Kilian Knight über düstere Texte, Vinylsucht und seinen Weg zur deutschen Musik

von

Anzeige*

Mit seiner neuen Single „AUF BEIDEN BEINEN“ meldet sich Kilian Knight zurück. Im Interview mit uns spricht er über den Entstehungsprozess des Songs, die Bedeutung seiner Bildsprache und darüber, warum ihn das Dunkle in seiner Musik immer wieder begleitet.

Ich bin Kilian Knight, 23 Jahre alt und deutscher Post-Punk Artist aus Wolfsburg. Ein Freund hat mich mal als Robert Smith (The Cure) auf Lean beschrieben, was das Ganze, glaube ich, ganz gut trifft.

BANDUP: Du produzierst auch viel selbst für deine Songs. Erinnerst du dich noch an deine ersten Schritte in der Musikproduktion? Wie bist du dazu gekommen und was waren vielleicht Herausforderungen?

Kilian Knight: Das meiste, was ich bei meiner Musik selbst produziere, sind die Vocals. Für die Instrumentals arbeite ich mit verschiedenen Producern zusammen. Ein paar davon präsentiere ich meine Ideen, andere haben schon ein fertiges Instrumental, auf das man dann was schreiben kann. In diesem Fall war es der Producer prod7IM, der das fertige Instrumental schon bereit hatte und die Worte direkt zugeflogen sind.
Meine Anfänge beim Produzieren und Mixen waren sehr, sehr schlecht. Ich hatte beim Starten meiner ersten Audio-Software gar keine Ahnung, was ich mache, und habe einfach versucht, es so gut klingen zu lassen wie irgendwie möglich. Bei meinen ersten unveröffentlichten Sachen sind die Vocals wirklich unhörbar, aber mittlerweile wird es von Song zu Song besser und ich verstehe immer mehr von EQs, Frequenzen, Reverb, Delay etc. aber leider immer noch peinlich wenig. Scheint aber nicht vielen aufzufallen, was sehr gut ist.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Vinyl-Liebe und musikalische Ikonen

BANDUP: Du hast eine riesige Sammlung mit über 400 Platten – gibt es ein Album, das dich besonders geprägt hat? Und was fasziniert dich so an Schallplatten?

Kilian Knight: Mittlerweile sind es sogar über 600 Platten, man findet ja nie ein Ende haha. Ich muss sagen, die Alben, die für mich perfekt sind und die ich mir immer wieder anhöre, sind Abbey Road von den Beatles, meiner Meinung nach das perfekteste Album, was jemals geschaffen wurde. Die größte Prägung bleibt aber bei den Beatles und vor allem bei Paul McCartney. Ich habe mittlerweile schon alleine an die 100 McCartney Alben, Singles, Live Platten, Bootlegs etc. Das wird wohl für immer meine größte Prägung und mein Idol bleiben.
Aber zur gleichen Zeit findet man in meiner Sammlung auch Sabrina Carpenter, Ikkimel, Sinatra, Filmmusik, Ozzy Osbourne, also wirklich all over the place. Und bei Platten ist es bei mir dasselbe, was mich auch zu DVDs und Blu-rays hingezogen fühlt: einfach das Gefühl, etwas in der Hand zu halten. Etwas, das man sogar als Deko benutzen kann, und wirklich die Versicherung zu haben, etwas zu besitzen, was im Nachhinein nicht mehr bearbeitet oder zensiert werden kann, wie es ja bei vielen Online-Diensten der Fall ist. Physical Media ist einfach toll.

BANDUP: Deine Einflüsse liegen u. a. bei The Smiths und The Cure, wie hat sich daraus dein Schritt hin zu deutschen Texten entwickelt?

