Dressed Like Boys veröffentlicht Neue Single und kündigt zweites Album an
Wer nach einem erfolgreichen Debüt den Fuß vom Gas nimmt und eine sechsminütige Klavierballade als ersten Vorboten des zweiten Albums veröffentlicht, hat entweder keine Angst vor dem Scheitern oder verstanden, dass genau das die einzige Chance ist, nicht zu scheitern. Jelle Denturck macht mit Dressed Like Boys beides. Heute am 02. September 2026 erscheint die neue Single „And Then I Woke Up“ via Mayway Records, zugleich Titeltrack des zweiten Albums, das im Frühjahr 2027 folgen wird.
Musikalisch bleibt der Song über fast sechs Minuten konsequent reduziert, nur Klavier und eine leise Hi-Hat, sonst passiert lange nichts. Der Track lebt vom Anschlag, von der Stimme und vor allem von dem, was weggelassen wird, eine Sparsamkeit, die an frühe Aufnahmen von Elton John erinnert. Erst im Refrain öffnet sich alles, die Harmonie trägt den Song nach oben, der Moment, auf den die Zurückhaltung davor die ganze Zeit hinarbeitet.
Wenn das Ego die Augen aufschlägt
Genau da trifft die Musik den Text, erzählt wird von einem Ego auf Wanderschaft: von einem erwachsenen Kind, das die Kleider seiner Kindheit längst abgelegt hat und trotzdem noch auf dem Boden liegt und tobt, voller Wünsche, Ambitionen, Sorgen und kleiner Kränkungen.
Es geht um die Bilder und Namen, die man von sich selbst mit sich herumträgt, um Nähe, die in Abgrenzung kippt, und um einen Reichtum, den man weder kaufen noch verkaufen kann. Bis am Ende ein einziger Satz alles davor in ein anderes Licht rückt: „And then I woke up“. Das Aufgehen des Refrains ist dieses Aufwachen, ein musikalischer Moment, der das spirituelle Erwachen nicht nur beschreibt, sondern hörbar macht.
Buddhismus, Rousseau und das Gefühl, in Ketten zu liegen
Damit steckt schon im Titeltrack, worum das kommende Album kreist: spirituelles Aufwachen, das Wiedereinschlafen, das erneute Aufwachen, eine Endlosschleife, die Jelle Denturck intensiv beim Schreiben mit Buddhismus und Taoismus verknüpft hat. „Buddha“ heißt wörtlich übersetzt „Ich bin wach“, dazu zieht sich ein Satz von Jean-Jacques Rousseau durch die Platte: „L’homme est né libre, et partout il est dans les fers“ – der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten.
Identität bleibt zentral, diesmal aber als Ausgangspunkt für etwas Universelles: das Gefühl, bedrängt, missverstanden oder ausgeschlossen zu sein. Seit dem selbstbetitelten Debütalbum im August 2025 ging es schnell, sehr schnell: Songs wie „Lies“, „Pinnacles“, „Jaouad“ und „Stonewall Riots Forever“ kamen bei Publikum und Presse gleichermaßen gut an, es folgten ausverkaufte Shows und ein Sommer mit Auftritten bei Rock Werchter, Best Kept Secret und zwei ausverkauften Abenden im OLT Rivierenhof in Antwerpen.
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