Interpol: „Iron City“ als Vorabsingle zu „This Mirror Weighs a Ton“
Wer bei Interpol nostalgische Rückbesinnung erwartet, wird auf „Iron City“ eines Besseren belehrt. Die Band aus New York liefert mit ihrer dritten Vorabsingle zum kommenden Album „This Mirror Weighs a Ton“ einen Track ab, der klingt, als würde sich die Stadt selbst in Klang verwandeln. Die Frage ist nicht, ob Interpol noch relevant sind, sondern ob eine Band, die ihre Heimatstadt so eindringlich porträtiert, jemals aufhören kann, es zu sein.
„Iron City“ erscheint als dritte Auskopplung aus dem neuen Album „This Mirror Weighs a Ton“, das am 28. August bei Partisan Records veröffentlicht wird. Produziert wurde der Song von Andrew Wyatt, bekannt für seine Arbeit mit ROSALÍA und Charli XCX, abgemischt hat David Fridmann. Der dazugehörige Visualizer ist ab sofort verfügbar.
Zwischen Vergangenheit und Maschine
Der Song bewegt sich in einem Spannungsfeld, das Paul Banks‘ Texte durchzieht: „Alone in Central Park when / Nothing seems to happen / All my thoughts invaded / Memories degraded“, singt er zu Beginn. Es folgt eine Auseinandersetzung mit digitaler Entfremdung und urbaner Einsamkeit, verpackt in den wiederkehrenden Refrain „I can feel your love, iron city“.
Die ineinandergreifenden Gitarren und die pulsierende Rhythmusgruppe schaffen dabei eine Klangkulisse, die New York als organisches, atmendes Wesen zeichnet. Was Banks hier verhandelt, ist mehr als nur Stadtromantik: Es geht um die Frage, wer wen erschaffen hat – die Stadt ihre Bewohner*innen oder umgekehrt.
Heimkehr nach Manhattan
„This Mirror Weighs a Ton“ wurde in Andrew Wyatts Studio in Manhattans Lower East Side aufgenommen, dem ersten Album-Produktionsort in New York seit über einem Jahrzehnt für Interpol. Streicher, Holzbläser und experimentelles Sounddesign erweitern die Klangpalette der Band, ohne ihren charakteristischen Stil zu verwässern. Die Rückkehr an den Ursprungsort scheint Interpol nicht nur geografisch, sondern auch künstlerisch zu erden, während sie gleichzeitig in unbekannte Territorien vorstoßen. Mit einer anstehenden Co-Headline-Tour mit Bloc Party, die im November durch Deutschland führt, und zwei Abschlusskonzerten in der Londoner Olympia, beweist die Band, dass sie nach über zwei Jahrzehnten Bandgeschichte noch immer neue Maßstäbe setzen.
So auflösend die These: Interpol sind nicht zurück, weil sie nie weg waren. Sie haben lediglich gewartet, bis die Welt bereit war, ihre Stadt mit ihren Ohren zu sehen. Wie seht ihr das – kann eine Band ihre Heimat so intensiv besingen, dass der Ort selbst zur Musik wird?
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