Omar Jatta im Interview über Identität, Community und fehlende Sichtbarkeit

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Omar Jatta verbindet Welten. Der in Paris geborene und in Deutschland aufgewachsene Künstler mit Wurzeln im Senegal und Gambia schafft mit seiner neuen EP „Alingandong“ einen Sound, der Grenzen überschreitet.

In seinen Songs verschmelzen verschiedene Sprachen und kulturelle Einflüsse zu einem Statement über Identität, Zusammenhalt und gesellschaftlicher Verantwortung.

Im Interview spricht der Musiker über die Kraft des gemeinsamen Tanzens, seine Kritik an der deutschen Musikindustrie und warum es wichtig ist, als Artist Haltung zu zeigen.

Ein Gespräch über musikalische Identität, strukturelle Ungerechtigkeit und die Hoffnung, die in echter Community liegt. Am 02.10. bringt Omar Jatta sein zweites Album „Ñaato“ raus.

Ich finde, es ist eines der wichtigsten Dinge überhaupt, gemeinsam unter verschiedenen Menschen zu zelebrieren – besonders weil genau das in der heutigen Zeit oft die größte Herausforderung ist.

BANDUP: Du kommst aus einer musikalischen Familie und hast 2019 angefangen Musik zu machen. Wie bist du zur Musik gekommen und was hat dich letzten Endes dazu bewegt, eine Karriere in diesem Bereich anzustreben?

Omar Jatta: Meine Freunde in Solingen haben mich letztendlich dazu bewegt. Sie haben schon im Alter von 14 oder 15 Jahren Musik gemacht, und ich war anfangs immer nur so dabei.

Als ich dann anfing, meine ersten Videos mit Gesang zu posten, haben sie mich noch mehr dazu ermutigt, eigene Songs zu schreiben und diese auch herauszubringen.

Viele Orte, viele Perspektiven

BANDUP: Du hast Wurzeln im Senegal und Gambia, bist in Paris geboren, in verschiedenen deutschen Städten aufgewachsen und wohnst derzeit in Köln. Wie hat dich diese Erfahrung als Mensch geprägt und wie wirkt sich das auf deine Musik aus?

Omar Jatta: Ich habe Klassenunterschiede in verschiedenen Ländern miteinander vergleichen können. Besonders die Sprachen helfen mir jetzt dabei, mich in meiner Musik so auszudrücken, dass auch meine Freunde und meine Familie in Frankreich verstehen, was ich sage.

Ich durfte in meinem Leben sehr viele Menschen mit unglaublichen Lebensgeschichten kennenlernen – und das ist auch heute noch so. Es ist unglaublich interessant zu sehen, wie die afrikanische Kultur an all diesen verschiedenen Orten gelebt wird.

Ein Aufruf zum gemeinsamen Tanzen

BANDUP: In dem Titeltrack deiner neuen EP „Alingandong“ rufst du zum gemeinsamen Tanzen auf. Warum findest du, ist es gerade in dieser Zeit wichtig, gemeinsam zu tanzen?

Omar Jatta: Ich finde, es ist eines der wichtigsten Dinge überhaupt, gemeinsam unter verschiedenen Menschen zu zelebrieren – besonders weil genau das in der heutigen Zeit oft die größte Herausforderung ist.

BANDUP: „Alingandong“ verbindet verschiedene Einflüsse und Sprachen miteinander. Wie wichtig ist es dir, in deiner Musik verschiedene kulturelle und musikalische Einflüsse zusammenzubringen?

Omar Jatta: Es ist für mich das A&O. Nur so kann ich meine Identität zu 100 % zeigen. Mittlerweile hören Menschen aus Gambia meine Musik.

Deshalb ist es mir wichtig, auch die Sprachen von dort einzubinden, damit auch sie verstehen, was meine Message ist.

Songs mit politischer Message

BANDUP: Du hast auf deiner EP unter anderen mit YAYA zusammengearbeitet. Was bedeutet dir diese Zusammenarbeit und wie habt ihr zueinander gefunden?

Omar Jatta: Ja, er war der erste Produzent in Köln, bei dem ich jemals Musik gemacht habe. Ich habe dort sehr viel Zeit verbracht und viel über mich und mein musikalisches Können gelernt. Er und Melo gehören zu den ersten Menschen, die an meinen afrodeutschen Film geglaubt haben.

BANDUP: In „Dunia“ singst du mit Kunta67 über das Thema Flüchtlingspolitik und kritisierst, dass das ganze Thema nicht ernst genug genommen wird. Warum findest du es wichtig, als Musiker über diese Themen zu schreiben und damit an die Öffentlichkeit zu gehen?

Omar Jatta: Ich habe selbst Familienmitglieder und Freunde, die davon betroffen sind. Ich habe regelmäßig mit Menschen zu tun, die über das Mittelmeer nach Europa gekommen sind.

Das Thema wird gekonnt ignoriert. Ich will mir gar nicht ausmalen, wie viele Familien dadurch auseinandergerissen wurden.

Mehr Sichtbarkeit für migrantische Artists

BANDUP: Du hast in einem Interview mal gesagt: „Bevor Festivals Millionen von Euros für ausländische Artists ausgeben, könnten sie doch auch die Artists buchen, die es hier gibt.“ Hat sich das deiner Ansicht nach mittlerweile geändert? Was wünscht du dir von der deutschen Musikindustrie für ausländische Artists, die hier leben?

Omar Jatta: Ich spüre eine Veränderung, dennoch ist sie für viele von uns wahrscheinlich nicht genug. Es werden industrielle Festivals und Connecting-Events veranstaltet, auf denen viele Migrantinnen und Migranten ignoriert werden.

Wenn Menschen mit Migrationshintergrund auf diesen Bühnen erscheinen, dann sind es oft diejenigen, die ein bestimmtes Erscheinungsbild mitbringen oder etwas verkörpern, das Menschen mit Migrationshintergrund in einem schlechteren Licht darstellt.

Dadurch ist es für viele schwer, aus der Unterschicht aufzusteigen – denn ein Großteil der bekannten Persönlichkeiten in Deutschland startet sein Leben in ärmeren Verhältnissen.

Das gilt genauso natürlich auch für Menschen ohne Migrationshintergrund, die aus solchen Verhältnissen kommen. Wenn du dich gegen Ungerechtigkeit aussprichst, wirst du oft automatisch gecancelt.

Gerade jetzt ist dieses Phänomen in den Medien wieder stark zu beobachten. Besonders trifft es die Black Community. Es wird Gebrauch von der Kultur gemacht, ohne dass die Menschen, die sie erschaffen haben, wirklich gesehen werden.

Dennoch gibt es mittlerweile viele Vereine aus der Black Community, die Events organisieren, auf denen diverse Künstlerinnen und Künstler die Möglichkeit haben, ihre Kunst zu zeigen.

Ich hoffe, dass in Zukunft noch mehr Leute die Chance bekommen, ihre Kunst an Orten zu präsentieren, an denen sie sich normalerweise nicht sehen.

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„Baut euch ein Team auf und nehmt euch Zeit“

BANDUP: Was würdest du Musiker*innen mitgeben, die gerade versuchen, in der deutschen Musiklandschaft Fuß zu fassen? Und was hat dir selbst am Anfang deiner Karriere geholfen?

Omar Jatta: Baut euch ein Team auf und nehmt euch Zeit. Lernt die Tools, mit denen ihr arbeitet, richtig kennen. Das Wichtigste ist, das Ganze mit Selbstvertrauen anzugehen.

BANDUP: Und zu guter Letzt: Welchen Song oder Artist würdest du unserer Community aktuell gern ans Herz legen?

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Omar Jatta: Pa Salieu! Ein Künstler, zu dessen Musik ich mich sehr verbunden fühle. Und hört euch gerne noch einmal meinen Song Wala Bok an.

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