BARNSEN: Karneval der Tiere – Ein Orchestrales Debüt, aber kein Neustart

von

Anzeige*

BARNSEN kennt man bisher von den Szenebands TAGTRAUM und SONDERMARKE. Doch mit „Karneval der Tiere“ schlägt der Multiinstrumentalist ein völlig neues Kapitel auf: 13 orchestrale Instrumentalkompositionen, jede einem Tier gewidmet, irgendwo zwischen Klassik, Filmmusik und Rock.

Das Album vereint Streicher, Bläser, Piano, Oud und Percussion zu einem cineastischen Hörerlebnis, das vor dem inneren Auge lebendig wird

Im Interview erzählt BARNSEN, wie er von Camille Saint-Saëns‘ gleichnamigem Klassiker inspiriert wurde, warum er sich bewusst gegen Samples und Quantisierung entschied und wie er Musiker*innen von Hamburg bis Barcelona für seine Vision gewinnen konnte.

Am 17. Oktober 2026 präsentiert er das Album live in großer Besetzung in der Audiolodge Schwanfeld. Ein Gespräch über musikalische Bilderbücher, arabische Gitarren und die Magie von Vinyl.

Ich wünsche jedem Hörer so viel Fantasie, dass man beim Hören von Kamel orientalische Gewürze riecht und beim Wolf eine nostalgische Umarmung der eigenen Kindheit. Sich für ein paar Minuten ans Lesen von Rotkäppchen mit der Taschenlampe unter der Bettdecke erinnert.

BANDUP: Dich kennt man bisher als Musiker der Szenebands TAGTRAUM und SONDERMARKE. Jetzt erscheint mit „Karneval der Tiere“ ein orchestrales Instrumentalalbum. Wie stellst du dich und dieses neue Kapitel unseren Leser*innen vor?

BARNSEN: Wenn man mich bisher vor allem von TAGTRAUM und SONDERMARKE kennt, könnte „Karneval der Tiere“ erst einmal wie ein ziemlich großer Schritt in einen anderen musikalischen Raum wirken.

Für mich fühlt es sich allerdings gar nicht so fremd an. Besonders bei SONDERMARKE waren immer wieder mal Streicher und Bläser an Bord und Musik war für mich schon immer eine Möglichkeit, Bilder und Stimmungen zu erzeugen.

Bei diesem Album wollte ich einfach einmal ausprobieren, was passiert, wenn ich mich komplett auf Instrumente und orchestrale Klangwelten konzentriere und auch meiner geheimen Liebe für Filmmusik Platz gebe.

Keine Texte, kein klassisches Bandgefüge, dafür viel Atmosphäre und Tiefe. „Karneval der Tiere“ ist ein neues Kapitel, aber kein Neustart. Es zeigt einfach nur eine weitere Facette von mir, die bisher weniger zu hören war.

Anzeige*

Ein Album zum tanzen statt zum sitzen

BANDUP: Du hast dich von Camille Saint-Saëns‘ „Karneval der Tiere“ inspirieren lassen, aber eine völlig eigene musikalische Welt geschaffen. Was hat dich an diesem klassischen Werk gereizt und wo hast du bewusst eigene Wege eingeschlagen?

BARNSEN: Im Prinzip habe ich nur die Idee übernommen, Tiere musikalisch auf einem Album zu interpretieren. Alles andere von Saint-Saëns hat damit wenig zu tun. Ich glaube, ich habe noch kein einziges Mal das Original von vorne bis hinten durchgehört.

Da fehlt mir auch einfach die moderne Komponente, der Beat und auch der Fluss in den Stücken. Ich wollte ein Album machen, das an vielen Stellen tanzbar ist und sich auch nicht für ein Sitzkonzert anbietet.

BANDUP: Jede der 13 Kompositionen widmet sich einem bestimmten Tier und übersetzt dessen Charakter in Klang. Wie gehst du konkret vor, wenn du ein Tier wie den Hai, den Schwan oder das Kamel musikalisch zum Leben erwecken willst?

BARNSEN: Die Grundideen dazu sind immer am Klavier entstanden. Sobald man ein Bild vom jeweiligen Tier im Kopf hat, ist die Stimmung, die Lautstärke und Geschwindigkeit des Songs recht schnell klar. Auch die dominante Instrumentierung ergibt sich schnell.

Das musikalische Anfangsmotiv von Hai ist beispielsweise ein wenig angelehnt an John Williams Titelsong von „Der weiße Hai“. Das Thema wird aber schnell verlassen und Jazzpreisgewinner Anton Mangold soliert dann dezent über treibenden Groove.

Schwan habe ich dagegen eher sehr klassisch und andächtig interpretiert. Viel Streicher, Glockenspiel, Piano und Delaygitarre. Kamel war sicher mit der aufwendigste Song.

Ich habe mir dafür extra eine arabische Gitarre, die Oud, gekauft und solange geübt, bis ich auch eine Solopassage damit spielen konnte, um diesen Charakter in den Song zu bekommen.

Zudem konnte ich Omar Kattan, einen bekannten Darbukaspieler gewinnen, und der hat schnell seinen Stempel aufgedrückt und die Wüste zum Leben erweckt.

„[Ich] musste mich nicht selten in etwas Geduld üben„

BANDUP: Dein Album verbindet Streicher, Bläser, Piano, Glockenspiel, Schlagzeug, Bass, Gitarren, Oud und Percussion. Von Klassik über Filmmusik bis Rock. Wie kamst du zu dieser ungewöhnlichen Besetzung, und welche Herausforderungen brachte das beim Komponieren und Arrangieren mit sich?

BARNSEN: Viele der Musiker waren mir durch frühere Projekte bereits bekannt. Andere wie Omar Kattan oder die Bassposaunistin Maxine Troglauer habe ich einfach mit einer Demoaufnahme angeschrieben und sie haben direkt zugesagt.

Ich wollte einfach einen orchestralen Sound und habe mir dafür meine Idealbesetzung von Hamburg bis Barcelona zusammengesucht. Man betritt ja immer nur einmal neues musikalisches Gelände und bei einer Premiere wie dieser wollte ich einfach wenig Kompromisse eingehen.

BANDUP: Du hast für „Karneval der Tiere“ ein großes Ensemble mit Musiker*innen aus Klassik, Jazz und anderen Bereichen zusammengebracht. Darunter Jazzpreisgewinner Anton Mangold, Pianist Werner Goldbach und Darbuka-Virtuose Omar Kattan. Wie lief die Zusammenarbeit mit so unterschiedlichen musikalischen Hintergründen ab?

BARNSEN: Die Zusammenarbeit lief erstaunlich gut mit allen Musikern. Es hat sich wirklich jeder sofort eingefunden, die Idee sofort verstanden und seinen ganz persönlichen Anteil in die Stücke gepackt.

Einzig schwierig war die Terminfindung. Da alle Musiker mit eigenen Projekten viel unterwegs sind und auch das Tonstudio Audiolodge gut ausgebucht ist, musste ich mich nicht selten in etwas Geduld üben.

Aber es hat sich in jedem Falle gelohnt und auch für ein gemeinsames Release-Konzert haben wir mit dem 17.10.26 einen Termin gefunden.

Alles so echt wie möglich

BANDUP: Das Album wurde von Sven Peks in der Audiolodge Schwanfeld aufgenommen, das Mastering übernahm Kai Blankenberg von den Skyline Studios Düsseldorf. Was war dir bei der Produktion besonders wichtig, um die akustische Tiefe des Ensembles mit moderner Klangästhetik zu verbinden?

BARNSEN: Mir war zum einen wichtig, dass sich jeder Musiker auch mit eigenen Ideen und seinem eigenen Stil einbringen kann.

Zudem wollte ich alles möglichst echt halten und keine Wand von 20 Gitarren doppeln, Drumbeats quantisieren oder Midiinstrumente oder gar Samples verwenden.

Das habe ich in der Vorproduktion und für die Komposition zuhause am Keyboard gemacht. Für die richtigen Aufnahmen musste aber alles echt sein. Auch wenn das natürlich deutlich zeitaufwendiger und entsprechend kostenintensiver war.

BANDUP: Am 17. Oktober 2026, nur einen Tag nach Release, präsentierst du „Karneval der Tiere“ live in großer Besetzung in der Audiolodge Schwanfeld. Was erwartet die Besucher*innen bei dieser Live-Premiere?

BARNSEN: Wir werden in großer Besetzung das komplette Album vorstellen und es wird mit einem Kamerateam auch ein Livevideo entstehen. Die Audiolodge ist ein wunderschönes Tonstudio mit viel Holz, Retro und Charme und fasst etwa 150 Zuschauer.

Man kann sich auf einen unglaublich guten Sound, eine sehr schöne Atmosphäre und viel Nähe zwischen Musiker und Publikum einstellen.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Was bedeutet die Vinyl für ein orchestrales Werk wie dieses?

BANDUP: Das Album erscheint auf Vinyl und als Stream. Welche Bedeutung hat das physische Format Vinyl für dich bei einem so aufwendig produzierten orchestralen Werk?

BARNSEN: Streaming ist heute natürlich der einfachste Weg, Musik zu veröffentlichen und möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Eine Vinylpressung bedeutet für mich aber noch einmal etwas anderes.

Sie macht aus einem Album ein greifbares Kunstwerk, das man in den Händen hält und sich bewusst vornimmt. Man legt eine Platte auf, schaut sich das Cover an und nimmt sich idealerweise die Zeit, das Album als Ganzes von vorne bis hinten zu hören.

Gerade bei „Karneval der Tiere“ finde ich diesen Gedanken ganz schön, weil das Album nicht nur eine Sammlung einzelner Stücke, sondern auch als Gesamtwerk funktionieren soll.

Streaming und Vinyl schließen sich für mich auch überhaupt nicht aus. Streaming sorgt dafür, dass die Musik den einfachsten Weg zu Menschen findet und Vinyl gibt ihr dann ein ewiges Zuhause.

BANDUP: Du beschreibst „Karneval der Tiere“ als „musikalisches Bilderbuch“ mit filmischem Charakter. Musik, die vor dem inneren Auge erlebt werden kann. Welche Bilder oder Geschichten möchtest du bei deinen Hörer*innen entstehen lassen?

BARNSEN: Ich mag die Vorstellung, wenn man sich die Stücke anhört und idealerweise von alleine auf das Tier kommt, das sich hinter jedem Titel versteckt.

Anzeige*

Ich wünsche jedem Hörer so viel Fantasie, dass man beim Hören von Kamel orientalische Gewürze riecht und beim Wolf eine nostalgische Umarmung der eigenen Kindheit. Sich für ein paar Minuten ans Lesen von Rotkäppchen mit der Taschenlampe unter der Bettdecke erinnert.

BANDUP: Als letztes: Welchen Song empfiehlst du unserer Community gerade, der bei dir auf Dauerschleife läuft?

BARNSEN: Zur Zeit höre ich gerne wieder Mountains (2009) von Biffy Clyro.

Künstler*innen: