Billy Talent – Neues Album der Alternative Rocker nach 6 Jahren

Die kanadische Rockband Billy Talent gehört seit längerer Zeit zu den führenden Künstlern ihres Landes und sind dabei international ebenfalls recht erfolgreich. Billy Talent ist der Bandname, nicht der Name eines der Musiker, sondern einem Film namens „Hard Core Logo“ entliehen. In diesem Film kommt Billy Talent allerdings als fiktiver Charakter vor. Nach sechs Jahren Pause bringen die Alternative-Rocker nun ihr siebtes Studioalbum „Crisis Of Faith“ heraus. Weitere interessante Rock-Storys gibt es hier zu lesen.

Kanadische Punker namens Pezz

Die Mitglieder von Billy Talent lernen sich in der Our Lady of Mount Carmel Secondary School in Mississauga, Ontario kennen und gründen dort 1993 ihre erste Band unter dem Namen Pezz. Ihre bevorzugte Stilrichtung ist der Punk-Rock. Sie sind fasziniert von der Energie und Rauheit dieser Musik und beschließen ihre eigene Version des Punks zu spielen. Im Jahr 1994 nehmen sie im Keller des in England geborenen Gitarristen Ian D’Sa ein erstes Demoband namens „Demoluca“ mit vier Songs auf. Der Name basiert darauf, dass ein Kumpel der Musiker namens Jason Deluca während der Aufnahmen ans Kellerfenster klopft. Es folgen zwei weiter Demobänder und Pezz erspielen sich einen guten Ruf in ihrer Region. Dies motiviert Sänger Benjamin Kowalewicz, Bassist Jonathan Gallant, Schlagzeuger Aaron Solowoniuk sowie D’Sa 1999 ihr gespartes Geld in die Aufnahme und Produktion ihres ersten Longplayers zu stecken. „Watoosh“ nennt sich das Ergebnis und bietet recht wohlgefällige Punkrock-Hymnen. Zwar gefällt es der, bis dato noch recht übersichtlichen Fangemeinde, erreicht aber keinerlei nennenswerte Verkaufszahlen.

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Namensänderung, neuer Stil, Major-Label

Doch das soll sich mit dem nächsten Album ändern. Kowalewicz kennt einen A&R-Manager bei Warner Music Canada und schafft es, der Band einen Plattenvertrag zu verschaffen. Die amerikanische Band Pezz informiert die Kanadier darüber, dass sie, die Amerikaner, den Bandnamen bereits seit 1989 nutzen und somit das Recht daran besäßen. Inspiriert von dem Gitarristen „Billy Talent“ aus Michael Turners Roman „Hard Core Logo“ benennen sie sich kurzerhand in Billy Talent um. Bei wachsendem Bekanntheitsgrad vermuten die neuen Anhänger der Band oftmals, dass Sänger Benjamin Kowalewicz Billy Talent heißen würde. Doch irgendwann spricht es sich auch bis zum letzten Fan herum, dass es nur der Bandname ist.

Stilistisch bewegt sich die Formation nun mehr in Richtung Alternative Rock. Das zweite Album schlicht „Billy Talent“ benannt erscheint 2003 und wird aus dem Stand erfolgreich und erreicht Platz 6 der kanadischen Albumcharts. Die Band bekommt ihre erste Platinauszeichnung und platziert sich auch in Deutschland, USA, Österreich und England in den Charts, wenn auch nur in den unteren Bereichen. Doch das ändert sich mit Album Nummer drei zu Gunsten der Musiker erheblich. Im Zuge des Albums spielen sie ausverkaufte Shows in Kanada und USA. Auch erste Konzerte in Europa finden statt.

„End Of Me“ -Video aus dem Album „Crisis Of Faith“

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Aufstieg, Krankheit, Freundschaft

Der Traum vom Erfolg erfüllt sich langsam für das Quartett. So werden sie unter anderem mit dem Juno, dem kanadischen Grammy, ausgezeichnet. Erneut geht es ins Studio und dritte Album, betitel mit „Billy Talent II“ erscheint und erreicht sofort in Kanada und Deutschland Platz 1 der jeweiligen Album-Charts. Die Musik ist reifer, die Inhalte der Texte sind mehr realitätsbezogen und behandeln Themen, mit denen sich die einzelnen Musiker beschäftigen. Ein Song des Albums mit dem Titel „This Is How It Goes“ handelt von Aaron Solowoniuks Erkrankung an Multipler Sklerose. Am 17. März 2006 enthüllt Aaron Solowoniuk in einem persönlichen Brief an seine Fans, dass es in dem Text um ihn geht. Bereits 1999 wurde bei Solowoniuk die Krankheit, die von Taubheitsgefühlen in den Gliedmaßen bis hin zu Lähmungen oder dem Verlust des Sehvermögens vieles verursacht, festgestellt. Dennoch bleibt Solowoniuk weiterhin dabei, injiziert sich regelmäßig seine Medizin und führt immer einen speziellen, kleinen Kühlschrank dafür auf Tournee mit sich.

Derweil wächst der Erfolg, denn mit dem vierten Album „Billy Talent III“, das 2009 erscheint, platzieren sie sich nicht nur auf diversen Pole Positions weltweit, sondern sind endgültig zur Arenaband erwachsen. Es folgt 2012 das Album „Dead Silence“, das nicht wie erwartet „Billy Talent IV“ heißt, da laut Benjamin Kowalewicz die ersten drei Alben eine zusammenhängende Trilogie bilden und mit „Dead Silence“ eine neue Phase beginnen würde. Erneut erreichen Billy Talent in Ländern wie Kanada und Deutschland die Spitzenpositionen der Hitlisten und platzieren sich auch in vielen weiten Staaten weit oben. Beim 2016er Studiowerk „Afraid Of Heights“ kann Schlagzeuger Aaron Solowoniuk aufgrund seiner Erkrankung nicht mehr Schlagzeug spielen und wird durch Jordan Hastings ersetzt. Dies ist nur als vorübergehend geplant, doch seitdem spielt Solowoniuk weder live, noch beim neuen Album „Crisis Of Faith“ mit. Dennoch wird er weiter von seinen Bandkollegen und Freunden als vollwertiges Bandmitglied bezeichnet.

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Crisis Of Faith

Insgesamt ist das Werk recht abwechslungsreich geworden und überrascht an manchen Stellen durch unerwartete Klänge. Der Opener „Forgiveness I + II“ ist ein interessantes Beispiel dafür. Zunächst rocken Billy Talent die Nummer im typischen Stil der Band, um sie dann, ab Minute 3:45, komplett zu verwandeln. Aus dem Alternative Rock wird ein Song, der schon fast an Pink Floyd erinnert und dann zusätzlich noch mit einem sehr langen Saxofon-Solo angereichert wird. Eine außergewöhnliche Song-Entwicklung und Wendung.

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Aber die Fans müssen sich keine keine Sorge machen, denn es geht dreckig, rockig weiter und die Markenzeichen des Quartetts sind in den folgenden Kompositionen eindeutig zu vernehmen. In dem nur 1:39 Minuten andauernden „Judged“ und somit kürzesten Track des Longplayers, besinnen sie sich auf ihre Post Punk-Wurzeln und packen alle Energie in die kurze Spielzeit. Unterstützung von Weezer-Sänger River Cuomo bekommt das Quartett bei dem etwas langsameren ‘End Of Me’. Absoluten Ohrwurmcharakter weist das groovende ‘Hanging Out With All The Wrong People’ auf, während ‘The Wolf’ beinahe balladesk aber mit viel Energie daherkommt.

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Fazit

Erneut liefern Billy Talent ein kurzweiliges, zeitgemäßes und begeisterndes Rock-Album ab, wobei sie sich aber wieder einmal nicht in ein enges musikalisches Korsett pressen lassen. Sie bleiben sich und ihrer Musik zwar treu, schaffen es aber immer wieder zu überraschen, die Kompositionen mit neuen Elementen anzureichern und sich streckenweise neu zu erfinden ohne sich von ihrem Stil dabei abzukehren.
Jürgen Will


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