Philipp Poisel hat gestern am 23. Oktober 2026 sein Album „Gute Zeiten“ bei Grönland Records veröffentlicht. Es ist sein fünftes Studioalbum. Zwölf neue Songs, viele davon auf Sizilien geschrieben, fünf Jahre nach „Neon„, das im September 2021 erschien, und nächste Woche Ende Oktober folgen Releasekonzerte im Berliner Lido und im Kölner Luxor.
Ausgerechnet der Typ, zu dessen Songs Männer schon weinen durften, als das noch als untypisch galt, singt jetzt von guten Zeiten. Meine These: Die Leichtigkeit auf dieser Platte funktioniert nur, weil Philipp Poisel die Melancholie nie vor die Tür setzt. Einen ersten Eindruck gibt das offizielle Video zum Titelsong, das am 22. Oktober Premiere feierte und dessen Konzept Sophie Seybold und Philipp Poisel gemeinsam entwickelt haben.
Ratschläge für jemanden, der gerade losgeht
Der Titelsong besteht fast nur aus Ratschlägen. Höflich bleiben, in Stürmen stehen bleiben, sich nie einreden lassen, man sei nicht okay, und niemandem trauen, der einem sagt, man sei etwas anderes als schön. Am stärksten bleibt „Alles im Leben tut zu zweit nur halb so weh“ hängen, weil in dieser einen Zeile das ganze Album steckt.
Produziert hat er den Song wieder zusammen mit Frank Pilsl, mit dem er schon im Sommer 2006 seine ersten Demos aufgenommen hat. Auf „Schön“ steht man mitten auf einer sizilianischen Piazza, auf „Postkarte“ ziehen Schiffe am Horizont vorbei. Um die alten Wunden kümmern sich „10m²“, wo er mit der Sängerin verifiziert von einer Liebe in einer kleinen Wohnung singt, und der bittersüße Herzschmerz von „Ruinen„.
Monster bauen, Gefühle zulassen
„Lasst die guten Zeiten auf euch regnen!„, wünscht sich Philipp Poisel. Man könnte diese Bitte als kleinen Dreh lesen, denn Regen ist sonst eher das Wetter für Liebeskummer. Nebenbei hat er sein Architekturstudium abgeschlossen und entwirft seine Bühnenshow von Anfang an komplett selbst.
Für das Video zu „Dämonen“ hat er mit seinem Team fünf lebensgroße Monster gebaut, die auf der Tour ab April 2027 auch im Bühnenbild stehen werden. Ich vermute, darin steckt die Auflösung meiner These: Die guten Zeiten gibt es bei Philipp Poisel nur zusammen mit den Dämonen. Mal ehrlich: Wollt ihr von ihm lieber Postkarten aus Sizilien oder doch wieder den Herzschmerz, bei dem man das Licht ausmacht?
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