„SCHAU NICHT SO“, hör lieber hin! Leftovers mit viertem Album 

Laut und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen sind Leftovers auf ihrer neuen Platte „SCHAU NICHT SO“ so ehrlich und direkt, wie es die musikalische Laufbahn nicht anders erwarten ließ. Nach dem Debütalbum „Krach“ aus 2022, lieferte die Band aus Österreich im darauffolgenden Jahr „Müde“ als den zweiten Longplayer. 2024 folgte mit „ES KANN SEIN DASS ALLES ENDET“ das dritte Album und damit auch ein vermeintliches, zumindest interpretierbares, Ende von Leftovers. Aber auch wenn es sein kann, dass alles endet – Leftovers zeigen auf „SCHAU NICHT SO“, sie enden noch nicht!

Alles andere als Reste

Die Leftovers, also übersetzt „die Reste“, sind Anna, Alex, Leon und Leonid aus Österreich. Die Band schenkt Fans mittlerweile seit knapp sieben Jahren Mucke zum Headbangen und Kritiküben. Mit „SCHAU NICHT SO“ gibt es nun insgesamt elf Tracks, darunter auch die Vorabsingles „EGAL WOHIN“, „NASENBRECHER”, „ABSTURZ”, „ERWACHSEN“ und „ES GEHT SCHON“. Wie bereits besagte Singles hören ließen, haben Leftovers an ihrem Sound gefeilt und ihn perfektioniert.

Die rockige Attitude, die Hörer*innen schon vom Vorgängeralbum „ES KANN SEIN DASS ALLES ENDET“ mit Songs wie „Schlecht gelaunt“ kennen, gibt es nun in geballter Form. Die Melodik, wie sie noch bei Tracks wie „Marmelade Und Himbeereis“ oder „Es geht mir gut“ zu finden war, lassen Leftovers hinter sich. Zwar gibt es Songs wie „ERWACHSEN“, die den Schrammel-Sound hinten anstellen, aber im Wesentlichen geben sich Leftovers dem Punk-/Rock- und Grunge-Soundkosmos hin.

Rougher Sound aus Austria

Der raue Sound wurde größtenteils von Hannes Arnezeder, der einigen auch als Mitglied der Liveband SALÒ bekannt sein dürfte, und Alexander Gschwendtner produziert, der bereits am Debütalbum als Producer mitgewirkt hat. Beim Abschlusstrack „DAS LETZTE LIED“ hat Enzo Gaier, der auch schon für Makko produziert hat, das Produzententeam verstärkt. Der Track bildet dabei auch den melodischsten Ausschlag auf der neuen Platte.  Insgesamt könnte die Produktion kaum besser gewählt sein: Sie arbeitet den Grunge-Kern der Band heraus und lässt gleichzeitig genug Raum für ihre musikalische Vielseitigkeit. Also alles in allem: Sound made in Austria!

Erwachsenwerden mit Leftovers

„SCHAU NICHT SO“ hört hin. Leftovers erzählen auf dem Album von Erfahrungen mit der Polizei und von universellen Erfahrungen des Erwachsenwerdens. Aber die Band schafft es dennoch, der zugegeben etwas abgegriffenen Thematik des Heranwachsens einen frischen Sound zu geben. Auch wenn die Inhalte den Hörer*innen am Ende vermutlich weitläufig bekannt sind, sind sie bei Leftovers musikalisch anders vertont und lassen uns die Themen in neuen Klängen wahrnehmen.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

So vermitteln die Tracks den Frust des Erwachsenwerdens nicht über traurige Melodien, sondern über scheppernde Instrumentals. Die Schwermut schlägt um in eine Art von Wut, wie beispielsweise auf „NASENBRECHER“ zu hören ist. Der Track wird fast vollständig von Anna gesungen und behandelt ein Thema, das FLINTA*s leider allzu gut bekannt ist: nervige Männer. „Ich spür deinen Blick, dich hält nichts zurück“, singt Anna, bevor sie im Refrain mit „Und ich schlag ihm ins Gesicht / Und die scheiß Nase bricht“ ungeschönt eine Fantasie ausspricht, der man wohl nur allzu gerne nachgehen würde.

„Mehr Attitüde“

Auf „SCHAU NICHT SO“ stellen sich die Österreicher*innen in alle Richtungen entgegen. Ganz nach dem Motto „Du kannst machen, was du willst“, wie sie es auf dem Track „ABSTURZ“ besingen. Außer vielleicht beim Erwachsenwerden. Denn auch wenn die Band viel davon erzählt und Fans dabei persönliche Einblicke gewinnen können, zeigt sie auf dem „ERWACHSEN“-Song, dass sie damit selbst gerne noch etwas warten würde.

Anzeige*

„Warum kann alles nicht mehr sein, wie es mal war?“, fragen Leftovers und entlarven damit die eigene Sentimentalität und Melancholie – Gefühle, von denen man eigentlich dachte, sie längst hinter sich gelassen zu haben. Doch es hilft ja nichts, das wissen auch Anna, Alex, Leon und Leonid: „Und irgendwann bin ich mal erwachsen.“ Die angesprochenen Themen verpacken Leftovers glaubwürdig und kommen mit ihrer ungeschönten Wahrheit direkt zur Sache. Auch wenn sich vieles in verschnörkelten Analogien besingen ließe, verzichtet die Band darauf. Stattdessen entfaltet die Direktheit ihre volle Wucht.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

„SCHAU NICHT SO“ und Standhalten

Auf „SCHAU NICHT SO“ wenden Leftovers den Blick von gesellschaftskritischen Inhalten nicht ab, sondern halten stand – trotz allerlei Gründen, die dazu verleiten könnten, einzuknicken, allen voran das unvermeidbare Erwachsenwerden. Die vermeintlich ausgelutschte Wahrheit, die uns alle begleitet – die eigene Vergänglichkeit –, wird bei Leftovers trotzdem weder langweilig noch monoton.

Und auch soundtechnisch knicken Leftovers nicht ein. Wenn es für manche Hörer*innen vielleicht nicht besonders innovativ klingt, liegt genau darin die Stärke: Leftovers lenken sich nicht mit anderen musikalischen Ausrichtungen ab, sondern machen das, was sie am besten können. Sie embracen Rock und Grunge in voller Länge, getragen von einer ausgefeilten Produktion.

Künstler*innen: