Luna Morgenstern veröffentlicht Mixtape „Château Brute“ über Zeit und Loslassen
Was, wenn Erwachsenwerden nicht bedeutet, anzukommen, sondern loszulassen? Luna Morgenstern beantwortet diese Frage nicht mit Weisheit, sondern mit Widerspruch. Auf ihrem neuen Mixtape „Château Brute“ klingt das nach dekonstruierter Clubmusik zwischen Dancefloor und Tagebuch, nach euphorischen Beats und gleichzeitig nach der Erkenntnis, dass manche Versionen von uns selbst nie wiederkommen.
Das Mixtape erscheint als Fortsetzung von „heartbreak hotel“ und verbindet Late-90s-Rave mit intimem Songwriting und experimenteller elektronischer Produktion. Die in Berlin lebende Songwriterin und Produzentin erschafft einen Sound, der sich nicht entscheiden will zwischen Eskapismus und Ehrlichkeit.
Songs als Momentaufnahmen des Werdens
„Kids“ reflektiert, wie Menschen zu Fremden werden, die einmal alles über einen wussten. „Live“ sucht Freiheit auf Dancefloors, die sich nie ganz wie Zuhause anfühlen, und verwechselt dabei Flucht mit Heilung. Der Titeltrack „Château Brute“ stellt sich gegen die Vorstellung, Frauen hätten ein Ablaufdatum, mit der Zeile „they say my grapes got sour, but I call it juice“.
Im Zentrum steht der Fokus-Track „Gold“, der aufhört zu suchen und beginnt zu vertrauen, nachdem fünf Songs von Sehnsucht und Nostalgie geprägt waren. Aufgebaut um die Zeile „I struck gold when I didn’t even look for it“ klingt der Song wie ein lang ersehntes Ausatmen.
Verletzlichkeit als wiederentdeckte Stärke
Luna Morgenstern erklärt, dass es in diesen Songs nicht um Heartbreak geht, sondern um Zeit und darum, wie das Leben einen verändert, während man andere Pläne macht. Sie wurde immer für ihre Sensibilität verurteilt, dafür, dass sie „zu viel“ fühle, doch durch das Schreiben dieses Records konnte sie ihre Verletzlichkeit als Stärke neu begreifen. Mit „Château Brute“ erschafft sie einen Raum, in dem Clubmusik auf Bekenntnis trifft und Dancefloors ebenso zu Orten der Reflexion wie des Loslassens werden.
Mehr als ein Release über Liebe ist „Château Brute“ ein Release über die Menschen, die Zeit in unser Leben bringt und wieder nimmt, und die unerwartete Schönheit dessen, wer wir dadurch werden. Vielleicht ist die wahre These nicht, dass Erwachsenwerden bedeutet loszulassen, sondern dass Loslassen erst dann möglich wird, wenn wir aufhören, uns für das zu verurteilen, was wir fühlen. Wie geht ihr mit Versionen von euch um, die nicht mehr existieren?
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