Spotify Wrapped 2025: neue Features UND alte Kritik

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Es ist Dezember und was gehört mehr zur vorweihnachtlichen Stimmung als Glühwein, Lebkuchen und der Spotify Jahresrückblick? Seit Mittwoch können sich User*innen wieder durch den alljährlichen Wrapped ihres persönlichen Musikstreamings scrollen und fluten die For-You-Pages, um das Jahr in Songtiteln und musikalischen Highlights Revue passieren lassen. 

Spotify Wrapped liefert dabei Antworten auf die wichtigen Fragen: Welcher Artist hat es auf Platz Eins geschafft? Welches Album habe ich so hyperfixiert, dass es zum Favoriten wurde? Und vor allem: Wer bin ich eigentlich wirklich – zumindest laut meines Musikgeschmacks? Denn wenn ihr es bisher noch nicht wusstet, sagt es euch Spotify spätestens jetzt.

Welche Artists es ins Top-Ranking geschafft haben, welche neuen Features das diesjährige Wrapped bereit hält, wie das Ganze überhaupt funktioniert, und warum es nicht für alle ein Grund zum Feiern ist – das erfahrt ihr hier. 

Spotify Wrapped: Überraschende Top-Artists in Deutschland 

Mit dem Freischalten der persönlichen Jahresrückblicke gibt Spotify auch Einblick in die globalen Top-Platzierungen der Musik- und Podcast-Welt. Wie zu erwarten tummeln sich Weltstars wie Taylor Swift, The Weeknd, Drake und Billie Eilish auf dem Siegertreppchen der Top-Artists, die Nummer Eins ist nun aber schon zum vierten Mal der US-Rapper Bad Bunny. 

Der meistgehörte Song weltweit in diesem Jahr: “Die With A Smile” von Lady Gaga und Bruno Mars, gefolgt von Billie Eilish mit “Birds Of A Feather” und noch einmal Bruno Mars und Rosé mit ihrem Hit “Apt.”.

In Deutschland hingegen landet überraschend ein deutscher Artist auf Platz Eins der Top-Songs: Mit “Tau mich auf” hat Zartmann in diesem Jahr wohl die Herzen der deutschen Spotify User*innen aufgetaut – und erobert. 

Außerdem spannend: Zwar liegen im deutschen Ranking der Top-Artists Taylor Swift auf Platz Eins und Linkin Park auf Platz Drei, der Rest der Top 10 wird aber fast ausschließlich von (männlichen) deutschsprachigen Rappern angeführt: Pashanim, Jazeek, Bonez MC, Luciano, Aymen, RAF Camora und reezy – nur The Weeknd bildet auf dem siebten Platz noch eine kleine Ausnahme. 

Musikalisches Alter und Clubs – neue Features sorgen für Stirnrunzeln

Jedes Jahr präsentiert uns Spotify einige neue Features, bei denen man erst einmal denkt: Hm, und jetzt? Ob seltsame KI-generierte Micro-Genres, musikalische Tarot-Karten oder “Sound Towns” – es wird nie langweilig. Auch dieses Jahr gibt es neue Spielereien, die Nutzer*innen etwas ratlos zurücklassen: Plötzlich haben alle ein sehr ominöses “musikalisches Alter” und werden in Clubs einordnet, in denen sie eine persönliche Rolle einnehmen. Laut Spotify basiert diese Einordnung auf den Hörgewohnheiten, die sich an Emotionen, Stimmungen, Genres und musikalischen Merkmalen orientieren.

Jeder Track wird, zum Beispiel durch Einordnung in bestimmte User*innen-Playlist, mit Tags versehen. Diese Tags werden dann in sechs größeren Clubs zusammengefasst: Da gibt es zum einen die “Cloud State Society” für Peace-Mukke und Hippie-Vibes, das “Grit Collective” für die Rebellen unter euch, den “Club Serotonin” für Sonnenschein und gute Laune, die “Full Charge Crew” für die Partymäuse, den “Cosmic Stereo Club” für alle, die weltliche Grenzen überwinden und in kosmische Sphären abtauchen wollen und zu guter Letzt den “Soft Hearts Club” für die verletzlichen Seelen voller Gefühl.

Spotify errechnet für jeden Club einen Score, der auf eurem Hörverhalten basiert und ordnet euch dem Club zu, bei dem ihr am höchsten abschneidet. Eure Rolle in einem Club wird dann durch Hörgewohnheiten bestimmt, die euch von anderen Mitgliedern des Clubs unterscheiden.

