’Connors “Black Boys on Mopeds” neu, Depeche Mode covern Donovans “Universal Soldier” und Olivia Rodrigo ist mit einer eigenen Version von “The Book of Love” von The Magnetic Fields zu hören. Die Tracklist zeigt vor allem eins: HELP(2) liefert starke Songs mit klaren Anti-Kriegs-Botschaften.
Tracklist:
1 Arctic Monkeys – Opening Night
2 Damon Albarn, Grian Chatten & Kae Tempest – Flags
3 Black Country, New Road – Strangers
4 The Last Dinner Party – Let’s do it again!
5 Beth Gibbons – Sunday Morning
6 Arooj Aftab & Beck – Lilac Wine
7 King Krule – The 343 Loop
8 Depeche Mode – Universal Soldier
9 Ezra Collective & Greentea Peng – Helicopters
10 Arlo Parks – Nothing I Could Hide
11 English Teacher & Graham Coxon – Parasite
12 Beabadoobee – Say Yes
13 Big Thief – Relive, Redie
14 Fontaines D.C. – Black Boys on Mopeds
15 Cameron Winter – Warning
16 Young Fathers – Don’t Fight the Young
17 Pulp – Begging for Change
18 Sampha – Naboo
19 Wet Leg – Obvious
20 Foals – When the War is Finally Done
21 Bat For Lashes – Carried my girl
22 Anna Calvi, Ellie Rowsell, Nilüfer Yanya & Dove Ellis – Sunday Light
23 Olivia Rodrigo – The Book of Love
WAR CHILD ÜBERNIMMT VERANTWORTUNG, WO POLITIK VERSAGT
Die Veröffentlichung von HELP(2) ist ein ebenso hoffnungsvolles wie bitteres Abbild unserer Zeit – und der Beweis dafür, dass gerade jetzt dringend gehandelt werden muss. Ein Album, das unmissverständlich offenlegt, warum es Charity-Projekte, kollektive Zusammenarbeit von Künstler*innen und Solidarität braucht: Weil jemand helfen muss, während die Politik vielerorts versagt. Während heute mehr Kinder in Kriegsgebieten aufwachsen als jemals seit dem zweiten Weltkrieg, kürzen Regierungen weltweit internationale Hilfen – und investieren stattdessen Milliarden in Aufrüstung.
Kaum überraschend, dass dabei bei vielen ein Gefühl der Ohnmacht entsteht. War Child setzt dort an, verwandelt das Gefühl von Machtlosigkeit in Taten und appelliert weltweit an Solidarität. Jarvis Cocker, Frontmann von Pulp, die mit „Begging for Change“ eine Beitrag zu HELP(2) leisten, bringt diese kollektive Machtlosigkeit auf den Punkt:
At the moment, there really does seem to be a lot of bad things happening, and a lot of people feel powerless. They’re looking at the news and they don’t know what to do. So I would hope this album is something the people can enjoy, and also know that they’re trying to make a positive change.
MUSIK WAR SCHON IMMER POLITISCH – UND WIRD ES IMMER BLEIBEN
Was hier deutlich wird: Artists übernimmt Verantwortung, wo die Politik versagt. HELP(2) beweist, dass Musik schon immer politisch war, und es auch immer bleiben wird. Nicht aus ideologischer Überzeugung, sondern aus Notwendigkeit, und weil Wegsehen keine Option ist.
Für manche eine Selbstverständlichkeit, für andere offenbar ein Karriererisiko: James Ford, Produzent des Albums, erzählte im Guardian, dass einige Artists die Chance ablehnten, Teil des Projektes zu werden und Spenden für War Child zu sammeln – aus Sorge, das Album könnte als „zu politisch“ wahrgenommen werden:
It was actually a great insight into the industry: which people are willing to do something. People who you’d think would be into it flat-out refused because they saw it as too political or something like that. It was fascinating.
Umso selbstverständlicher war für ihn die Zusammenarbeit mit Bands und Künstler*innen, die ihre Haltung längst als Teil ihrer Identität wahrnehmen. Bands wie Pulp, Fontaines D.C. oder The Last Dinner Party haben sich bereits in der Vergangenheit klar für Menschenrechte eingesetzt und beispielsweise ihre Solidarität mit Palästina öffentlich bekundet. Eine Generation von Musiker*innen, die weiß, dass die Welt gerade brennt und die ihre Plattform dafür nutzen möchte, Veränderung möglich zu machen.
Hier kannst du das Album vorbestellen und so ein Teil von diesem großartigen Projekt werden.








