Jannik Beck im Interview über seine neue Single: „herz aus porzellan“

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Jannik Beck hat seine neue Single veröffentlicht und gibt in diesem Interview persönliche Einblicke in den Entstehungsprozess von „herz aus porzellan“. Er spricht darüber, wie künstlerische Einflüsse seine Musik prägen, warum der äußere Schein oft trügt und ob sein Genre-Mix eher aus Intuition oder Kalkulation entsteht.

Ich bin Jannik Beck, 20-jähriger Indie Artist aus Hamburg und mein Sound verbindet tiefe Bässe mit vielen Gefühlen.

BANDUP: Am 20. März ist deine neue Single „herz aus porzellan“ erschienen. Was war der ausschlaggebende Moment, der dich dazu gebracht hat, diesen Song zu schreiben?

Jannik: Ich habe diesen Song aus Frust geschrieben – in einer Zeit, in der ich sehr viel über mich gelernt habe. All die Jahre habe ich mir für viele Probleme in meinem Leben ständig selbst die Schuld gegeben. Als ich realisiert habe, dass genau das eins meiner größten Probleme ist, habe ich diesen Song geschrieben. In einer Zeit, in der ich gelernt habe, sanfter zu mir selbst zu sein – mich ehrlich und transparent zu zeigen – sich nicht mehr hinter Markenklamotten und scheinbar selbstbewusster Fassade zu verstecken.

Prada auf der Haut, Zweifel im Kopf

BANDUP: Im Song singst du über das Gefühl, hinter Glanz und Marken innerlich einsam zu sein. Wie viel von dir steckt persönlich in diesen Zeilen?

Jannik: Der Song legt meine sehr sensible Seite offen, die ich in mir trage. Nach außen hin wirke ich stark und beeindrucke augenscheinlich meine Mitmenschen mit Glanz und Marken. Doch innerlich klafft eine große Lücke, die sehnsüchtig gefüllt werden möchte.

BANDUP: „Ein Idiot mit Prada Fits / In meinem Spiegel stehen 3k / Aber keine Marke macht mein Leben etwas leichter“ – das ist eine sehr direkte Selbstkritik. Wie schwer war es, so ehrlich zu sein?

Jannik: Der Song war auf jeden Fall schmerzhaft zu schreiben. Aber ich denke, er war ein ganz wichtiger Schritt in eine sehr richtige Richtung.

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Vom Kind das schreibt, zum Künstler, der fühlt

BANDUP: Du schreibst bereits seit deiner Grundschulzeit eigene Songs. Was hat sich in deinem Schreibprozess über die Jahre verändert?

Jannik: Über die Jahre wurde ich immer direkter und natürlich auch durch die Erfahrung sicherer. Ich habe einen viel größeren Zugang zu meinen Gefühlen erhalten und konnte diese mit der Zeit immer besser aufs Papier bringen.

Als ich noch früher sehr überfordert war, meine Emotionen in Worte zu fassen, wurde das Songwriting über die Zeit die effektivste Methode für mich, Gefühle aufzuschreiben und mich zu reflektieren. Seither ist es sogar so, dass mein erster Impuls in schwierigen Situationen ist, Texte zu schreiben.

BANDUP: „herz aus porzellan“ reiht sich in eine Serie von emotionalen Tracks ein – nach „feuerrote haare“ und „wort aus glas“. Gibt es einen roten Faden, der sich durch deine Musik zieht?

Jannik: In meinen Songs singe ich über alles, was mich in meinem Leben beschäftigt. Sie erzählen also quasi meine Lebensgeschichte. Manchmal ganz aktuell – manchmal sind es Gefühle, die seit langer Zeit schon in mir schlummern. Ganz zentral sind in diesen Songs die Themen Herzschmerz und Frustration. Dies waren vor allem Gefühle, die mein letztes Jahr sehr geprägt haben.

Rap, Rock – und keine Regeln

BANDUP: Du bewegst dich zwischen Indie-Rock und Deutschrap. Wie entsteht dieser Mix – ist das Intuition oder Kalkulation?

Jannik: Meine Musik ist immer reine Intuition. Ich habe mich für eine lange Zeit in meiner eigenen Musik nur im Deutschrap Bereich bewegt. Rap war immer die Musikrichtung, die ich als Kind schon gehört habe – früher hat mir mein Vater als kleiner Junge 2Pac und Sido gezeigt. Seit 2018 habe ich dann selbst mit Deutschrap angefangen. 2022 habe ich plötzlich meinen Stil geändert und ausschließlich Indie Pop und Rock Sachen gemacht. Seit 2024 mische ich nun beide Stile – je nach Stimmung mal mehr Rap oder mehr Rock und Pop.

BANDUP: Der Song endet mit dem Bild, mitten durchzufallen – aber diesmal ohne Furcht. Was bedeutet dieses Loslassen für dich persönlich?

Jannik: Das Loslassen geht für mich einher mit einer Akzeptanz. Das Akzeptieren von einem Zustand. Lange habe ich viele Dinge geleugnet und versucht zu verschleiern – nun habe ich mich dazu entschieden, dass damit Schluss ist.

Creative Recharge ohne Mikrofon

BANDUP: Abseits der Musik – was beschäftigt dich gerade im Alltag, und was gibt dir Energie, wenn das Songschreiben mal schwer fällt?

Jannik: Neben meiner Musik studiere ich Kunst. Man sieht mich viel in der Hamburger Kunsthalle – dort sammle ich viel Inspiration, gar nicht zwingend für meine Songs, sondern für mein Leben allgemein. Zudem gibt mir Zeit mit meiner Familie, meinen Freunden und meinem Hund sehr viel Energie. Leider wird diese durch die Musik immer weniger – daher schätze ich sie umso mehr momentan.

BANDUP: Zum Abschluss: Welchen Song – ob von dir oder von jemand anderem – würdest du jemandem empfehlen, der gerade selbst durch eine dunkle Phase geht?

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Jannik: Ich höre momentan viel “ausgedacht” von Levin Liam. Ich finde er ähnelt auf einer Ebene sogar meinem neuen Song “herz aus porzellan”. 

Besonders einprägend finde ich die Zeile: “Ich mach auch lieber Lieder, die nix verhandeln. Der Schmerz war schöner, als er noch ausgedacht war.” Das erinnert mich an folgendes Bild, das ich in meinem Song erschaffe: der Wunsch danach, dass der Schmerz aufhört. Dass das Oberflächliche attraktiver wirkt, als tiefe Gefühle. So würde ich mir zum Beispiel sehr wünschen, dass es mich glücklich macht, Markenklamotten zu tragen. Leider kaschieren sie jedoch nicht meinen Schmerz.

Zudem ist das Musikvideo zu “ausgedacht” super schön 🙂

Künstler*innen: