The Strokes – Reality Awaits: Ein Album, das nach Abschied klingt

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Wenn eine Band wie The Strokes ein neues Album ankündigt, schwingt immer eine Mischung aus hoher Erwartungshaltung und tiefer Nostalgie mit. Nach sechs Jahren relativer Funkstille meldet sich die Band am 24.07.2026 mit Reality Awaits zurück. Doch schon beim ersten Durchhören wird klar, dass sich dieses Album spürbar von seinen Vorgängern unterscheidet. Es wirkt wie ein Schlussstrich mit der eigenen Vergangenheit, dem Älterwerden und den Höhen und Tiefen eines Lebens im Rampenlicht.

Nach über 20 Jahren im Musik-Business und einem unfassbaren Einfluss auf die Indie-Rock Szene der bis heute anhält, zeigen die Jungs, auch 25 Jahre nach der Veröffentlichung ihres ersten Albums (Is This It, 2001) dass sie es noch drauf haben. Und doch bleibt der Gedanke dass das vermutlich das letzte Album ist dass wir von The Strokes serviert bekommen.

Sound & Produktion: Gelassenheit trifft auf Autotune-Overkill

Musikalisch erinnert das neueste Album hin und wieder a den Sound von Comedown Machine (2013) an. Allerdings merkt man sofort: Die Jungs sind reifer geworden und das sollte niemanden verwundern. „Reality Awaits“ ist das siebte Studioalbum und wurde gemeinsam mit Rick Rubin in Costa Rica aufgenommen. Die Garage-Rock-Attitüde der frühen 2000er ist einer entspannteren, gesetzteren Gelassenheit gewichen. Die Rhythmen sitzen, das Instrumental ist stellenweise verdammt stark. Also eigentlich die perfekte Basis.

Wenn da nicht diese eine Sache wäre, die beim Hören einfach ordentlich wehtut: der absolute Autotune-Overkill. Julian Casablancas ballert seine Stimme durch so viele Vocoder- und Korrekturfilter, dass man sich leider echt fragt, was das soll. Gerade in den Bridges, wo er den Ton gerne nach oben schraubt und sich komplett von der Software tragen lässt, ruiniert das Songs, die eigentlich das Zeug für echte Banger hätten. Bleibt die Frage: Warum versteckt man solche Track-Juwelen hinter einer Wand aus Vocoder-Sound?

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Die echten Perlen der Platte

Zum Glück gibt es sie aber noch, die Momente, in denen Julian Casablancas kurz vergisst, dass er Effektgeräte besitzt und lieber auf das vertraut was ihn schon immer ausgemacht hat: Seine unverkennbare Gesangsstimme. Dine N’Dash sticht sofort positiv heraus. Es geht um gesellschaftskritische Themen mit einer ordentlichen Abrechnung in Richtung Politik. Auch Liar’s Remorse haut richtig rein, weil Julian hier endlich mal die Maske fallen lässt und die Brüchigkeit seiner echten Stimme wirken darf. Zusammen mit „The Fruits of Conquest bilden diese Tracks das eigentliche Herzstück der Platte. Ganz ohne künstlichen Schleier zeigt die Band genau hier, warum wir sie eigentlich seit Jahrzehnten lieben.

Lyrisch im Krisenmodus: Vom Älterwerden, Einsamkeit und dem Spotlight

Inhaltlich wird es auf Reality Awaits stellenweise richtig düster. Das Album wirkt wie eine Zeitkapsel, durchzogen von depressiven Zügen und der melancholischen Einsicht, dass sich die Musikwelt eh nicht mehr weiterdreht („Lonely in the Future“).

Richtig persönlich wird es beim Thema Einsamkeit und Entlieben. Schreibt Julian hier über das Ende seiner 15-jährigen Ehe mit Juliet Joslin oder doch über das schleichende Aus der Band? Wahrscheinlich beides. Zeilen wie „I waste my days away instead of giving it a voice“ bringen diesen endlosen Konflikt zwischen Privatleben und dem Scheinwerferlicht auf den Punkt. Man hört einem Mann zu, der auf den ganzen Trubel eigentlich gar keinen Bock mehr hat und sich dennoch schwertut das alles einfach so hinter sich zu lassen. Going to Babble On klingt dann auch genau danach: Das Aus war (vermutlich) eigentlich schon beschlossene Sache, bevor sie sich nach sechs Jahren Musik-Pause doch noch mal zusammengerauft haben.

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Alles aus und vorbei?

Der heimliche Star und gleichzeitig der emotionale Schlag in die Magengrube ist der Schlusstrack Tyrants of the Mellow Moon. Das klingt nach keiner subtilen Metapher mehr, sondern nach einer glasklaren Ansage. Und wir fragen uns: Wars das wirklich? Ist die Zeit von The Strokes jetzt echt vorbei?

Auch der Albumtitel bringt es auf den Punkt: Reality Awaits. Die Musiker-Traumwelt wird dichtgemacht, jetzt wartet das echte, bürgerliche Leben. Dass die anstehende Tour ihre mutmaßlich letzte sein wird, verleiht dem Ganzen natürlich eine ganz andere Dynamik. Und ich sag mal so: Wenn ich demnächst in Düsseldorf vor der Bühne stehe, werde ich dieses Konzert definitiv mit gemischten Gefühlen verfolgen. Denn es wird denke ich eben auch der Moment sein, in dem wir eine der prägendsten Bands unserer Zeit endgültig in den Ruhestand verabschieden.

Klar ist: Reality Awaits ist durch den überspitzten Autotune-Einsatz weit weg von perfekt. Und trotzdem ist es ein faszinierendes, extrem ehrliches und am Ende berührendes Werk einer Musikgeschichte-prägenden Band, die weiß, wann es an Zeit ist zu gehen. Ein bittersüßer Abschied der im Gedächtnis bleibt.

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