George JR: „Ich weiß mittlerweile viel eher, wer ich sein möchte und wie meine Musik klingen soll“
George JR beschreibt seine Musik als „Melancholie mit offenem Fenster“. Mit seiner neuen EP „schon wieder ist September“ schafft der Singer-Songwriter eine Sommerwelt voller Sehnsucht und Nostalgie.
In seinen Songs verarbeitet er persönliche Gedanken über Selbstakzeptanz, Zukunftsängste und die Frage, was in einer zunehmend von KI geprägten Welt noch authentisch bleibt.
Seit sechs Jahren veröffentlicht George JR Musik und hat in dieser Zeit gelernt, wer er sein möchte und wie seine Vision klingen soll. Im Interview spricht er über den Moment, in dem Selbstzweifel laut werden und darüber, warum echte Live-Erlebnisse künftig noch wichtiger werden könnten.
Ich glaube, am wichtigsten ist aber, sich immer weiterzuentwickeln und trotzdem sich selbst treu zu bleiben. Gerade in einer Branche, in der es so viele Einflüsse und Erwartungen von außen gibt, ist es wichtig, sich nicht irgendwann selbst dabei zu verlieren.
BANDUP: Du hast gerade deine EP „schon wieder ist September“ veröffentlicht. Was steckt hinter diesem Titel und welche Bedeutung hat er für dich persönlich?
George JR: Hinter dem Titel stecken all die Gedanken an den letzten Sommer, wie schnell es wieder September geworden ist und wie all die Erinnerungen noch nachwirken. Irgendwo zwischen Sehnsucht und Nostalgie…
BANDUP: In deinem Song „Strandgedanken“ sagst du: „Nichts ist perfekt. Solang ich bei mir selbst bin, bin ich genug.“ Was hat es gebraucht, dass du zu dieser Erkenntnis gekommen bist?
George JR: Ich glaube, dafür musste ich einfach ein bisschen leben und Erfahrungen sammeln. Irgendwann merkt man, dass Perfektion eigentlich gar kein realistischer Maßstab ist, weder für uns selbst noch für das Leben.
Wenn man sein Bestes gibt und mit sich selbst im Reinen ist, darf das auch einfach genug sein.
„Manchmal versuche ich die Perspektive zu wechseln […]“
BANDUP: Und wie verändert diese Haltung deinen Blick auf die Dinge, gerade in Momenten, in denen Selbstzweifel wieder lauter werden? Gibt es etwas, das dir dabei hilft, wieder zu dir selbst zurückzufinden, das du auch anderen Menschen mitgeben würdest?
George JR: Manchmal versuche ich die Perspektive zu wechseln und so zu tun, als würde ich als mein bester Freund zu mir sprechen. Dabei bin ich viel toleranter mir selbst gegenüber und erkenne Erfolge eher an.
BANDUP: Du arbeitest in deinen Songs immer wieder mit Bildern aus der Natur, etwa mit der Sonne in „Sehnsucht (the sun)“ oder der Welle in „Strandgedanken“. Was fasziniert dich daran, Gefühle und Gedanken über solche Naturbilder auszudrücken?
George JR: Ich finde Bilder aus der Natur generell sehr stark, weil jeder sie kennt und sie eine große metaphorische Vielfalt mitbringen.
Für die EP wollte ich aber auch ganz bewusst eine Art Sommerwelt schaffen und musikalisch wie textlich in diesem Kosmos bleiben.
Wie blickst du auf die Zukunft der Musikbranche?
BANDUP: In „selber Song“ singst du: „Kein Plan, was meine Zukunft braucht.“ Gleichzeitig fühlt sich die Zukunft gerade in vielerlei Hinsicht unsicher an, politisch, gesellschaftlich und auch für die Kunst- und Musikbranche, etwa durch die rasante Entwicklung von KI. Wie blickst du als Artist auf diese Ungewissheit?
George JR: Große Frage. In mir wächst definitiv eine gewisse Ungewissheit, wie das alles weitergeht.
Ich denke, dass wir vor allem als Songwriter und Produzenten in Zukunft umdenken müssen. Künstler:innen auf der Bühne werden aber, glaube ich, weiterhin gefragt sein.
Insgeheim hoffe ich sogar, dass wir uns durch die ganze KI-Flut irgendwann wieder stärker danach sehnen, etwas Echtes zu hören und Musik gemeinsam, zum Beispiel auf einem Konzert, zu erleben und wertzuschätzen.
BANDUP: Wo ziehst du persönlich die Grenze zwischen dem Einsatz von KI als Werkzeug und KI-Musik als eigenständiger Kunstform?
George JR: Ich finde Musik, die via reinem Prompt entsteht, sollte ganz klar als KI-Musik deklariert werden. Den Einsatz von KI im kreativen Prozess, beispielsweise in Form von einem Plugin im Rahmen der Produktion, finde ich legitim.
Das ist einfach der nächste technische Entwicklungsschritt, den man akzeptieren und nutzen kann. Ich arbeite aber tatsächlich bisher auf musikalischer Ebene ohne Einsatz von KI.
Was hat sich in sechs Jahren für dich verändert?
BANDUP: Du veröffentlichst inzwischen seit sechs Jahren Musik. Wenn du auf diese Zeit zurückblickst: Was hat sich bei dir am meisten verändert und was hast du in dieser Zeit gelernt?
George JR: Ich weiß mittlerweile viel eher, wer ich sein möchte und wie meine Musik klingen soll. Gleichzeitig kann ich diese Vision heute auch viel besser umsetzen. Gelernt habe ich in den sechs Jahren natürlich ziemlich viel.
Ich glaube, am wichtigsten ist aber, sich immer weiterzuentwickeln und trotzdem sich selbst treu zu bleiben. Gerade in einer Branche, in der es so viele Einflüsse und Erwartungen von außen gibt, ist es wichtig, sich nicht irgendwann selbst dabei zu verlieren.
BANDUP: Welche Artists oder Musiker*innen haben dich auf deinem bisherigen Weg besonders geprägt und gibt es jemanden, von dem du dich aktuell besonders inspiriert fühlst?
George JR: Dominic Fike. Frank Ocean. Elliott Smith.
BANDUP: Und zu guter Letzt: Welchen Song oder Artist würdest du unserer Community aktuell gern ans Herz legen?
George JR: Im Sommer habe ich viel „jalda“ aus Stockholm gehört. Ansonsten aber definitiv die drei oben genannten Künstler.
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