Musikalische Konfliktbewältigung mit „before/after“ von Sofie Royer 

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Im Frühjahr diesen Jahres liefert Sofie Royer mit der Single „Cowboy Mouth“ den ersten Vorboten ihres neuen Albums. Elektronisch und verspielt zeigt die österreich-iranische Musikerin, was wir nun auf „before/after“ in voller Länge genießen dürfen. Auf insgesamt zwölf Songs legt sie ihre künstlerische Vielfalt vor. Auch wenn Sofie Royer auf dem Track „Sesquicentennial“ singt „guess I’m on loosing streak“ könnte sie damit zumindest im Bezug auf „before/after“ nicht weniger falsch liegen.

2020 konnten Hörer*innen sich über das „Cult Survivor“-Debütalbum freuen. Zwei Jahre darauf legt Sofie Royer mit der Platte „Harleqiun“ nach, 2024 folgte dann „Young-Girl Forever“. „before/after“ ist nun mittlerweile der vierte Longplayer der Musikerin. Auf der neuen Platte verbindet Sofie Royer alle Elemente ihrer Kunst, die Fans über die Jahre nach und nach kennenlernen durften. Das bedeutet Songs gesungen auf Deutsch, Englisch und Französisch.

Mit ihrer Sofie-Royer-Weise verpackt die Sängerin auf „before/after“ ihr Leben. Ob es nun das „Girl in pilot-season trying out“ ist, von dem sie auf „Actress“ singt und von ihren Erfahrungen als Schauspielerin berichtet, oder sie sich einfach mit Konflikten zwischen Vergangenheit und Zukunft auseinandersetzt: Sofie Royer stellt sich auf „before/after“ eigentlich sich selbst.

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Maximalismus im Demo-Sound

2000er Piano bei „Leave on the Light“, Fesselnde deutliche E-Gitarren auf „Opium“ oder übersteuerte Sounds auf „Cavalier“ – die einzigartige Klangvielfalt, die Sofie Royers Musik seit Beginn an begleitet reißt auch bei „before/after“ nicht ab. Über die Jahre ist nicht nur ihr Songwriting ausgefeilter und vielsagender geworden, auch die Song-Produktion ist komplexer geworden. Auf der neuen Platte hat Sofie Royer neben anderen Produzenten wie Matt Cohn (SZA, Charli XCX), Jorgen Odegard (Sabrina Carpenter, BLACKPINK) und Eli Hirsch (Suki Waterhouse) alle Songs selbst mitproduziert. 

Mal maximalistisch, mal in rohem Demo-Sound fängt Sofie Royer die Verwicklung, Vieldeutigkeit und Vielfältigkeit ihrer Texte ein. Gesang auf deutsch mit elektronischen Klängen auf „AUTO“, „Opium“ mit Grunge-Gitarren oder eine ruhige Ballade mit „Nights in white jackets“ – „before/after“ liefert für jede Gefühlslage einen Track zum Auffangen.

Zwischen Songs die einen beim Hören in vergessene Emotionen zurücktransportieren oder zum Tanzen anstecken wie „Best in Show“ veröffentlicht Sofie Royer mit „before/after“ ein Album, das sich perfekter nicht in ihre Diskografie einreihen könnte. Mit dem schnell pochenden Klavier dürfte „Cowboy Mouth“ treue Fans auch an den Track „Klein-Marx“ aus dem „Harlequin“-Album erinnern. Die Songs, auch die unterschiedlichen Sprachen, sind dabei aber alles andere als überfordernd, sondern ergeben einen gesamten Zusammenhang. Gerade mit Blick auf Sofie Royers bisherigen musikalischen Weg ist es bemerkenswert, wie sie sich anknüpfend und dennoch neu erfindend mit „before/after“ positioniert. 

Copalla bis Smith: Facettenreiche Inspirationen 

Sofie Royers Musik spiegelt nicht nur die Erfahrungen ihres Lebens wieder, sondern findet auch Inspiration aus den Werken anderer Künstler*innen. So kann man den Song „Cowboy Mouth“ nicht nur als eine Hommage an ihren eigenen Song verstehen, sondern auch eine musikalische Vertonung des gleichnamigen Theaterstücks von Patti Smith und Sam Shepard. Das Musikvideo zu „Sesquicentennial“ hat Sofie Royer ganz ungezwungen auf einer China-Reise gedreht. Es bewegt sich dabei auf einem schmalen Grat zwischen einer Hommage an Sofia Coppolas „Lost in Translation“ und Einblicken in ihr eigenes Leben. 

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Die Visuals, die mal groß inszeniert sind wie beim Musikvideo zu „Actress“ oder simpler gehalten sind wie bei „Sesquicentennial“ fangen damit den wechselhaften Sound des neuen Albums ein. Der Musik-Maximalismus geht bei Sofie Royer mit einer lässigen Einfachheit Hand in Hand und bringt damit die Musik passend zum visuellen Ausdruck.

Keep on Keeping on Sofie Royer

Der letzte Track auf „before/after“ heißt „Keep on Keeping“ und lässt uns tief blicken in die Gefühlswelt von Sofie Royer. „In my universe there is no plan b“ singt sie in der zweiten Strophe, was man natürlich auf das Musikmachen münzen kann. Dass Sofie gar nichts anderes übrig bleibt als kreativ zu sein. Wie sie selbst auf „Sold out the jazz club“ singt „I‘ll play in the park, I‘ll play in the showcase/ If you really wanted me too I‘ll play your uncles wake too“, denn sie gehört einfach auf die Bühne. Auf die begibt sie sich übrigens schon im Oktober, um uns „before/after“ live zu präsentieren.

Mit „before/after“ hat Sofie Royer ihre kreative Einzigartigkeit in ein kohärentes Album verpackt das nicht nur ein Testament an den menschlichen Ideenreichtum aller Künstler*innen ist, sondern auch an die eigene Schöpferkraft. Jeder Track auf dem Album kann sich für sich alleine behaupten und macht zusätzlich Vorfreude, sich nochmal von vorne bis hinten durch die bisherigen Alben der Künstlerin zu hören. 


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