Olivia Rodrigo veröffentlicht „you seem pretty sad for a girl so in love“

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Wer verliebt ist, sollte glücklich sein. Zumindest lautet so das Versprechen. Mit „you seem pretty sad for a girl so in love“ stellt Olivia Rodrigo genau diese Erwartung infrage. Auf 13 Tracks vollzieht die 22-Jährige ein emotionales Auf und Ab zwischen dem Rausch frischer Verliebtheit und der bitteren Erkenntnis, dass Liebe eben doch nicht alles heilt.

Die erste Hälfte des Albums („girl so in love“) dokumentiert die Liebestrunkenheit, während „you seem pretty sad“ die Ernüchterung bringt. Begleitet wird die Veröffentlichung vom Musikvideo zu „stupid song“, in dem Tänzer*innen des New York City Ballet alltägliche Gesten in Poesie verwandeln. Wie Rodrigo selbst sagt: „It’s a really intoxicating feeling like wanting someone so much that it kind of just consumes your whole day and everything you touch just has something to do with them“ . Das Video, inszeniert von Mitch Ryan und choreografiert von Tiler Peck, macht genau diese Besessenheit sichtbar, wenn man schon vergisst die Schuhe vor dem Schlafen auszuziehen, weil der Kopf nur bei dieser einen Person ist.

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Drei Singles, drei Wahrheiten über die Liebe

„drop dead“ nimmt uns mit auf ein wunderschönes erstes Date, auf dem historische Paläste zur Kulisse für die eigene Liebesgeschichte werden. Olivia Rodrigo beschreibt den Song als das Gefühl, um ein Uhr nachts durch eine Stadt zu rennen und drehte das Video in Versailles, weil die Person, der Olivia den Song widmet, aussah wie „an angel on the walls of Versailles“. „the cure“ hingegen markiert den Wendepunkt: Hier bricht die Illusion zusammen, dass Liebe alle inneren Wunden heilen könnte. Im selbstgebauten Krankenhaus-Set des Videos wird Rodrigo zur Krankenschwester, die verzweifelt nach dem Gegenmittel für ein „red greying heart“ sucht und dabei begreift, dass es keines gibt.

„stupid song“ als zweiten Track des Albums, steht dazwischen und verkörpert die Phase des Verliebtseins, in dem Verlangen so überwältigend wird, dass es die Realität verzerrt. Das Musikvideo übersetzt diese innere Zerrissenheit in Bewegung: Ballett-Tänzer*innen machen aus Alltäglichem Kunst, weil Verliebtsein eben genau das tut: es macht aus Montag-Routine pure Magie. „It feels like there’s bunch of incredible ballerinas following you around, as you’re just walking into the grocery store“ beschreibt Olivia ihre Wahrnehmung. Die drei Singles bilden zusammen die Erzählung des Albums ab: Euphorie, Schmerz und Illusion.

Wenn die Realität die Fantasie einholt

Olivia Rodrigo, die ihre Karriere als Disney-Schauspielerin begann und mit „drivers license“ über Nacht zum globalen Phänomen wurde, hat sich nie gescheut, ihre dunkelsten Gedanken zu vertonen. Mit „you seem pretty sad for a girl so in love“ stellt sie die Frage, ob Liebe uns überhaupt das geben kann, was wir von ihr erwarten. Die Zweiteilung des Albums ist dabei kein Zufall: Erst die Illusion, dann die Wahrheit. Im September startet Rodrigo ihre „The Unraveled Tour“, die bereits jetzt restlos ausverkauft ist und sie durch zehn Shows allein im Barclays Center führen wird.

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Der Albumtitel entpuppt sich am Ende als bittere Ironie, denn vielleicht ist genau das der Punkt: dass man traurig sein kann, obwohl (oder gerade weil) man verliebt ist. Rodrigo löst damit ein, was sie im ersten Song verspricht, und bricht es im letzten wieder auseinander. Kann Liebe uns wirklich heilen, oder ist das nur eine weitere Illusion, die wir uns selbst erzählen? Was denkt ihr: Ist es möglich, gleichzeitig verliebt und zutiefst traurig zu sein oder schließt sich das gegenseitig aus?

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