So funktioniert Musikmarketing 2026 wirklich – Jo Halbig im Interview
Am 19. Januar 2026 veranstalten wir gemeinsam mit SUPERLIFE Promo ein exklusives Webinar zum Thema „Was 2026 in deiner Musiker*innen Karriere wirklich zählt! Von Content, Promo und Community: Was Profis richtig machen!“. Als Vorgeschmack darauf haben wir mit Jo Halbig gesprochen.
Er ist nicht nur Gründer der Agentur, sondern auch selbst Musiker und weiß, wie sich Druck, Überforderung und Chancen im heutigen Musikbusiness anfühlen. Ein Gespräch über langfristige Sichtbarkeit, Social-Media-Mythen, Fehler von Newcomer*innen – und was gute Promo wirklich ausmacht.
Montag, 19.01.2026 um 18:00 Uhr per zoom (Live- keine Aufzeichnung!)
BANDUP: Für alle, die dich noch nicht kennen: Wer bist du, was ist SUPERLIFE Promo und wie erklärst du eure Arbeit in ein paar Sätzen?
Jo Halbig: Ich bin Jo Halbig – selbst Musiker, Songwriter und auch Gründer von superlifepromo. SUPERLIFE ist offiziell eine ALL-IN-ONE®-Musikmarketing- und Beratungsagentur, mit Fokus auf moderne Musikvermarktung & kreative Zusammenarbeit mit Künstler*innen. Wir sind weniger klassische Dienstleister und mehr Sparringspartner für Artists. Unsere Arbeit beginnt meistens genau da, wo viele Musiker*innen das Gefühl haben, den Überblick zu verlieren: zu viele Möglichkeiten, zu viele Meinungen, zu wenig Klarheit.
Unser Team hilft dabei, Musik sichtbar in Medien, im Radio, in Online-Formaten, auf Social Media zu machen, mit Promotion, mit Marketing, und immer mit dem Anspruch, dass Artists verstehen, was sie tun und warum. Denn nur so entsteht langfristig Selbstständigkeit – und genau darum geht es uns.
BANDUP: Du kommst selbst von der Bühne und warst mit den Killerpilzen viele Jahre erfolgreich als Artist unterwegs – wie hat diese Erfahrung deine Sicht auf Musikpromotion und Artist-Entwicklung geprägt?
Jo Halbig: Das hat mich natürlich komplett geprägt, weil ich alles selbst seit Teenager-Tagen im Musikbusiness miterlebt habe. Ich kenne dieses Gefühl, wenn Dinge plötzlich funktionieren und man spürt: Jetzt geht’s los. Ich kenne auch das Gefühl, wenn man vor Tausenden Leuten eigene Konzerte spielt und eine goldene Schallplatte hochhält. Aber ich kenne genauso gut die anderen Phasen, eigene Labelgründung, Verzweiflung – wenn man alles gibt, viel investiert und trotzdem das Gefühl hat, nicht wirklich voranzukommen oder wieder von vorne anfägt.
Mit meiner Band war ich schon erfolgreich in einer Zeit, in der Sichtbarkeit noch ganz anders funktioniert hat: Viva, MTV, Radio und MySpace. Dann kam Streaming und wir konnten uns auch da behaupten. Heute ist alles noch offener, schneller, aber auch deutlich komplexer. Diese Erfahrung hilft mir enorm, Dinge einzuordnen. Ich weiß, wie sich Druck vor Releases anfühlt, wie emotional das Musikmachen und wie schwierig es ist, sich selbst zu zeigen, zu “vermarkten” – und genau deshalb denken wir Promo immer aus der Perspektive der Künstler*innen heraus. Das war mir immer wichtig.
BANDUP: SUPERLIFE bezeichnet sich als All-in-One-Musikmarketing- und Beratungs-Agentur – was unterscheidet euren Ansatz konkret von klassischer Promo?
Jo Halbig: Viele klassische Promoansätze funktionieren sehr punktuell. Man bucht etwas für einen Release, es passiert etwas – und danach steht man wieder allein da. Wir setzen seit Tag 1 auf All-In-One®, weil es nicht “den einen Weg” gibt, wie ein Künstler größer wird. Unser Ansatz ist deutlich langfristiger. Wir setzen nicht bei der Maßnahme an, sondern beim Artist und Menschen dahinter. Bevor wir über PR, Social Media oder Kampagnen sprechen, schauen wir uns an, wo ein Artist gerade wirklich steht. Nicht da, wo er oder sie gern wäre, sondern realistisch. Was ist die Story? Wie klingt die Musik? Was gibt es noch für Ansatzpunkte? Erst wenn das alles passt, starten wir eine längerfristige Zusammenarbeit.
Wir haben daraus einen sehr starken Prozess gebaut, maximal individualisiert über alle Medien-Gattungen hinweg für unsere Künstler*innen zu arbeiten: Radio, Social Media, TV, Print, Podcasts, Werbeanzeigen, Influencer*innen, Online-Magazine, all das gehört zu unserem täglichen Repertoire und wir haben uns nicht auf einen Medienbereich, sondern auf den modernen Musikmarkt spezialisiert, der nun mal so komplex ist. Das hat uns über die letzten Jahre zu einer der führenden Musik-PR-Agenturen gemacht und wir arbeiten täglich daran, uns weiter zu verbessern. Die Medienwelt ist nämlich sehr schnelllebig. Deshalb müssen wir alle Bereich sauber abdecken können. Dann bauen wir Schritt für Schritt ein System auf, in dem sich alles ergänzt. Uns ist wichtig, dass Artists nicht das Gefühl haben, Dinge aus der Hand zu geben, sondern mit uns gemeinsam Entscheidungen treffen. Von ambitionierten Newcomer:innen bis zum Hit des Jahres, von Pop-Künstlerin bis renommierten Indie oder Punk-Act sind mittlerweile viele großartige Künstler*innen bei uns.
Warum gute Musik nicht reicht
BANDUP: Viele Artists glauben noch immer, gute Musik allein reiche aus – warum ist Musikpromotion heute wichtiger denn je?
Jo Halbig: Gute Musik ist natürlich die absolute Grundlage – ohne die geht gar nichts. Aber wir alle erleben doch jeden Tag, dass selbst sehr starke Songs kaum wahrgenommen werden, wenn sie nicht eingeordnet werden. Heute gibt es unglaublich viele Releases, Plattformen und Reize. Einfach nur zu veröffentlichen und zu hoffen, dass es reicht, funktioniert einfach nicht mehr. Jede*r, der das schon mal so versucht hat, kennt das Gefühl danach. Es ist einfach verdammt frustrierend.
Promo bedeutet heute nicht, sich künstlich zu inszenieren, sondern verständlich zu machen, wofür man steht. Egal ob in Medien, die Glaubwürdigkeit und neue Kontakte liefern oder auf Social Media, wo Du direkt zu Deiner passenden Zielgruppe sprechen kannst, wenn Du verstehst, wie sie tickt. Im Grunde ist das nichts Neues – Musiker*innen machen das live seit Jahrzehnten, nur eben jetzt auch digital. Viel mehr ist die Überforderung das, was Künstler*innen aus unserer Sicht oft zurückhält. Hier kommen wir ins Spiel: Wir ordnen ein, wir sprechen darüber und helfen dann auch mit messbaren Lösungen und erwiesenen Strategien.
BANDUP: Ihr sprecht oft von nachhaltiger Sichtbarkeit statt kurzfristiger Aufmerksamkeit – woran erkennt man aus deiner Sicht gute und sinnvolle Promo?
Jo Halbig: Viralität ist für uns ehrlich gesagt gar nichts so Besonderes mehr, sondern Teil des Tagesgeschäfts. Wir erleben das regelmäßig mit unseren Acts – manchmal geplant, manchmal überraschend. Aber das Spannende beginnt für uns immer erst nach dem Peak. Dann stellen wir uns ganz bewusst Fragen wie: Wer sind diese Menschen gerade? Warum sind sie da? Und was haben wir ihnen überhaupt angeboten, dass es sich lohnt zu bleiben?
Was wir gerade sehr deutlich beobachten – und das wird sich 2026 noch verstärken – ist, dass Social Media weniger verzeiht. Kurzfristige Peaks allein tragen schon länger nicht mehr. Plattformen und Communities werden anspruchsvoller. Authentizität ist Key. Und das passend und indiviuell für jede*n Künstler*in herauszuarbeiten, ist die Challenge, die unsere Arbeit so spannend macht. Social Media ist kein Glücksspiel mehr, sondern ein strategisches Werkzeug. Viralität kann ein Türöffner sein, aber sie ersetzt keine Identität. Und diese Identität muss herausgearbeitet und dann auf verschiedenen Kanälen “durchpromotet” werden, dann entsteht ein nachhaltiger Effekt. Man erkennt es daran, ob Menschen bleiben. Nicht daran, wie viele Views ein einzelner Clip hat, sondern daran, ob sich jemand auch für den nächsten Song interessiert, folgt, kommentiert oder irgendwann ein Ticket kauft.
BANDUP: Viele sagen: „Man muss heutzutage einfach jeden Tag posten.“ Wie siehst du das?
Ganz ehrlich? Ich halte das in den meisten Fällen für Unsinn und auch nicht umsetzbar für Musiker*innen. Wo soll das enden? Im Burnout von noch mehr Musiker*innen? Dieses „Du musst täglich posten“-Mantra wird oft wie ein Gesetz behandelt, dabei sehen wir in der Praxis etwas ganz anderes. Wir beobachten viele Artists, die jeden Tag posten und trotzdem kaum wachsen – nicht, weil sie faul sind, sondern weil niemand so richtig versteht, warum man ihnen folgen sollte.
Social Media ist kein Fleißbienchen-Wettbewerb. Zwei oder drei gut durchdachte Inhalte pro Woche, die eine klare Aussage haben oder Emotionen transportieren, bringen langfristig mehr als sieben Beiträge ohne Richtung. Gerade mit Blick auf 2026 wird sich das noch stärker zeigen: Qualität schlägt Frequenz auf jeden Fall.
Struktur statt Aktionismus
BANDUP: Ihr arbeitet täglich mit Newcomer*innen und etablierten Acts – was sind die häufigsten Fehler, die Artists beim Thema Sichtbarkeit machen?
Jo Halbig: Ein großer Fehler ist die Angst, “cringe” zu wirken, wenn man sich authentisch zeigt. Dass es niemand interessieren könnte. Das ist natürlich Quatsch. Genau weil du bist, wie du bist, wollen Menschen Dir folgen. Andere wiederum nicht. That’s life. Ich sage gerne: “Everybody’s darling is everybody’s depp”. Ein weiterer großer Fehler ist blinder Aktionismus aus einem Gefühl heraus “irgendwas tun zu müssen”: Irgendetwas posten, alles ausprobieren, jede neue Funktion sofort mitnehmen. Kontinuität und Klarheit sind ganz ganz wichtig. Wenn ich es zuspitzen müsste: Viele glauben, sie hätten ein Reichweitenproblem. In Wahrheit haben sie ein Entscheidungsproblem. Sie wissen oft nicht, was gerade Priorität hat – und machen dann alles gleichzeitig. Das führt zu Frust und Überforderung, nicht zu Wachstum.
BANDUP: Neben Promo spielt auch Coaching eine große Rolle bei euch – warum ist persönliche und strategische Begleitung für Artists so entscheidend geworden?
Jo Halbig: Weil Artist-Sein heute extrem komplex geworden ist. Musiker*innen müssen Entscheidungen treffen, Releases planen, Social Media einordnen, Einnahmen verstehen – und das alles parallel zur kreativen Arbeit. Viele scheitern nicht an Talent, sondern an fehlender Struktur.
Deshalb haben wir bei superlifepromo sehr früh seit 2019 als erstes Musik-Unternehmen in Deutschland auch auf Beratung gesetzt. Tatsächlich waren wir die erste Musiker*innen-”Coaching” im gesamten DACH-Raum. Und ich droppe hier jetzt eine wirklich für uns sehr krasse News: Das “Rockstar-Coaching” wird es bald in der Form nicht mehr geben, sondern wir arbeiten gerade am Launch unserer “Academy” für Musiker*innen und Business-Professionals, der in den nächsten Wochen online geht. Und seit dem 09.01.2026 sind wir offiziell ZFU-zugelassen. Das ist im Grunde ein TÜV-Siegel für Beratungsprozesse: geprüfte Prozesse, saubere Inhalte und transparente Beratung. Damit sind wir die ersten im DACH-Raum, die diese Zulassung im Musikbusiness-Bereich haben.
Das macht mich extrem stolz und wird für alle Artists, die mit uns zusammenarbeiten, einen massiven Unterschied machen. Je weniger Artists verstehen, desto abhängiger bleiben sie – von Labels, Managements oder irgendwelchen selbsternannten Marketing-Gurus auf Social Media. Das halte ich für überholt und ehrlich gesagt auch nicht fair. Gerade deshalb war uns die ZFU-Zulassung so wichtig. Sie zwingt uns, Inhalte sauber aufzubereiten, Prozesse transparent zu machen und Verantwortung zu übernehmen. Beratung darf kein Bauchgefühl-Angebot sein. Wenn wir wollen, dass Artists langfristig bestehen, müssen wir ihnen Werkzeuge an die Hand geben – nicht nur Motivation. Das tun wir hier.
BANDUP: Du bist nicht nur Crew-Kapitän von SUPERLIFE, sondern auch Solo-Artist – wie schwer ist es, beide Perspektiven gleichzeitig einzunehmen?
Jo Halbig: Es hält mich sehr nah an der Realität, was es heißt, heutzutage Musik zu machen, auf Tour zu gehen etc.. Ich weiß, wie sich Zweifel anfühlen und wie viel Mut und Kraft es kostet, Musik zu veröffentlichen und sich zu zeigen. Genau deshalb begegnen wir Artists auf Augenhöhe. Ich weiß auch, wie verdammt anstrengend und lange der Weg ist, bis die Stunden im Studio oder vor dem Handy mit Publikum und Live-Shows entlohnt werden. Ich mache das mittlerweile seit fast 25 Jahren auf Artist-Seite mit meiner Band und habe letztes Jahr meine erste Solo-Tour gespielt und eigene Socials in den letzten Jahren aufgebaut. Man muss es wirklich wollen, aber es ist immer noch die schönste Sache der Welt.
SUPERLIFE ist aus echter Musikerpraxis entstanden – nicht aus Theorie. Und das merkt man auch im Team: Bei uns machen alle Musik. Wir denken wie Artists, fühlen wie Artists und beraten entsprechend. Die Marketing-Expertise haben wir uns in über 1600 Kampagnen in den letzten Jahren hands on aufgebaut.
Realitätssinn als Erfolgsfaktor
BANDUP: Wenn du heute auf junge Artists schaust, die gerade starten: Was sollten sie deiner Meinung nach früh verstehen, um langfristig bestehen zu können?
Jo Halbig: Dass niemand perfekt starten muss. Dass Reichweite kein Ziel ist, sondern ein Werkzeug. Und dass Struktur nichts mit Einschränkung zu tun hat, sondern mit Freiheit. Auch wenn das erstmal unsexy klingt.
Wer früh lernt, realistisch zu planen, Feedback von Menschen anzunehmen, die selbst da sind, wo man gerne wäre und seinen eigenen Weg konsequent mit einem Team zu gehen, hat langfristig die besten Chancen.
BANDUP: Zum Abschluss: Hast du eine Artistempfehlung für unsere Leser*innen, die wir aktuell unbedingt auf dem Schirm haben sollten?
Jo Halbig: Ja, aktuell höre ich ganz viel “Super Sometimes”, eine junge PopPunk-Band, die ich tatsächlich über ein TikTok-Video entdeckt habe, die mich aber musikalisch und von der Ästhetik her komplett in meine 00er-Jahre-EmoPunk-Phase katapultiert haben. Junge Band, die richtig was drauf hat und einfach Spaß macht. Ist super, um den Kopf freizubekommen und sich in den Moshpit reinzuträumen! Ansonsten: KILIAN KNIGHT aus Wolfsburg, unfassbar guter NNDW-Dark-Wave-Pop-Sound und gerade wieder für mich entdeckt: SADE! Wow, was für Tracks, was für eine Stimme, was für eine Coolness! auch fast 35 Jahre nach VÖ einfach noch ganz weit oben.
BANDUP: Super, danke dir! Ich habe beide Bands bei uns auf unsere BANDUP-Playlist gemacht.
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