Kann eine EP wirklich befreien, wenn sie von all dem handelt, worüber man eigentlich schweigen möchte? LEORRA beantwortet diese Frage mit ihrer Debüt-EP „Direkt? Kann ich!“, die am 28. August 2026 erschienen ist. Die ursprünglich aus Würzburg stammende und seit zehn Jahren in Wien lebende Musikerin hat eine EP geschrieben, die nicht darum bittet, verstanden zu werden, sondern dazu auffordert, hinzuhören und zu reflektieren.
Die Veröffentlichung wurde am selben Abend mit einer Release-Show im Club Lucia in Wien gefeiert, bei der LEORRA ihre neuen Songs erstmals live präsentiert hat. Der Sound der EP bewegt sich zwischen alternativem Deutschpop, Trap-Elementen und Rock-Einflüssen, angereichert mit elektronischen Sounds, die samtig und verletzlich klingen können, aber genauso rau und kompromisslos werden. Die Texte verarbeiten Enttäuschungen über Menschen, die plötzlich verschwinden, ghosten, manipulieren oder ihr wahres Gesicht erst nach einiger Zeit zeigen.
Was steckt hinter der Direktheit?
Die EP erzählt von Aufbruch, Selbstbestimmung, gesellschaftlichen Themen, zwischenmenschlichen Bruchstellen und dem Mut, den eigenen Weg zu gehen. Dabei geht es LEORRA nicht darum, sofort Antworten für alle zu liefern, sondern Fragen zu stellen und das Gefühl in der Situation zu vermitteln. Anspielungen werden zu direkten Worten, und damit schließt sie diese Themen für sich ab. Die Musikerin setzt Grenzen, die sie deutlich benennt, ohne sich dabei glatt zu machen oder in Erwartungen zu fügen.
Die EP ist eine Ansage an Menschen, die erwarten, dass man still bleibt, an Beziehungen, in denen man sich selbst verliert, und an gesellschaftliche Zustände, die klar kritisiert werden. Nachdem LEORRA bereits mit ihrem Song „An Ketten gelegt“ über mentale Fesseln gesprochen hat, setzt sie mit dieser EP ein noch umfassenderes Statement. Das Gefühl zwischen zwei Welten zu schweben, die daraus resultierende Wut, aber auch die Klarheit und Freiheit werden hier benannt, ohne dass etwas beschönigt wird. Ihre Musik darf anecken, widersprechen und widersprüchlich sein, denn genau darin liegt ihre Authentizität.
Ist Schweigen wirklich die bessere Option?
Die EP trägt den Titel „Direkt? Kann ich!“, und genau das tut LEORRA auch. Sie spricht aus, was sonst gerne verschluckt, relativiert oder schön geredet wird, und lässt die Themen manchmal unangenehm direkt im Raum stehen. Ihre Songs entstehen nicht aus sicherer Entfernung, sondern aus Erfahrungen, Beobachtungen und Situationen, die Spuren hinterlassen haben. Bis hierhin und nicht weiter.
Was bleibt nach dem Hören? Vielleicht die Frage, ob auch du Themen hast, über die du bisher lieber geschwiegen hast. Oder ob es manchmal eben doch besser ist, direkt zu sein, statt höflich zu verstummen. Was denkst du: Gibt es Situationen, in denen Schweigen mehr schadet als eine klare Ansage?
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