Lisann im Interview über „Lieber so“ und Musik zwischen Nacht und Gefühl

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Lisann hat mit „Lieber so“ ihre neue Single veröffentlicht und spricht im Interview über ihren Weg zwischen innerem Chaos und kreativer Freiheit. Die in Österreich geborene Künstlerin lebt inzwischen in Potsdam und hat ursprünglich angefangen zu schreiben, um ihr „seelisches Treiben“ loszuwerden – heute ist daraus vor allem eins geworden: pure Freude am Musikmachen.

Ursprünglich habe ich begonnen zu schreiben, um mein seelisches Treiben loszuwerden. Damals war es eine Art Therapie für mich. Aber das ist nicht mehr mein Hauptantrieb, der ist jetzt einfach die Freude daran, sich kreativ auszuleben.

BANDUP: „Lieber so“ ist am 10. April erschienen – wie fühlt es sich an, den Song jetzt in der Welt zu wissen?

Lisann: Es ist ein gutes Gefühl, aber auch erleichternd. Einen Song zu entwerfen ist ein wundervoller Prozess, aber das alles selber zu machen, eben den ganzen Weg bis zum Release selbst zu ebnen, ist schon ordentliche Arbeit, auch organisatorisch. Früher dachte ich, wie viele andere, ein Song erscheint bloß. Nun weiß ich, dass es nicht so ist und bin dann aufs Ergebnis umso stolzer. Den Song habe ich in einer Nacht geschrieben, komponiert und produziert. Das Bürokratische daran habe ich die letzten Wochen erledigt. Ich freue mich aber schon sehr, dass er jetzt endlich da ist und die Menschen hoffentlich dasselbe wie ich dabei empfinden. Muss auch gar nicht sein, hauptsache er macht sie glücklich.

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Lieber so als gar nicht

BANDUP: Der Song beginnt mitten in der Nacht, mit einem Moment der Orientierungslosigkeit. Hast du diesen Moment selbst erlebt – oder ist er eine Metapher?

Lisann: Tatsächlich habe ich solche Momente sehr oft. Fast alle meine Lieder sind nachts entstanden, ich bin da einfach am Meisten im Flow. Es ist ruhig, Du hast viel Zeit zum Nachdenken und alle Gefühle, die sich tagsüber angestaut haben, kannst Du freien Lauf lassen. Und dann entsteht eben sowas wie “Lieber so” 🙂 Ich denke aber, dass der Anfang auch sehr gut den Appell des Songs wiedergibt: Oft sind Dinge, die am unerwartesten passieren, die Besten. Wir müssen nur wachsam genug sein, sie zu sehen.

BANDUP: „Lieber so als gar nicht, besser spät als nie“ – was steckt für dich persönlich hinter dieser Haltung?

Lisann: Ich versuche immer in allem das Positive zu sehen. Wenn etwas schief läuft, läuft es für mich nur bedingt schief, da ich davon überzeugt bin, dass es einen anderen Zweck erfüllt. Auch bin ich der Überzeugung, dass es nie zu spät ist, um etwas zu ändern oder sich einen Traum zu erfüllen. Solange Du lebst, hast Du eine Chance. Denn das Leben ist die Chance.

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Von Hansa Studios zu „Du hörst, ich spende“

BANDUP: Du hast „Lieber so“ selbst produziert und in den Hansa Studios in Berlin aufgenommen. Wie war es, mit Instrumenten wie Tuba und Violine zu arbeiten?

Lisann: Das stimmt. Allerdings habe ich damit aus finanzieller Not heraus begonnen. So eine Musikproduktion kostet schon ordentlich viel. Vielleicht war auch meine Anforderung zu hoch. Zumindest wollte ich nicht bloß einmal jährlich, sondern regelmäßig etwas veröffentlichen- immerhin habe ich über 70 eigene Songs in meiner Schublade liegen. Da ich neu in Potsdam war und niemanden kannte, habe ich begonnen, über DAW zu produzieren. Also auch alle Instrumente digital einzuspielen. Das Programm, das ich verwende, schränkt einen da leider in gewisser Weise ein, aber einige Lieder konnte ich bereits verwirklichen, wie “Lieber so”. Wir haben also nur meine Vocals im Studio recorded, sind nachmittags rein und nachts raus, das waren insgesamt 5 Songs in diesen paar Stunden. Die warten jetzt nur noch auf ihre Fertigstellung. Aber grundsätzlich liebe ich es, orchestrale Instrumente in meine Lieder zu integrieren und so krasse Gegensätze wie eine fetzige E-Gitarre und eine zarte, liebliche Violine oder eine stimmungsvolle Tuba zu vereinen. Ich möchte generell künftig mehr mit außergewöhnlichen Instrumenten experimentieren und sobald ich entsprechende Kontakte habe, auch die Instrumente fast ausschließlich live einspielen, ich finde, das hat einfach mehr Seele und klingt dynamischer und lebendiger. Zudem waren die Hansa Studios natürlich schon sehr cool. Das habe ich mir auch ein bisschen selbst gegönnt 🙂

BANDUP: Die Reihe „Du hörst, ich spende“ verbindet Musik mit sozialem Engagement. Diesmal unterstützt du Organisationen, die gegen Krebs kämpfen – ein sehr persönliches Thema für dich. Wie viel Mut braucht es, das so öffentlich zu machen?

Lisann: diese Reihe liegt mir sehr am Herzen. Ein enges Familienmitglied ist kürzlich an der Krankheit verstorben, was erst einmal ein großer Schock für meine Familie war. Ich bin mit solchen Themen allerdings sehr offen und habe selten Hemmungen, unbequeme oder negative Thematiken anzusprechen. Das gehört leider zum Leben dazu, auch, wenn man sowas nichts und niemandem wünscht. Ich habe mich auch bei meiner letzten Aktion älteren Menschen, Kranken und Tieren gewidmet. Mir ist es wichtig, da verschiedenen Gruppen Aufmerksamkeit zu schenken und ein gewisses Gleichgewicht zu wahren.

So klingt Lisann

BANDUP: Dein Sound erinnert an Wir sind Helden oder Buntspecht, landet aber in einem ganz eigenen Klang. Welche Künstlerinnen und Künstler haben dich geprägt?

Lisann: In meiner Kindheit haben mich, neben fröhlichen Kinderliedern, besonders Amy MacDonald oder deutsche Bands wie Rosenstolz oder Papermoon geprägt. Auch Mika oder französische Songs waren stets im Programm. Wenn ich die Sprache besser kann, möchte ich unbedingt französische oder schwedische Elemente in meine Songs integrieren. Ich glaube, meiner Mama gefallen auch deshalb meine Lieder so gut (obwohl sie eigentlich gar keine Musik mag), weil es sich ein ferner Teil ihres Musikgeschmacks wohl in mir gemütlich gemacht 🙂 

Ansonsten fand ich Filmmusik von “Narnia”, “Gladiator” oder “Harry Potter” immer ganz toll.

Bühne vs. Studio – zwei verschiedene Safe-Spaces

BANDUP: Du spielst am 11. April in der Nähe von München und am 21. Juni bei der Fête de la Musique in Potsdam. Was bedeutet dir die Bühne im Vergleich zum Studio?

Lisann: Das ist schon sehr gegensätzlich. Im Studio ist man in einem ganz kleinen, vertrauten Kreis. So war das zumindest bei mir bisher. Ich liebe es, für mich zu sein und obwohl ich im Alltag nicht gerne im Mittelpunkt stehe, war es im Studio doch auch mal sehr schön, dass es um mich und meine Vision ging. Die Bühne ist eigentlich ein Ort der Gemeinsamkeit, sie hat ja auch als Ziel, das zu erreichen. In meiner Schulzeit waren die Lehrer immer außer sich, weil ich als ruhiges Kind plötzlich so selbstbewusst und gesprächig war, sobald ich auf einer Bühne stand. Die Bühne ist für mich ein anderer Safe Space, aber so genau kann ich das gar nicht erklären. Ich fühle mich dort einfach wohl.

BANDUP: Was soll jemand fühlen, nachdem er „Lieber so“ zum ersten Mal gehört hat?

Lisann: Glück. Energie. Mut und einen Hauch von Melancholie. Die Melancholie ist in vielen meiner Songs ein zentrales Element. Das kommt glaube ich daher, dass ich so ein verträumter und hoffnungsvoller Mensch bin. Ich hoffe ja immer noch, dass ich eines Tages durch einen Kleiderschrank nach Narnia komme oder dass Menschen gar nicht wirklich sterben, sondern nur auf einer längeren Reise sind und irgendwann wieder vor Deiner Türe stehen. Bei mir stirbt die Hoffnung wirklich zuletzt.

BANDUP: Zum Abschluss: Welchen Song – egal von wem – würdest du gerade jedem empfehlen, der loslassen muss?

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Lisann: Ich habe tatsächlich, gerade anfangs, sehr viele Songs über Abschiede geschrieben. Weil das damals ein sehr präsentes Thema für mich war. Aber ich möchte ja nicht spoilern 🙂

Als Kind habe ich viel Mika gehört, da war natürlich “Happy Ending” ein sehr schöner Song. Aber auch “The Call” aus dem zweiten Narnia Film finde ich sehr berührend. Das ist auch die Endszene im Film, wo zwei der vier Pevensie-Geschwister unerwartet nicht wiederkommen werden. Mit den Geschichten kann ich mich im Allgemeinen sehr gut identifizieren, da ich selbst drei Geschwister habe, auch wir sind zwei Mädchen und zwei Jungs.

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