Tim Vicia: „Ich musste da raus“ – Ein Gespräch über toxische Beziehungen und männliche Verletzlichkeit

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Tim Vicia macht Musik, die vielen unter die Haut geht. Der aufstrebende Dreamo-Artist aus Deutschland verbindet träumerische Klänge mit emotionaler Tiefe und schafft damit einen Safe Space für alle, die sich in seinen Texten wiederfinden. Mit seiner neuen Single „Kein Schmerz von dir“, die diesen Freitag erscheint, wagt er den Befreiungsschlag aus einer toxischen Beziehung – und das mit einem überraschend tanzbaren UpTempo-Beat.

Im Interview mit BANDUP spricht Tim offen über seine persönlichen Erfahrungen, den kreativen Prozess im Schlafzimmer-Studio und darüber, warum männliche Vulnerabilität im Jahr 2026 immer noch für Diskussionen sorgt. Ein Gespräch über Mut, Selbstwert und die heilende Kraft der Musik. Als erstes haben wir ihn darum gebeten sich kurz vorzustellen.

Ich denke, wenn ich nicht gerade als Musiker oder Künstler auftrete, bin ich eher ein introvertierter und nachdenklicher Mensch. Ich mag es sehr, Sachen mit Freund:innen zu unternehmen und genieße auch deren Gesellschaft, aber ich bin auch gern mal für mich allein. Musik war schon immer ein wichtiger Teil meines Lebens und ich habe auch immer gerne gesungen. Das habe ich wohl ein wenig von meinem Opa – der war nämlich Opernsänger. „Dreamo“ ist eine Zusammensetzung aus dreamy und emotional. Ich wollte einen unaufgeregten schönen Sound schaffen, zu dem man gut viben kann, der aber auch nachdenklich macht und dem man sich öffnen kann. Aber das ist nur eine von vielen Bezeichnungen für meine Musik.

BANDUP: Deine neue Single „Kein Schmerz von dir“ erscheint am Freitag und erzählt vom Ausbruch aus einer toxischen Beziehung. Was war der Moment oder die Erfahrung, die dich dazu inspiriert hat, genau diesen Song zu schreiben?

Tim Vicia: In dem Song geht es um eine ganz persönliche Erfahrung, die ich gemacht habe. Ich habe mich in einer Beziehung befunden, in der es mir gar nicht gut ging. Das hat schon zu körperlichem Unwohlsein bei mir geführt. Die andere Person hat mir überhaupt nicht gut getan. Und die ganze Zeit dachte ich nur: „Liegt es an mir?“ „Bin ich das Problem?“ „Ist alles nur ein dummes Gefühl von mir?“ Aber nein. In solchen Situationen sollte man sich auf sein Bauchgefühl verlassen. Ich musste da raus. Danach ging es mir besser.

BANDUP: Im Gegensatz zu vielen deiner anderen melancholischen Songs hat „Kein Schmerz von dir“ eine richtige Aufbruchstimmung und lädt zum Tanzen ein. War es eine bewusste Entscheidung, dem schweren Thema mit einem UpTempo-Beat zu begegnen?

Tim Vicia: Das war safe eine bewusste Entscheidung! Die positive Grundstimmung in dem Song ist der Befreiungsschlag aus der toxischen Beziehung. Es soll sich anfühlen, als hätte man sich lange unter Wasser befunden und atmet nun endlich wieder die rettende Luft. Man kann und soll sich freuen, dass man sich von etwas lösen konnte, das einen geschädigt hat! Ein Grund zum Feiern!

BANDUP: Du produzierst deine Songs im Schlafzimmer und schaffst damit eine sehr intime, unaufgeregte Atmosphäre. Wie sieht so ein typischer kreativer Prozess bei dir aus – vom ersten Gefühl bis zum fertigen Track?

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Tim Vicia: Ich mache mir zuerst Gedanken über das Thema. Was will ich mit dem neuen Song sagen? Welche Geschichte möchte ich erzählen? Dann überlege ich, wie der Track klingen soll. Chillig? Getragen? Rhythmisch? Akustisch? Mit Beats unterlegt? Und so weiter. Und so entstehen dann neben den Lyrics die ersten Klänge. Apropos Lyrics: die passe ich immer wieder an. Ich lege sehr viel Wert auf die Lines und auch auf das Wording. Mitunter tausche ich einzelne Wörter immer wieder aus, bis es dann endlich passt. Wenn eine instrumentale Demo steht, singe ich den Song zuhause ein. Das ist immer ein sehr schöner Teil der Arbeit. Wenn dann alles steht, beginnt die richtige Produktion im Studio. Ich arbeite engmaschig mit meinem Producer zusammen, das ist mir sehr wichtig. Er versteht zum Glück sehr gut, was ich möchte und worauf es mir ankommt. Und so wird dann at last alles gefinished.

Verletzlichkeit als Stärke

BANDUP: In deinen Texten bist du sehr verletzlich und offen, gerade auch was männliche Emotionalität angeht. Wie haben deine Fans auf diese Ehrlichkeit reagiert, und gab es auch kritische Stimmen?

Tim Vicia: Die Fans reagieren sehr positiv darauf. Manchmal kann ich schon fast eine Art Dankbarkeit spüren, dass Vulnerabilität auch von einer männlich gelesenen Person nach außen getragen wird. Das ist sehr schön und gibt Rückenwind. Auf Social Media gibt es natürlich auch Hate, das gehört wohl zum Job. Trotzdem: Wenn meine Videos oder meine Lyrics dort mit Comments wie „voll gay“ belegt werden, denke ich mir auch nur ‚Dude. Wir haben 2026. Und „gay“ wird immer noch als Beleidigung benutzt?‘

BANDUP: Du sprichst offen über deine mentale Leidensgeschichte – zwischen Beziehungen, Verlust und Versagensängsten. Wie hilft dir die Musik dabei, mit diesen schweren Themen umzugehen, und merkst du, dass sie auch anderen hilft?

Tim Vicia: Ich selbst war zwar schon vier Jahre lang in Psychotherapie, aber meine Musik ist für mich nochmal eine Art Selbsttherapie! Es ist nochmal eine Aufarbeitung und/oder Abhandlung von bestimmten Dingen, die mir passiert sind (wenn es in dem jeweiligen Song um mich geht, was ja längst nicht immer der Fall ist). Ich verarbeite diese Dinge nicht nur; durch die Songs bekommen sie etwas Wahrhaftiges, wodurch ich leichter mit ihnen abschließen kann. Ich freue mich auch immer sehr, wenn Fans auf mich zukommen und mir sagen, dass ich sie mit bestimmten Lyrics voll abgeholt habe. Wenn ich ihnen damit weiterhelfen konnte, habe ich schon viel erreicht, finde ich.

BANDUP: Die Zeile „Ich war dein Ziel, hab die Ketten gesprengt“ im Bridge von „Kein Schmerz von dir“ ist unglaublich kraftvoll. Welche Message möchtest du Menschen mitgeben, die gerade selbst in einer toxischen Situation feststecken?

Tim Vicia: Freut mich sehr, dass die Line dir so gefällt! Ich möchte den Leuten einfach nur sagen: Pass auf dich auf. Wenn irgendetwas nicht stimmt, dann hör auf dich selbst und du merkst es. Vertrau auf dieses Gefühl, du liegst nicht falsch. Steh für dich ein! Du musst es dir wert sein, dich selbst nicht im Stich zu lassen! Löse dich von dem, was nicht gut für dich ist.

Die Community als Safe Space

BANDUP: Deine Community auf Instagram und Spotify wächst stetig, und immer mehr Menschen finden in deinen Songs einen Safe Space. Wie fühlt es sich an zu wissen, dass deine Musik für so viele zur emotionalen Stütze geworden ist?

Tim Vicia: Ganz ehrlich? Für mich als Artist ist es das Schönste überhaupt. Wenn sich die Fans durch meine Songs gesehen fühlen, wenn sie merken „Ich bin ja doch nicht allein!“, wenn ich ihnen vielleicht ein bisschen Mut machen kann, dann bedeutet mir das die Welt und es ist unglaublich erfüllend.

BANDUP: Wenn du auf deine bisherige Reise als Künstler zurückblickst – was war der größte persönliche Durchbruch für dich, nicht unbedingt musikalisch, sondern als Mensch?

Tim Vicia: Eine gute Frage! Eine sehr schöne Experience war im letzten Jahr meine Teilnahme am SongwritingCamp der MainPop Academy in Unterfranken. Dort gab es ein tolles Programm und professionelle Coach:innen! Und so viele unglaublich talentierte Artists. Es war sehr inspirierend und lehrreich, unter all diesen Menschen zu sein. Daran bin ich als Künstler absolut gewachsen. Ich hatte dort echt the time of my life, kann ich ohne Übertreibung sagen. Dieses Jahr nehme ich auch wieder teil, ich freu mich schon drauf!

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BANDUP: Zum Abschluss: Welchen Song – egal ob von dir oder von jemand anderem – würdest du unseren Leser:innen empfehlen, wenn sie gerade selbst einen Neuanfang wagen oder sich aus etwas Belastendem befreien wollen?

Tim Vicia: Da fällt mir als erstes „Es regnet Sterne“ von dem grandiosen Duo Lena&Linus ein. In dem Song geht es darum, sich nicht immer nur gestresst und gehetzt durch den Alltag zu quälen. Sondern auch mal zu genießen und stolz auf das zu sein, was man bisher geschafft hat. Das hat ja auch etwas mit einem Neuanfang zu tun. Oder wenn man etwas Bestimmtes hinter sich gebracht hat. Es ist auf jeden Fall auch ein Track, der Mut macht und der mich selbst auch sehr anspricht. Ich mag den Song wirklich sehr.

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