Er ist 22, kommt aus Bayern und steht am liebsten auf der Bühne. TOBIAS macht deutschen Indie-Pop mit einer Prise bayerischem Slang, und auf seiner neuen EP „eine EP für mich“ wird er so persönlich wie nie zuvor. Knapp ein Jahr nach „zwischendrin“ erzählt er von den Menschen, die ihn geprägt haben: von seiner Familie, von Freundschaft und von Verlust. Aufgenommen wurde mit echten Instrumenten und echten Musiker*innen, denn das Motto im Studio hieß Ehrlichkeit.

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Im Interview spricht TOBIAS darüber, warum ihm die Entfernung zur Heimat einen neuen Blick auf seine Liebsten geschenkt hat und was er von der Beziehung seiner Eltern über beständige Liebe gelernt hat. Er verrät, wie sein Vater auf den Song „Bayrische Männer“ reagierte und warum es völlig normal sein sollte, als Mann Gefühle zu zeigen. Außerdem erzählt er, welche Rolle seine musikalische Familie für sein Songwriting spielt und welcher Klassiker bei ihm gerade auf Dauerschleife läuft.

Hey, ich bin TOBIAS, 22 Jahre alt, und mache deutschen Indie-Pop mit einem kleinen bayerischen Slang 😉 Das Beste am Musikersein ist das Livespielen. Ich liebe es einfach, auf der Bühne zu stehen.

BANDUP: Auf „eine EP für mich“ schreibst du über Menschen, die dich geprägt haben: über Familie, Freundschaft und Verlust. Was bedeutet der Titel für dich, und warum war gerade jetzt, knapp ein Jahr nach „zwischendrin“, der richtige Zeitpunkt für diese persönlichen Geschichten?

TOBIAS: „eine EP für mich“ ist für mich sehr persönlich, weil ich in den letzten Jahren viel über Familie, Freundschaft und die Menschen, die mich geprägt haben, nachgedacht habe. Dadurch, dass ich mittlerweile ziemlich weit weg von meiner Familie und meinen Freunden wohne, hat sich mein Blick auf viele Dinge verändert. Gerade jetzt in meinen Zwanzigern fängt man an, vieles anders zu sehen, Beziehungen neu zu verstehen und sich auch zu fragen, was einem wirklich wichtig ist.

Ich glaube, dadurch habe ich eine ganz neue Wertschätzung für bestimmte Menschen und gemeinsame Momente entwickelt. Die Songs sind auf eine Art das Ergebnis dieser Gedanken und Gefühle. Und knapp ein Jahr nach „zwischendrin“ hat es sich einfach richtig angefühlt, diese Geschichten zu erzählen und in einer EP zusammenzubringen.

BANDUP: Du hast mit „eine EP für mich“ bewusst ein sehr persönliches Projekt geschaffen. Was unterscheidet die EP von „zwischendrin“, und was hast du beim Schreiben vielleicht auch über dich selbst gelernt?

TOBIAS: Wie schon gesagt, ist die EP auf jeden Fall persönlicher und vielleicht sogar ehrlicher. Ich stecke gerade mitten im Erwachsenwerden und beschäftige mich dadurch viel mit Themen und Fragen, über die ich früher vielleicht gar nicht so nachgedacht habe. Familie, Freundschaften und die Menschen, die einen geprägt haben, bekommen plötzlich nochmal eine ganz andere Bedeutung. Das sind einfach Dinge, die mich in letzter Zeit sehr beschäftigt haben und die ich durch die Musik für mich verarbeiten konnte.

BANDUP: „Unser Motto im Studio war vor allem Ehrlichkeit“, sagst du. Deshalb habt ihr auf echte Instrumente und Aufnahmen von Musiker*innen gesetzt. Gibt es einen besonderen Moment oder einen kleinen „Fehler“, den ihr bewusst auf der Aufnahme gelassen habt, weil er sich richtig angefühlt hat?

TOBIAS: Ich würde das gar nicht unbedingt als Fehler bezeichnen. Uns war wichtig, dass die Aufnahmen nicht zu glatt oder perfekt klingen, sondern dass man hört, dass da echte Menschen zusammen Musik machen. Dass zum Beispiel die Snare nicht bei jedem Schlag exakt gleich klingt, gehört für mich einfach dazu. Am wichtigsten waren immer die Energie und das Gefühl eines Takes. Wenn das gepasst hat, haben wir auch nicht weiter nach der vermeintlich perfekten Version gesucht, sondern den Take so gelassen, wie er war.

Wie schreibt man eigentlich über sich selbst?

BANDUP: In „ein Lied für mich“ fragst du dich, wie es ist, über das eigene Leben und für sich selbst zu schreiben, statt für oder über andere Menschen. Was war dabei für dich anders als bei deinen bisherigen Songs, und welche Herausforderung hattest du zunächst unterschätzt?

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TOBIAS: Ich glaube, es war einfach ungewohnt, mich selbst so in den Mittelpunkt zu stellen. Ich schreibe oft über andere Menschen und darüber, was sie in mir auslösen. Sich mal hinzusetzen und nur über sich selbst und das eigene Leben nachzudenken, war nochmal was anderes. Ich glaube, man denkt im Alltag gar nicht so viel darüber nach, was einen eigentlich beschäftigt. Durch den Song musste ich mich damit auseinandersetzen, und das war irgendwie spannend, aber teilweise auch gar nicht so einfach.

BANDUP: „Irgendwann“ ist eine Liebeserklärung an deine Eltern und zugleich die Hoffnung, jemanden zu finden, „der mich leiden kann / mit dem ich leiden kann“. Was hast du durch die Beziehung deiner Eltern über beständige Liebe gelernt, und warum gehört das gemeinsame Durchstehen schwieriger Zeiten für dich so sehr dazu?

TOBIAS: Ich glaube, durch meine Eltern habe ich gelernt, dass Liebe nicht immer nur schön und einfach ist, sondern dass es vor allem darum geht, jemanden an seiner Seite zu haben, mit dem man auch schwierige Zeiten durchsteht. Dass man sich nicht nur in den guten Momenten liebt, sondern auch dann füreinander da ist, wenn es mal nicht so läuft. Ich finde, das ist eigentlich das Schöne an einer Beziehung: dass man gemeinsam durch verschiedene Phasen des Lebens geht und daran vielleicht sogar wächst. Und ich glaube, genau das wünsche ich mir irgendwann auch für mich selbst.

BANDUP: Deine Mutter ist Musiklehrerin, mit deinem Vater hast du bereits in Coverbands gespielt, und du hast eine Ausbildung zum Ensembleleiter gemacht. Wie prägen diese musikalischen Erfahrungen deine Arbeit als Songwriter und Arrangeur, und wie prägen sie die Zusammenarbeit mit deiner Band?

TOBIAS: Ich bin natürlich schon von klein auf mit Musik aufgewachsen, das hat mich bestimmt sehr geprägt. Durch meine Ausbildung hab ich auch nochmal einen anderen Blick auf Arrangements und das Zusammenspiel bekommen. Gleichzeitig hab ich durch die Coverbands mit meinem Vater viel darüber gelernt, einfach zusammen Musik zu machen und aufeinander zu hören. Das ist mir auch mit meiner eigenen Band wichtig. Ich finde es schön, wenn jeder seine eigenen Ideen einbringen kann und die Songs dadurch nochmal eine ganz andere Energie bekommen.

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Dürfen auch bayrische Männer weinen?

BANDUP: In „Bayrische Männer“ singst du: „Mein Vorbild kehrt Probleme unterm Eichentisch“ und „auch Bayrische Männer dürfen wein’n“. Wie hat dein Vater auf den Song reagiert, und hat er etwas an euren Gesprächen oder eurem Umgang miteinander verändert?

TOBIAS: Ich glaub, am Anfang war mein Vater einfach ein bisschen überfordert und wusste nicht so richtig, wie er damit umgehen soll. Wir haben davor eigentlich nie wirklich über Gefühle gesprochen, deswegen war das für uns beide erst mal ungewohnt. Mit der Zeit wurde das aber immer besser, und mittlerweile mag er den Song auch richtig gerne. Seit ich Songs über meine Gefühle schreibe, ist unser Verhältnis noch viel besser geworden!

BANDUP: In „Bayrische Männer“ setzt du dich mit traditionellen Männlichkeitsbildern auseinander. Welche Vorstellungen von Männlichkeit hast du selbst in deinem Umfeld erlebt, und was würdest du dir wünschen, wie wir heute damit umgehen?

TOBIAS: Ich glaube, ich hab oft erlebt, dass Männer ihre Gefühle eher für sich behalten und immer stark sein müssen. Das wurde vielen einfach so beigebracht. Ich find, es sollte viel normaler sein, auch mal Schwäche zu zeigen und über Gefühle zu reden. Das macht einen ja nicht weniger männlich.

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BANDUP: Zum Abschluss: Welchen deiner Songs möchtest du unseren Leser*innen besonders ans Herz legen, und welcher Song läuft bei dir selbst gerade auf Dauerschleife?

TOBIAS: Von mir: „Irgendwann“. Auf Dauerschleife läuft bei mir gerade „Give Me Love (Give Me Peace on Earth)“ von George Harrison.

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