Morley im Interview: ein Frauen Trio, dass sich nicht verbiegen lässt

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Aus drei Sängerinnen, die sich 2017 für ein Musical-Projekt in Köln kennenlernten, wurde MORLEY – ein Trio, das heute weit mehr ist als die Summe seiner Teile. Lydia, Melissa und Rosa haben nicht nur ihre Vornamen zu einem Bandnamen verschmolzen, sondern auch eine musikalische Schwesternschaft erschaffen, die von dreistimmigen Harmonien, Singer-Songwriter-Wurzeln und Jazz-Nuancen lebt.

Ihre neue EP „But Still“ kreist um das Weitergehen trotz offener Geschichten, um Loslassen als Form von Liebe und um die großen und kleinen Fragen, die uns alle begleiten. Im Interview erzählen MORLEY, warum sie sich nicht in Branchenerwartungen pressen lassen, was Jazz mit Folk zu tun hat und welche Rolle das „Trotzdem“ in ihrem Leben spielt.

Wir schreiben über Identität, Beziehungen, Zugehörigkeit und all die großen und kleinen Fragen, die uns im Leben begleiten. Was unsere Musik ausmacht, ist vor allem die Verbindung zwischen uns 

BANDUP: Euer Bandname ist ein Akronym aus euren Vornamen, und ihr beschreibt euch selbst als eine Art musikalische Schwesternschaft. Wie wurde aus drei Sängerinnen, die ursprünglich für ein Musical zusammenkamen, dieses enge „Wir-Gefühl“, das heute MORLEY ausmacht?

MORLEY: Am Anfang stand natürlich erst einmal die Musik, aber mit der Zeit ist daraus viel mehr geworden. Gerade während der Corona-Zeit haben wir sehr intensiv miteinander gearbeitet und eine lange Songwriting- und Findungsphase durchlebt. Wir haben sogar schon zusammen gewohnt, viele Momente geteilt und natürlich auch die ein oder andere Herausforderung gemeinsam überwunden.

Für uns ist MORLEY heute nicht einfach nur ein musikalisches Projekt, sondern eine Freundschaft. Wir sind nicht nur Kolleginnen, sondern echte Freundinnen, die sehr viel miteinander teilen. Wir sind aufrichtige Fans voneinander, vertrauen uns und wissen, dass jede von uns mit ihrer eigenen Persönlichkeit etwas Wichtiges in die Band einbringt. Genau daraus entsteht dieses besondere Wir-Gefühl.

BANDUP: Was fasziniert euch so am Jazz?

MORLEY: Wir haben alle drei Jazzgesang studiert, und natürlich hat uns diese Zeit musikalisch sehr geprägt. Was wir am Jazz besonders lieben, sind die unendlichen Klangwelten, die Freiheit und die Vielfalt, die darin steckt.

Es gibt so viele Möglichkeiten, mit Melodien, Harmonien und Rhythmen umzugehen. Auch wenn wir uns musikalisch eher im Folk- und Popbereich bewegen, fließen diese Einflüsse ganz automatisch in unsere Musik ein, gerade in unseren Harmonien und in unserem Umgang mit Stimmen.

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Wie geht ihr mit kreativen Differenzen um?

BANDUP: Jede von euch bringt Ideen, Texte oder Melodien mit und durch gemeinsames Ausprobieren entsteht dann ein MORLEY-Song. Gibt es in diesem kreativen Prozess auch mal Reibereien und Streit? Wie geht ihr dann damit um?

MORLEY: Tatsächlich sind wir uns meistens sehr einig und profitieren unglaublich von den Ideen und Perspektiven der anderen. Oft bringt eine von uns etwas mit, und gemeinsam entsteht daraus etwas, das viel größer ist als die ursprüngliche Idee. Natürlich gibt es auch mal unterschiedliche Meinungen oder Reibungen, aber wir haben gelernt, sehr offen und ehrlich miteinander zu kommunizieren.

Wir glauben daran, dass dort, wo Reibung entsteht, auch Wärme entstehen kann. Unterschiedliche Sichtweisen sind für uns keine Bedrohung, sondern oft genau das, was einen Song weiterbringt. Wir inspirieren uns gegenseitig sehr und freuen uns eigentlich über kreative Impulse.

Wie geht man als Frauenband mit Klischees in der Branche um?

BANDUP: Ihr sagt, dass einige Branchenvertreter sehr genaue Vorstellungen davon hatten, wie eine „Frauenband“ zu sein hat. Welche Version von MORLEY wollten andere aus euch machen und gab es einen konkreten Moment, in dem ihr gemerkt habt: Bis hierhin und nicht weiter?

MORLEY: Es gab durchaus Vorstellungen davon, wie MORLEY vielleicht stärker als Showact funktionieren könnte, mit mehr Inszenierung, mehr Unterhaltung, mehr äußerem Konzept. Aber wir haben gemerkt, dass wir uns darin nicht wiederfinden. Wir lieben es, eine kleine, authentische Indie-Band zu sein, bei der die Musik und die Verbindung zwischen uns im Mittelpunkt stehen.

Wir wollen keine Rolle spielen oder uns in eine bestimmte Vorstellung davon pressen lassen, wie drei Frauen auf einer Bühne sein sollten. Wir tanzen keine Choreografien und tragen nicht plötzlich Glitzerkleider, nur weil es vielleicht besser vermarktbar wäre. Für uns war klar: MORLEY soll für uns stehen und nicht für eine Erwartung von außen.

Was bedeutet das „Trotzdem“ in eurem Alltag?

BANDUP: Am 01. Mai habt ihr eure EP „But Still“ veröffentlicht. Sie dreht sich um das Weitergehen trotz schmerzender oder offener Geschichten. Was bedeutet dieses „trotzdem“ für euch persönlich und wann ist es euch zuletzt im Leben besonders begegnet?

MORLEY: Eigentlich begegnet uns dieses „Trotzdem“ ständig im Leben. Es gibt selten Situationen, die nur eindeutig gut oder schlecht sind. Das Leben ist voller Widersprüche und genau das macht es auch spannend. Für uns bedeutet „Trotzdem“ nicht, Schwierigkeiten einfach wegzuschieben, sondern ihnen zu begegnen und trotzdem weiterzugehen.

Es ist eine positive Kraft, die sagt: Auch wenn etwas schwierig ist, gebe ich nicht auf. Gerade als freischaffende Künstlerinnen erleben wir das immer wieder. Die Musikbranche ist aktuell eine große Herausforderung, der Markt ist voll und Kultur bekommt gesellschaftlich nicht immer den Stellenwert, den sie verdient. Und trotzdem machen wir weiter. Trotzdem schreiben wir unsere Songs, stehen auf Bühnen und teilen unsere Musik mit Menschen. Dieses „Trotzdem“ ist für uns eine Haltung.

BANDUP: Ist Loslassen für euch das Ende von Liebe oder vielleicht ihre reifste Form?

MORLEY: Wer weiß das schon so genau? Vielleicht ist genau das die Schwierigkeit daran. Loslassen gehört auf jeden Fall zur Liebe dazu. Es bedeutet nicht unbedingt, dass etwas weniger wichtig wird. Manchmal ist es sogar eine Form von Respekt und Wertschätzung. Liebe verändert sich, und manchmal gehört dazu auch, Dinge oder Menschen freizugeben.

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Wie entstehen eure Klangtexturen und Arrangements?

BANDUP: Auf der EP wird der Sound immer detaillierter. Man hört Flöten, Rhodes-Piano, Bassklarinette und Akkordeon. Wie wisst ihr, welches Instrument am besten passt? Geschieht das durch das Ausprobieren oder habt ihr den Sound schon im Ohr?

MORLEY: Es ist eine Mischung aus Vorstellung und Ausprobieren. Manchmal haben wir schon beim Schreiben eine bestimmte Klangidee im Kopf und können uns vorstellen, welche Farbe ein Instrument einem Song geben könnte. Aber oft entstehen die spannendsten Momente erst im Prozess. Wir probieren Dinge aus, hören, was funktioniert und manchmal führt genau dieses Experimentieren zu einer ganz neuen Idee. Der Sound wächst also gemeinsam mit dem Song.

BANDUP: Melissa, du sagst: „Wir sinnieren auf unseren gemeinsamen Autofahrten als Band viel darüber, warum wir Entscheidungen in welchem Alter treffen, was wir bereuen und was wir uns wünschen“. Habt ihr selbst eine solche „What if“-Frage, die euch bis heute begleitet?

MORLEY: Wir haben wahrscheinlich eine Million solcher Fragen im Kopf. Gerade als Künstlerinnen und als Menschen mit einem freiberuflichen Lebensweg kommt man automatisch oft ins Nachdenken: Was wäre gewesen, wenn ich mich anders entschieden hätte? Was wäre, wenn ich einen anderen Weg gegangen wäre? Gleichzeitig genießen wir aber auch sehr die Freiheit, die diese Selbstständigkeit mit sich bringt.

Wenn das Leben nicht durch klassische Strukturen vorgegeben ist, wird man vielleicht auch dazu gezwungen, sich stärker mit sich selbst auseinanderzusetzen und bewusster Entscheidungen zu treffen.

Warum sind offene Geschichten manchmal die ehrlichsten?

BANDUP: Ihr lasst in „Friend“ viel Raum für Assoziationen und Tagträume. Warum ist es euch wichtig, nicht alles auszuformulieren, sondern Dinge bewusst offen zu lassen?

MORLEY: Musik lebt davon, dass Menschen ihre eigene Geschichte darin wiederfinden können. Wenn wir alles vorgeben würden, gäbe es weniger Raum für persönliche Erfahrungen und Gefühle. Wir möchten mit unseren Songs eher Türen öffnen als Antworten geben. Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte mit und darf einen Song auf seine eigene Weise erleben.

BANDUP: Und zu guter Letzt: Welchen Song oder Artist würdet ihr unserer Community aktuell gern ans Herz legen?

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MORLEY: Wir würden sehr gerne Laura Marling empfehlen. Sie ist eine außergewöhnliche Künstlerin, die wir schon lange bewundern. Ihre Art zu schreiben, ihre musikalische Tiefe und ihre besondere Atmosphäre in den Songs inspirieren uns sehr.

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