Spotify Wrapped 2025: Clubs
Quelle: Spotify Newsroom

Als weitere neue Funktion hat Spotify eine Art Multiplayer-Jahresrückblick, die “Wrapped Party” eingeführt, bei der Nutzer*innen ihren Musikgeschmack auf spielerische Weise mit dem ihrer Freund*innen vergleichen können. Außerdem neu: die Übersicht über die meistgehörten Alben, ein Quiz, welcher Song es zum persönlichen Favoriten geschafft hat oder ein visualisiertes Wettrennen der Top-Artists. 

So funktioniert Spotify Wrapped: Ein Blick hinter die Statistiken

Wrapped is about seeing yourself in your sound. Each story is made to be accurate, fair, and reflective, while still keeping a sense of mystery and magic. Wrapped is not only about counting what you listened to, but truly celebrating it (Quelle: Spotify Newsroom)

Doch wie genau wird das persönliche Wrapped eigentlich berechnet? Um das Ganze etwas zu entmystifizieren: Spotify Wrapped basiert auf einer umfassenden Analyse des Hörverhaltens seiner Nutzer*innen von Anfang Januar bis etwa Mitte November – ob Spotify damit versucht, Weihnachtsmusik aus den Statistiken fernzuhalten, oder einfach mehr Zeit für die Analyse braucht, bleibt ein Rätsel. Es werden alle Audioaktivitäten berücksichtigt, also Musik, Podcasts und Hörbücher. Damit will Spotify die tatsächlichen und bewussten Hörgewohnheiten so genau wie möglich abbilden.

Das Ranking der einzelnen Kategorien wird anhand bestimmter Parameter festgelegt – beispielsweise werden Top-Genres mittels der Häufigkeit von Genre-Tags bestimmt, die jedem Track zugeordnet sind. Top-Songs ergeben sich durch die Anzahl der Streams, wobei ein Song dann dazu zählt, wenn er mindestens 30 Sekunden lang gehört wurde. Top-Alben werden nach Regelmäßigkeit der Streams bewertet und nur dann miteinbezogen, wenn mindestens 70 Prozent der Titel gehört wurden. Bei Top-Artists zählt die gesamte Hörzeit – so ergibt sich auch der Vergleich zu anderen Fans in einem prozentualen Ranking.

Das etwas amüsante “musikalische Alter” basiert auf dem Konzept des “reminiscence bump” – dem Phänomen, dass sich Erwachsene besonders stark an Dinge aus ihrer Jugend erinnern und sich damit tendenziell mehr mit Musik aus den eigenen Jugendjahren identifizieren. Spotify fokussiert sich dafür auf die Veröffentlichungsjahre aller im Jahr gehörten Songs und identifiziert einen Fünf-Jahres-Zeitraum, den Nutzer*innen am meisten hören. Davon ausgehend wird angenommen, dass diese fünf Jahre den persönlichen „reminiscence bump”, also die prägenden Jugendjahre, widerspiegeln. Hört man also beispielsweise sehr viel Musik aus den 70ern, schätzt Spotify das musikalische Alter auf 63 Jahre – also das Alter einer Person, die in dieser Zeit ihre Jugend erlebt hat. 

Schlechter Bezahlung, KI-Musik & Co.: Spotify gibt weiterhin Anlass zur Kritik

Trotz des Hypes und unzähliger Storys und Memes rund um Wrapped wird auf Social Media, insbesondere von Artists, weiterhin auf Missstände im Zusammenhang mit der schwedischen Streamingplattform hingewiesen. Denn so sehr alle den Jahresrückblick mit der Zurschaustellung ihrer Lieblingsmusik, nostalgischen Momenten und spielerischen Features feiern – wer bei all dem Jubel zu kurz kommt, sind die Musiker*innen selbst.

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So wendet sich beispielsweise die Musikerin Mia Morgan mit ehrlichen Worten an ihre Fans:

Die Kritik der letzten Monate bleibt bestehen, etwa zur niedrigen Bezahlung von Künstler*innen, dem fragwürdigen Umgang mit KI-generierter Musik oder den Waffeninvestitionen des Spotify-CEOs Daniel Ek. Kritikpunkte, die zuletzt zahlreiche Artists animierten, ihre Musik von der Plattform zu entfernen und zum Boykott aufzurufen.

Um noch einmal Spotify zu zitieren: “Wrapped is not only about counting what you listened to, but truly celebrating it.” Wer oder was hier genau gefeiert wird, bleibt fraglich, die Musik und ihre Schöpfer*innen sind es jedenfalls nicht. Der alljährliche Hype um die persönlichen Spotify-Jahresrückblicke macht jedoch deutlich, welchen Stellenwert Musik für die Identität vieler User*innen hat. Also: Postet nicht nur auf Insta, wie sehr ihr eure Lieblingsartists feiert, sondern kauft Platten, geht auf Konzerte, holt euch Merch – und zeigt echten Support.

Künstler*innen: