bölter. im Interview Über deutschsprachigen Rock und ihr Album „karma“
Das Ulmer Rock-Trio bölter. bewegt sich zwischen erdigen Gitarrensounds, Blues-Einflüssen und psychedelischen Ausflügen. Mit ihrem neuen Album „karma“ setzen die Brüder Philip und Flo Bölter gemeinsam mit Schlagzeuger Finn Fenner ein Statement für Neuanfänge und Authentizität.
Im Interview sprechen sie über den Wechsel zur deutschen Sprache, die Kraft des Moments und warum sie sich von Paul McCartney inspirieren lassen.
Wir sind ein klassisches Rock-Trio […]. Rund um Ulm verwurzelt, entsteht hier ein Sound zwischen Rock, Blues, Americana und psychedelischer Experimentierfreude, der sich nicht festnageln lässt – mal erdig und direkt, mal verspielt, mal fast schon jazzig. Deutschsprachig, weit weg von Klischees mit Kanten, Dynamik und echten Geschichten.
BANDUP: Wie hat sich bölter. gegründet?
bölter.: Die Gebrüder Bölter wurden 1985 (Flo) und 1988 (Philip) geboren. Die Band wurde 2001 gegründet und besteht seither unter verschiedenen Namen und Besetzungen. In der aktuellen Besetzung spielt Finn Fenner am Schlagzeug.
Die Wahl des Musikstils
BANDUP: Eure Musik lässt sich zwischen Rock und Americana einordnen, was für die deutsche Musiklandschaft eher untypisch ist. Wie kamt ihr darauf, diesen Musikstil zu verfolgen?
bölter.: Unser Musikstil ist schon immer der gleiche: erdig, gitarrenlastig, aus dem Bauch heraus. Die Idee, auf Deutsch zu singen, keimte bereits einige Jahre vor ihrer Umsetzung.
Das Publikum bat mich darum, auf Deutsch zu singen, um die Texte besser verstehen zu können – schließlich trat ich nur innerhalb Deutschlands auf. Ich fand es zunächst schwierig, das übergangslos umzusetzen.
Ich wollte mich erstmal mit meiner muttersprachlichen Singstimme auseinandersetzen, da die Tonbildung vor allem in den Vokalen und Konsonanten doch völlig anders ist als im Englischen.
Als damals der zweite Lockdown kam, fand ich die Zeit dazu. Seither singen wir auf Deutsch.
Ich fühle mich damit viel wohler. Der Schleier oder Vorhang zwischen dem Publikum und mir ist damit verschwunden.
BANDUP: Philip, du bist seit vielen Jahren sowohl solo als auch in unterschiedlichen Bandkonstellationen unterwegs. Aktuell bewegst du dich zwischen deinen eigenen Solo-Projekten und der Band „bölter.“, in der du unter anderem gemeinsam mit deinem Bruder spielst.
Was reizt dich am Zusammenspiel in einer Band – und was schätzt du besonders daran, als Solokünstler unterwegs zu sein?
bölter.: Ich trete sowohl solo („bölter.solo“) als auch mit Band unter dem Namen „bölter.“ auf. Solo mit Resonator-Gitarre und Stompbox und der Mundharmonika um den Hals. Hier bin ich völlig autark in meinem Spiel.
Mit der Band wird mir der Rhythmus abgenommen und ich spiel die E-Gitarre. In den langen, experimentellen Jam-Parts verlier ich mich super gerne und liebe es, wenn wir gemeinsam abheben.
Warum „karma“?
BANDUP: Euer neuestes Album trägt den Titel „karma“. Was steckt hinter diesem Namen, und warum war er für dieses Album der richtige Titel?
bölter.: Das Album handelt von einem Neuanfang, einem neuen „ich“, von dem besten Leben, das ich ab nun an leben möchte – und ich finde, das habe ich nach den vielen Jahren, die deutlich anders verliefen, auch verdient.
