Zwischen Feed und Gefühl: LUCE im Interview über Musik im Dauervergleich

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LUCE erzählt in ihrer Musik von einer Generation, die zwischen Selbstoptimierung, Überforderung und Dauerpräsenz im Netz lebt. Im Interview spricht sie über ihre Debüt-Single „Ungesund“, ihre musikalischen Einflüsse und die Frage, wie sehr Social Media das eigene Selbstbild prägt. Dabei wird deutlich, wie sehr ihre Musik zwischen Beobachtung, Verarbeitung und Selbstsuche pendelt.

ich bin Luce, Musikerin aus Berlin, mache melancholischen deutsch-Pop und singe über Themen, über die aus meiner Sicht nicht genug gesprochen wird 

BANDUP: Du hast schon sehr früh Musik gemacht, gesungen, Instrumente gelernt und auf Bühnen gestanden. Trotzdem braucht es oft einen Moment, bis man seinen eigenen Sound findet. Wie hast du herausgefunden, wie du klingen möchtest und was du erzählen willst?

LUCE: Ich glaube, seinen finalen, endgültigen Sound findet man nie. Musik ist nichts Statisches, sondern eine Entwicklung. Persönlich möchte ich mir den Freiraum lassen, mich auch in Zukunft noch zu verändern und weiterzuentwickeln. Aber ein Grundrahmen als Soundwelt ist trotzdem super wichtig. Ich würde sagen, es ist sogar noch wichtiger, sich dafür genug Zeit zu nehmen, um seine künstlerische Vision zu entwickeln und auch wirklich zu verstehen.

Ich habe jetzt zwei Jahre lang Musik gemacht, bevor ich meinen ersten eigenen Song veröffentlicht habe, und habe in dieser Zeit so viel wie möglich ausprobiert und Erfahrungen gesammelt, um meinen Sound und auch die Geschichten, die ich erzähle, zu finden und zu festigen.

Großstadtmensch für den Plot

BANDUP: Gibt es bestimmte Artists, Jahrzehnte oder Trends, aus denen du explizit Inspiration für deine Kunst ziehst?

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LUCE: Ich habe mit fünf Jahren Amy Winehouse für mich entdeckt und bin von dort aus sehr tief in die Musik der 50er und 60er eingetaucht und habe viele Schallplatten gesammelt. Dann habe ich sehr viel The Supremes, The Ronettes, Nina Simone und Etta James gehört, weil mich deren Stilistik und Vibe sehr inspiriert haben.

BANDUP: Groß geworden bist du in Prenzlauer Berg und Pankow. Wie sehr steckt Berlin in deiner Musik? Bist du eher Großstadtmensch oder siehst du dich auch auf dem Land?

LUCE: Ich denke, dadurch, dass ich aus Berlin komme, steckt auch viel davon in meiner Musik, auch wenn ich das nicht zwingend bewusst beabsichtige. Ich würde auch sagen, dass die Stadt einen als Menschen schon prägt, insbesondere wenn man hier aufwächst, und das fließt dann natürlich auch in musikalische Stilistiken ein. Ich komme zum Beispiel mit kompletter Ruhe nicht so gut klar. Ich brauche immer etwas Chaos und Bewegung um mich herum, weshalb ich eher ein Großstadtmensch als ein Landmensch bin.

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BANDUP: Du hast am 4. Juni deine Debüt-Single „Ungesund“ released. Worum geht es in „Ungesund“ ganz konkret für dich?

LUCE: „Ungesund“ ist für mich ein Lebensgefühl – genauer gesagt dieser YOLO-Lifestyle und das Zusammenspiel aus Kontrollverlust und trotzdem allem im Griff haben. Ich glaube, das geht vielen Menschen in meinem Alter ähnlich: Man ist sich bewusst, dass bestimmte Entscheidungen vielleicht nicht die klügsten oder gesündesten sind, macht sie aber trotzdem für die Erfahrung, für den „Plot“, um sich selbst zu spüren und etwas zu erleben. Und genau das ist das Lebensgefühl von „Ungesund“. Mir persönlich ging es schon sehr oft so, dass ich in diesem Zwiespalt war, und genau dafür habe ich den Song geschrieben.

Die Schönheit im Schmerz

BANDUP: Manchmal pendelst du zwischen absolutem Perfektionismus und größtem Kontrollverlust. Und auch wenn du weißt, dass das ungesund ist, redest du dir ein, dass es okay ist, weil du nur einmal jung bist. Das geht wahrscheinlich nicht nur dir so. Hast du einen Tipp für Menschen, denen es ähnlich geht?

LUCE: Ich glaube, sich dessen bewusst zu sein, ist der erste Schritt. Als Tipp würde ich sagen: nicht zu hart mit sich selbst sein und eigenen Fehlern auch Raum geben, weil das nun mal dazugehört. Ich denke aber auch, dass das ein Teil vom Erwachsenwerden ist. Man macht Fehler, trifft nicht immer die richtigen Entscheidungen – und ich sage das, ohne bestimmte Situationen oder Folgen verharmlosen zu wollen. Aber es ist bestimmt so, dass diese Erfahrungen zur eigenen Entwicklung dazugehören und man daran wächst.

BANDUP: Und wenn du selbst auf solche Momente zurückblickst: Siehst du darin inzwischen auch so etwas wie eine Art Schönheit im Schmerz?

LUCE: Rückblickend lässt sich in sowas auch immer eine gewisse Schönheit finden. Diese Schönheit brauche ich auch, um darüber zu schreiben. Es ist für mich Teil des Verarbeitungsprozesses, und ich brauche eine gewisse Romantisierung von Negativität, um sie in Geschichten zu übersetzen.

Innenwelt und öffentliche Version des SelbsT

BANDUP: Du bist mit Social Media aufgewachsen und kritisierst die ständige Sichtbarkeit, die damit einhergeht, und die fehlende Verbindung. Wie hat Social Media dein Selbstbild geprägt?

LUCE: Mit Sicherheit hat Social Media mein Selbstbild stark geprägt. Ich denke aber auch, dass es sehr schwer ist, das selbst zu beantworten, weil man sich (jedenfalls in meinem Alter) kaum noch ohne Handy kennt. Sehr wahrscheinlich hätte man eine andere Beziehung zu sich selbst, weil man nicht ständig Bilder und Videos von sich selbst und anderen sehen würde.

Genauso hätte man auch einen anderen Lebensstil – für viele startet und endet der Tag am Handy. Auch Charakterzüge und zwischenmenschliche Beziehungen werden meiner Meinung nach davon beeinflusst und wären ohne Social Media mit Sicherheit anders.

BANDUP: Es geht in deinen Texten um eine Generation, die ständig online und sichtbar ist – aber genau diese Sichtbarkeit braucht man heute oft, um als Künstlerin gehört zu werden. Wie findest du da für dich die Balance? Und glaubst du, dass man Musik heutzutage überhaupt noch erfolgreich veröffentlichen kann, ohne auf Social Media stattzufinden?

LUCE: Am Ende des Tages ist Social Media ein Sprachrohr für Musiker, und ich glaube, es ist sehr schwer, komplett ohne dort stattzufinden – aber nicht unmöglich.
Es ist Fluch und Segen zugleich: Man ist dadurch viel unabhängiger und hat die Möglichkeit, sich selbst Sichtbarkeit aufzubauen. Auf der anderen Seite kann man auch schnell in ein Loch geraten und seinen Selbstwert davon abhängig machen, wie und auf welche Art die eigene Musik gesehen wird. Genau das versuche ich zu vermeiden, gerade wenn es um Balance geht. Ich versuche, die Plattformen zu nutzen, aber mich nicht zu sehr darüber zu definieren.

Aufwachsen im Jetzt

BANDUP: Gerade arbeitest du an deiner EP. Was würdest du dir wünschen, dass diese erste EP in ein paar Jahren über deinen Anfang erzählt?

LUCE: Die Songs auf der EP fassen für mich persönlich den Übergang von Jugend zu Erwachsensein in der heutigen Zeit zusammen.Das bedeutet zum Beispiel, wie Social Media unser Erwachsenwerden und unsere Jugend beeinflusst – sei es unser Selbstbild, unsere zwischenmenschlichen Beziehungen oder unsere mentale Gesundheit.

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Genauso geht es um die Position unserer Generation in der heutigen Welt, das Gefühl, nicht genügend Gehör und Mitspracherecht zu bekommen, und sich auf eine Zukunft zuzubewegen, von der man nicht ganz weiß, ob man sie miterleben möchte. Und genau das soll die EP auch in ein paar Jahren noch erzählen.

BANDUP: Und zu guter Letzt: Welchen Song oder Artist würdest du unserer Community aktuell gern ans Herz legen?

LUCE: Einer meiner Lieblingsartists zurzeit ist Labrinth, und als Song würde ich „Love Is Complicated (The Angels Sing)“ empfehlen.

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