„Allderscheiß“: Streichelt kanalisiert Nachrichtenfrust in seine neue Single
Vielleicht ist „Allderscheiß“ der erste zeitlose Song über Weltuntergangsstimmung, der tatsächlich ein Tanztrack ist. Und genau das braucht es gerade. Streichelt zerlegt mit seiner neuen Single die Nachrichtenlage in ihre kleinsten, banalsten Bestandteile und lässt darüber einen Breakbeat rattern, der nicht diskutiert, sondern zucken lässt.
Was im Januar 2025 geschrieben wurde, ist heute nicht weniger relevant, sondern vermutlich aktueller denn je, und der Nürnberger Indie-Künstler hat sich entschieden, den Frust nicht zu archivieren, sondern ihn live und laut zu entladen. Die Single erschien am Freitag den 24.07 via Eintracht Pankow und ist der vierte Vorgeschmack auf Streichelts Debütalbum, das am 20.11 veröffentlicht wird. Produziert hat er den Track gemeinsam mit junes.wav.
Wut, verpackt in einen Breakbeat
Der Song kanalisiert die Überforderung, die entsteht, wenn man täglich mit Schlagzeilen bombardiert wird, die man weder sortieren noch verarbeiten kann. Die Lyrics sind gewohnt direkt, diesmal aber durchzogen von einer Wut, die sich nicht mehr versteckt, sondern rauswill.
In einem Instagram-Post schrieb Streichelt selbst, dass er sich Sorgen gemacht habe, ob der Song aktuell bleiben würde, und fügte hinzu, dass er ein Trottel war – der Text sei „aktueller denn je, wahrscheinlich zeitlos“. Das ist keine Ironie, das ist eine bittere Erkenntnis. Die Single reiht sich ein in eine Reihe von Vorabveröffentlichungen, die zeigen, dass sein Debütalbum nicht nur autobiografisch, sondern auch politisch werden könnte. Über die Vorabsingle „Einwohnermeldeamt“ haben wir bereits auch berichtet.
Frust und Tanzfläche
Streichelt hat eine bemerkenswerte Fähigkeit entwickelt, persönliche und gesellschaftliche Themen nicht zu trennen, sondern ineinander zu verweben. Nach seiner EP „Rosenkrieg“, die sich mit Trennung, Abhängigkeit und Neuanfang beschäftigte, dreht er den Fokus jetzt nach außen und findet dort nicht weniger Chaos als in sich selbst.
Der Optimist in ihm flüstert weiterhin „it’s just a phase, mum“, wie er auf Instagram schrieb, aber bis dahin bleibt nur: tanzen, knutschen und tollen Leuten sagen, wie toll sie sind. Das Debütalbum wird voraussichtlich weitere Singles enthalten, die sich mit seiner eigenen Version der Neuen Neuen Deutschen Welle auseinandersetzen, wobei er elektronische Elemente mit eingängigen Popsongs verknüpft.
Die Frage ist nicht, ob der Song relevant bleibt, sondern ob wir irgendwann mal wieder einen Grund haben, nicht mehr wütend zu tanzen. Welcher Song hilft euch, wenn euch die Nachrichten zu viel werden – Tanzen oder Abschalten?









