ATTIC OCEAN im Interview über „I Promise I’ll Try Every Day“: Ein Versprechen, das sie jeden Tag leben
Was bleibt, wenn alles dunkel erscheint? Für ATTIC OCEAN ist die Antwort: Hoffnung. Auf ihrer neuen EP geht es genau um dieses Gefühl: kleine Lichtblicke in schweren Zeiten und das Festhalten an dem, was trägt. Mit „I Promise I’ll Try Every Day“ verarbeitet die Band persönliche Erfahrungen und prägt daraus Songs, die von verträumtem Shoegaze getragen werden und lange nachklingen. Vieles davon ist eng mit ihrem gemeinsamen Alltag und den Momenten im Proberaum verbunden.
I Promise I’ll Try Every Day – Zusammen Musik zu machen ist für uns eine gelebte Praxis davon, diesem Versprechen immer nachzukommen
BANDUP: Wie hat sich ATTIC OCEAN zusammengefunden und wann habt ihr gemerkt, dass ihr eine gemeinsame künstlerische Sprache sprecht?
ATTIC OCEAN: Attic Ocean gibt es in der Konstellation seit Mai letzten Jahres, seitdem Camila dabei ist. Uns war super wichtig, dass es neben musikalischem/kreativen Austausch auch menschlich passen muss. Wir haben ein riesen Glück Musik mit Freund*innen machen zu dürfen, wo man tolle, aber auch tragische Momente miteinander teilt.
Demokratisches Jammen
BANDUP: Wie würdet ihr eure Band-Dynamik heute beschreiben? Wie kommt ihr zu euren Ideen und wie findet ihr auf kreativer Ebene zusammen?
ATTIC OCEAN: Unsere Songs entstehen immer sehr demokratisch. Jede Person ist für den eigenen Anteil am Song verantwortlich und es gibt da keine Denkverbote. Wir sind alle geprägt durch unterschiedliche musikalische Einflüsse und die kommen dann beim Proben zusammen. Meist jammen wir einfach und daraus entstehen eigentlich immer geile neue Songs.
BANDUP: Gibt es bestimmte Artists, Genres oder Jahrzehnte, aus denen ihr Inspirationen für eure Musik zieht?
ATTIC OCEAN: Yes unverkennbar hört man bei uns, dass wir uns mega viel mit den 90s Artists beschäftigt haben. Da kommen viel Ride, Slowdive oder the Sundays durch. Aber wir tauschen uns auch immer über irgendwelche obskuren Bands aus, die es gar nicht mehr gibt und vielleicht mal ein mega Album rausgebracht haben.
An aktuellen Bands passiert da grad mega viel tolles in diesem ganzen Shoegaze/Dreampop Genre. Da feiern wir momentan sehr She’s green oder feeble little Horse.
Ein Versprechen, das weiterlebt
BANDUP: Am 03.07. veröffentlicht ihr eure EP “I Promise I’ll Try Every Day”. Was verbirgt sich hinter den Worten „I Promise I’ll Try Every Day“? Und wem oder was habt ihr dieses Versprechen gegeben?
ATTIC OCEAN: Wir haben uns für den Titel entschieden, weil es ein Versprechen von einem wichtigen Menschen ist, der leider heute nicht mehr bei uns ist. Für uns ist dieses Versprechen ein Ansporn, sich immer wieder für die schönen, lebenswerten Momente im Leben zu entscheiden. Zusammen Musik zu machen ist für uns eine gelebte Praxis davon, diesem Versprechen immer nachzukommen und um zu verarbeiten.
Ein Vogel, Sterne und viele mögliche Bedeutungen
BANDUP: Der erste Song der EP ist „Coastal“. Im Musikvideo von Fabian Rougk wird das Leben eines Vogels von seinem Schlüpfen bis zu einem scheinbar letzten Moment erzählt. Welche symbolische Bedeutung hat dieser Vogel im Zusammenhang mit dem Song, und was steckt hinter den wiederkehrenden Sternen im Video?
ATTIC OCEAN: Wir sind auf Fabian durch einen Rundgang in der Kunstakademie in Düsseldorf gestoßen und sein Stil hat für uns einfach total geklickt. Wir geben gerne die Ideen für unsere Musikvideos ab und es ist dadurch echt spannend zu sehen, was Fabian in Kombination mit unserem Song daraus gezaubert hat. Die Idee mit dem Vogel hatten wir uns überlegt. Alles bzgl. der Interpretation lassen wir mal offen 🙂
Das kann uns keiner nehmen
BANDUP: Hanni, du sagst: „So wie sich die Nordlichter über den Nachthimmel erstrecken, findet man die Schönheit auch in der tiefsten Dunkelheit.“ Wo habt ihr diese Schönheit während der Entstehung der EP gefunden?
ATTIC OCEAN: Vor allem in gemeinsamen Momenten mit der Band, die von Leichtigkeit erfüllt waren. Stundenlange Jam Sessions, bei denen man einfach mal das Gedankenkarussell im Kopf anhalten konnte oder Auftritte, nach denen wir mit ganz wundervollen Menschen aus der Crowd oder mit anderen Bands noch bis in die Nacht gefeiert haben.
Unser erster Bandurlaub, lustige Übernachtungen in den winzigsten Hostels, bei denen wir uns gegenseitig mit den dümmsten Geschichten wachgehalten haben oder einfach die ewigen Gespräche vor dem Proberaum, nach denen man sich verstanden und viel weniger allein gefühlt hat. Momente, die einem keiner mehr nehmen kann und die trotzdem immer noch da sind, auch wenn es mal um uns herum etwas „dunkler“ wird.
Ein Lied über Hoffnung und Verlust
BANDUP: „Aurora“ ist in der Mythologie die Göttin der Morgenröte, gleichzeitig bezeichnet der Begriff auch die Polarlichter, beides Erscheinungen, die Licht in die Dunkelheit bringen. Welche Bedeutung hatte diese Symbolik für euch beim Schreiben des Songs und worauf bezieht ihr euch?
ATTIC OCEAN: „Licht in die Dunkelheit bringen“ trifft es auf den Punkt. Die Symbolik ist vor allem als „Hoffnungsschimmer“ zu verstehen, der auch in der Dunkelheit der tiefsten Trauer, Angst oder Verzweiflung aufleuchten kann.
BANDUP: In „Aurora“ heißt es immer wieder „Speak, I’m listening“. Wer spricht hier eigentlich, und worauf wird gehofft?
ATTIC OCEAN: Gerade in schweren Zeiten erhofft man sich oft ein Zeichen dafür, dass alles irgendwann besser wird. Ob es sich dabei um Zeichen von lieben Menschen, die nicht mehr auf dieser Welt sind, handelt oder eher um wegweisende Elemente in schwierigen Lebensphasen, kann von jedem selbst interpretiert werden.
Wer es zulässt und schafft, sich dafür zu öffnen, sieht und hört diese Zeichen auch dann, wenn schon alles verloren scheint. „I’m listening“ zeigt die Bereitschaft, aufmerksam auf die alltäglichen Lichtblicke zuzugehen, die es immer noch gibt.
Das Versprechen geht weiter
BANDUP: Wenn diese EP ein Kapitel ist, wie sieht das nächste Kapitel von ATTIC OCEAN aus?
ATTIC OCEAN: Wir haben dieses Mal während des Recording Prozesses ganz neue Möglichkeiten bekommen durch die Zusammenarbeit mit dem kleinen Label Super 78. Für uns ist das alles neu und eine tolle Möglichkeit, sich auf die Musik zu konzentrieren.
Wir sitzen jetzt schon an neuen Songs, um endlich das Kapitel Debüt Album aufzuschlagen. Dass wir bisher 3 wundervolle EPs gemacht haben, war immer auch ein finanzieller Grund. Weil ein Album nunmal bisher für uns finanziell nicht stemmbar war.
BANDUP: Und zu guter Letzt: Welchen Song oder Artist würdet ihr unserer Community aktuell gern ans Herz legen?
ATTIC OCEAN: Wir empfehlen euch, ganz doll bei „Sadplanet“ aus London reinzuhören, mit denen wir auch zusammen spielen werden. Das ist auch eine ganz spannende Shoegaze/Dreampop Band.
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