BANDUP: Hattet ihr bereits eine Sammlung an Songs, aus der sich das Album entwickelt hat, oder seid ihr ohne konkrete Vorstellungen an die Arbeit gegangen und habt die Songs erst im Laufe des Prozesses entstehen lassen?
bölter.: Sieben der neun Songs waren bereits fertig und wurden schon auf einigen Konzerten gespielt, wo sie nachreifen konnten. Es ist ähnlich wie bei einem guten Wein.
Zwei weitere Lieder („Bestes Leben“ und „Nie wieder“) hatte ich bereits fertig geschrieben, für die Band waren sie jedoch völlig neu. Diese haben wir am Ende der Session mitten in der Nacht aufgenommen.
Ich finde, sie haben einen besonderen Charme. Ein Song („Du“) war bereits aus dem Jahr 2007! Wir haben ihn letztes Jahr gemeinsam übersetzt. Der musste einfach sein!
Aus Probenausflug wird finale Albumaufnahme
BANDUP: Wie läuft der kreative Prozess bei euch ab? Gibt es feste Rollen für Texte und Melodien, oder entsteht am Ende alles gemeinsam?
bölter.: Ich schreibe die Songs meist alleine und probiere sie aus. Die Texte lasse ich gern von meinem Bruder gegenlesen und überarbeiten.
Die Videos zu den Songs habe ich dieses Mal mit ihm gemeinsam gemacht. Er hat tolle Ideen und wir ergänzen uns wirklich hervorragend.
BANDUP: Eigentlich wolltet ihr in dem alten Haus nur proben – am Ende ist dort euer Album entstanden. Wie hat diese besondere Atmosphäre den Aufnahmeprozess beeinflusst, und könntet ihr euch vorstellen, noch einmal unter solchen Bedingungen aufzunehmen?
bölter.: Die Aufnahmen liefen sehr entspannt ab. Ich habe mich wie zu Hause gefühlt – eben weil es mein Zuhause ist. Wir haben in einer warmen, wohligen Atmosphäre arbeiten können.
Eben im Wohnzimmer und in der Küche. Schlafen oder ausruhen konnten wir uns oben in den anderen Zimmern.
Wenn einer mit Overdubs beschäftigt war, hat ein anderer schonmal angefangen zu kochen. Da wir Lied für Lied aufgenommen und samt aller zusätzlichen Instrumente fertiggestellt hatten, haben wir zwischen den Liedern gegessen.
Warum keine Featuregäste auf „karma“?
BANDUP: Ihr habt auf euren bisherigen Alben bewusst auf Featuregäste verzichtet. Was steckt hinter dieser Entscheidung, und könntet ihr euch vorstellen, das in Zukunft einmal zu ändern?
bölter.: Bei diesem Album war es ja so schon ein Glücksfall, dass wir überhaupt mal Zeit gefunden haben. Es sollte so bleiben, wie es in diesen zwei Tagen entstanden ist – keine weiteren Spuren, keine Gäste.
Wir haben einen Moment eingefangen. Und jeder weiß, wie schnell man Momente auch ruinieren kann. Für die Zukunft können wir uns vorstellen, genauso wieder zu arbeiten.
Ich hätte aber auch Bock, Gäste einzuladen. Es muss ja nicht immer gleich ablaufen – wozu?
BANDUP: „karma“ ist jetzt draußen – was steht für euch als Nächstes an? Gibt es schon Dinge, auf die ihr euch besonders freut oder musikalisch etwas, das ihr als Nächstes ausprobieren möchtet?
bölter.: Jetzt werden erstmal wieder neue Lieder geschrieben!
Eine Empfehlung von bölter.
BANDUP: Und zu guter Letzt: Welchen Song oder Artist würdest du unserer Community aktuell gern ans Herz legen?
bölter.: Ich bin gerade Fan vom neuen Paul McCartney-Album. Er macht schon immer sein Ding, ohne Erwartungen anderer zu erfüllen und schafft es, sich auch mit 84 immer noch neu zu erfinden und musikalisch weiter zu entwickeln.
Das wünsche ich allen anderen Künstlern und würde es mir von der Community wünschen, ebenso offen auf neue Musik zuzugehen.

Gewinnspiel
BANDUP verlost auf Instagram eine Vinyl des Albums “Bildet Banden” von Marlo Grosshardt.










