DIY-Indie aus Wolfsburg: Kilian Knight mit der „AUF BEIDEN BEINEN“

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Wolfsburg kennt man für Autos und Fußball – Kilian Knight interessiert das herzlich wenig. Er schreibt einfach Songs, die ankommen, ohne großes Label-Backing, ohne Hype-Maschine, ohne Industry-Netzwerk. Anfang April erschien seine neue Single „AUF BEIDEN BEINEN“. Mit Post-Punk-Texturen, NDW-Anleihen und einer Produktion, die klingt wie eine düstere Spätnacht-Session in den 80ern, hat sich Knight seinen Platz in der deutschen Indie-Szene gesichert.

„AUF BEIDEN BEINEN“ erzählt von einer toxischen Beziehung, die von außen perfekt wirkt, innerlich aber längst zerbrochen ist. Die erzählende Person fühlt sich kontrolliert, zermürbt und zieht sich immer weiter zurück, während niemand mitbekommt, was wirklich passiert. Der Chorus beschreibt den Moment, in dem jemand innerlich aussteigt und die Stimme des Gegenübers einfach nicht mehr an sich heranlässt. Der Mond, der hier als Symbol für Dunkelheit und das vollständige Aufgeben des eigenen Selbst steht, wird zur einzigen Instanz, der noch Macht zugesprochen wird. Hier der Song „Wintermärchen“ mit dem Musikvideo, welcher sich ebenfalls auf der Platte befindet.

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Wenn das Cover-Artwork den Friedhof zeigt, ist die Metapher komplett

Die Storyline des Songs findet ihre visuelle Entsprechung im Cover: Kilian Knight entdeckte das Foto in einem Online-Forum und machte die Fotografin Daida Suárez ausfindig, die es bereits 2013 veröffentlicht hatte. Als er ihr den Songtext schickte, erfuhr er, dass das Motiv den Ausgang des Friedhofs ihres Dorfes zeigt. Ein Zufall, der die Themen Abschied, Verlust und inneres Verschwinden verstärkt. 

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Kilian Knight produziert weiterhin alles selbst, hält an seinem DIY-Ansatz fest und schafft damit einen Sound, der weder poliert noch beliebig klingt. Dass das renommierte Münchener Label superpol (u. a. Paula Carolina) ihn mittlerweile begleitet, ändert nichts an seiner Arbeitsweise.

Kann Musik toxische Beziehungen besser beschreiben als jede Therapie?

Mit „AUF BEIDEN BEINEN“ liefert Kilian Knight keinen Trostpflaster-Song, sondern eine schonungslose Bestandsaufnahme einer kaputten Dynamik, die erst endet, wenn nichts mehr übrig ist. Die Zeile „Kreischend rufst du meinen Namen, doch dann ist es schon vollbracht“ fasst zusammen, was der gesamte Track verhandelt: das Gefühl, dass der Verlust erst bemerkt wird, wenn es bereits zu spät ist. 

Knight bleibt dabei seinem Prinzip treu: keine Pose, keine Distanz, sondern spürbare Realität in jeder Zeile, jedem Ton, jeder Produktionsentscheidung. Für einen unabhängigen Künstler aus Wolfsburg, der mit über 4 Millionen Streams längst bewiesen hat, dass man kein Berlin braucht, um gehört zu werden, ist „AUF BEIDEN BEINEN“ der nächste konsequente Schritt. Wie seht ihr das: Braucht es manchmal die Dunkelheit, um zu erkennen, wann es Zeit ist, loszulassen?