Kilian Knight: Der Schritt zu den deutschen Texten entstand tatsächlich erst, nachdem ich Anfang 2023 einen Song von Paula Carolina auf YouTube entdeckt habe: Schreien. Zu dem Zeitpunkt habe ich sehr, sehr wenig deutsche Musik gehört und fast nur englische. Mich hat das Lied aber so sehr überzeugt, dass es sich nicht mehr wie eine Guilty Pleasure angefühlt hat, deutsche Musik zu hören, was für mich lange ein Tabu war.
Außerdem war es bei ihr auch der Sound der 80er, der mich daran erinnert hat, dass ich als Kind sehr viel Neue Deutsche Welle und auch eine Handvoll Schlager gehört habe, also z.B. Fred vom Jupiter oder Im Wagen vor mir, die ich dann irgendwann aus den Augen verloren habe, aber im Zuge dessen wieder anfangen konnte zu lieben und zu schätzen.
The Cure und viele andere Post-Punk- und New-Wave-Artists habe ich tatsächlich auch erst im Zuge dessen entdeckt, weil ich mich mehr und mehr mit dem Thema Dark Wave beschäftigt habe.
Ich habe zu dem Zeitpunkt auch nur selbst auf Englisch getextet und hab’s dann das erste Mal auf Deutsch versucht mit dem Lied „Stimmen“, was mir dann so gut gefallen hat, dass es mein erster deutscher Song sein sollte.

Vom festen Stand und dem Sog des Mondes

BANDUP: Du hast am 03.04. deine neue Single „AUF BEIDEN BEINEN“ veröffentlicht. Darin geht es um eine Beziehung, die von außen perfekt scheint, aber innerlich zerbricht. Was bedeutet der Titel für dich im Kontext des Songs?

Kilian Knight: Ich wollte mit dem Titel ausdrücken, dass man, egal wie schwer alles gerade scheint, niemals aufhören sollte, an sich zu glauben und für das einzustehen, was sich für einen richtig anfühlt. Gerade in Momenten, in denen man innerlich zweifelt oder das Gefühl hat, den Halt zu verlieren, ist es wichtig, nicht aufzugeben. „Auf beiden Beinen“ steht für diesen festen Stand im Leben und dafür, trotz allem weiterzumachen, statt sich von Angst, Druck oder anderen Menschen zerstören zu lassen.

BANDUP: Im Chorus singst du: „Warte bis der Mond mich auffrisst und zu seinem Sklaven macht“. Welche Bedeutung hat der Mond in dem Song?

Kilian Knight: Ich glaube, der Mond steht in dem Song vor allem für die Dunkelheit, in die die Person immer weiter hineingezogen wird. Also für diesen Moment, in dem man sich selbst langsam verliert und innerlich komplett erschöpft ist. Gerade diese Zeile sollte sich eher bedrohlich als romantisch anfühlen. Für mich symbolisiert der Mond dabei Einsamkeit, negative Gedanken und dieses Gefühl, irgendwann keinen Ausweg mehr zu sehen. Gleichzeitig passt dieses kalte und nächtliche Bild einfach gut zur Atmosphäre des Songs, weil der Chorus dadurch eher wie ein inneres Verschwinden wirkt als nur wie eine normale Trennung.

Wenn ein Foto den Song plötzlich komplett verändert

BANDUP: Die Geschichte hinter dem Cover ist ziemlich besonders. Was hat dich an dem Bild so angesprochen, dass du es unbedingt verwenden wolltest?

Kilian Knight: Ich hatte durch den Text automatisch immer das Bild von meiner dunklen Welt im Kopf, mit einem hellen, strahlenden Mond, und wusste aber nicht genau, wie ich das am besten darstellen sollte. Ich habe mich daher auf die Suche nach einem Bild gemacht, das irgendwie das einfangen kann, was ich die ganze Zeit im Kopf hatte.
Ich habe dann nach stundenlangem Suchen auf einer Website, wo Leute ihre mit einer Fotokamera gemachten Bilder hochladen können, ein Bild gefunden, und ich konnte erst meinen Augen nicht glauben. 1. sah es aus wie etwas Gephotoshoptes, weil es einfach viel zu mächtig aussah, um tatsächlich so aufgenommen worden zu sein, und 2. kam es unfassbar nah an das Bild dran, das ich im Kopf hatte.
Ich wusste sofort, dass ich dieses Bild brauche. Ich habe dann versucht, die Fotografin Daida Suárez über Instagram zu kontaktieren und ihr auf Spanisch erklärt, wer ich bin, was ich mache und warum ich sie kontaktiere. Nachdem ich ihr den Text zukommen lassen habe, hat sie mir mitgeteilt, dass das Bild von 2013 ist und den Ausgang des Friedhofes ihres Dorfes zeigt. Das hat mich dann komplett aus den Socken gehauen, weil es jetzt nicht nur zu dem Bild gepasst hat, das ich in meinem Kopf hatte, sondern auch zu dem Kontext des Songs. Es hat dem Ganzen noch mehr Tiefe verliehen. Also danke nochmal an Daida.

Anzeige*

BANDUP: Hat sich deine Wahrnehmung des Songs verändert, nachdem du erfahren hast, was das Bild eigentlich zeigt?

Kilian Knight: Es hat sich für mich komplett geändert, weil ich den Song erst mit dem Cover im Kopf als ein fertiges und vollkommenes Stück sehen konnte. Etwas, das jetzt nicht nur audiomäßig passt, sondern auch visuell den Ton vorgibt. Vor allem nachdem ich erfahren habe, dass das Bild den Ausgang eines Friedhofs zeigt, haben Lines wie „Pusht mich weiter, drückst mich weiter, ziehst mich weiter in mein Grab“ nochmal viel mehr Tiefe bekommen.

Der Drang ins Dunkle

BANDUP: Würdest du sagen, dass du dich musikalisch eher im Düsteren zuhause fühlst als im Hellen, und wenn ja, woran liegt das?

Kilian Knight: Ich würde sagen, wenn es darum geht, meine Texte zu schreiben, dann fühle ich mich im Dunklen irgendwie wohler. Ich würde zwar total gerne mal mehr positive Dinge schreiben, eventuell auch mal ein paar andere Genre Richtungen einschlagen, aber bis auf „Nimm meine Hand“ ist mir das noch nicht mit voller Überzeugung gelungen, aber ich arbeite dran.
Ich glaube, der Grund dafür ist, dass man mit dem Schreiben von Songs einfach unfassbar viel verarbeitet, was man so eigentlich gar nicht mitbekommt. Dinge, an die man nicht aktiv denkt. Selbst wenn ich über eine scheiternde Liebesbeziehung schreibe, könnte ich damit auch etwas anderes verarbeiten, was mir in dem Moment gar nicht klar ist.
Wenn es wiederum um die Musik geht, die ich selbst höre, geht es eher in den glücklicheren Pop Rock Bereich. Es gibt nichts Geileres, als im Sommer mit Freunden im Auto, den Fenstern unten und laut Lady Gaga zu ballern.

BANDUP: Du stehst gerade an einem Punkt, an dem alles größer wird. Was möchtest du auf keinen Fall verlieren?

Anzeige*

Kilian Knight: Ich glaube, am liebsten meinen Verstand. Ich bin leider ein Mensch, der andauernd Dinge hinterfragt und sich vergleicht, und das tut mir wirklich gar nicht gut. „Der hat mehr Instagram Follower als ich, was mache ich falsch?“ oder „Der Song hat in der Zeit nicht so viele Streams erreicht wie der andere in derselben Zeit.“ Einfach versuchen, die Zahlen und Vergleiche beiseitezulegen und zu genießen, was man gerade macht.
Ich habe damals auch angefangen, Musik für mich selbst zu machen, und ich merke immer mehr, dass ich versuche, an Dingen zu arbeiten, von denen ich weiß, dass sie anderen gefallen würden und mehr Aufrufe bekommen würden als Dinge, die mir gerade viel mehr am Herzen liegen. Ich hoffe, dass ich das auch irgendwie in Grenzen halten kann, damit man einfach nicht die Lust an dieser Kunstform verliert.

BANDUP: Und zu guter Letzt: Welchen Song oder Artist würdest du unserer Community aktuell gern ans Herz legen?

Kilian Knight: Das ist bis jetzt die schwierigste Frage. Nehme ich einen Paul McCartney Song? Nehme ich einen aus meiner aktuellen On Repeat? Aber ich glaube, es ist wichtiger, Leuten Aufmerksamkeit zu bieten, die einfach noch nicht genug bekommen.
Da fallen mir leider auch viele kleine Künstler ein, aber ich würde gerne den Song „sag mir“ von Ali Böhmer nehmen. Er hat im Moment 200 monatliche Hörer und macht wirklich tolle Musik und hat eine wunderschöne Stimme. Vielleicht ein Feature in der Zukunft?


Neustes Video

Künstler*innen: