DEVADO über „Body Pop“: Pop nur aus Stimme und Körper
Kein Klavier, keine Gitarre, keine KI. Jeder Beat, jede Bassline und jede Fläche auf DEVADOs Debütalbum „Body Pop“ stammt aus ihrer eigenen Stimme und ihrem Körper. Damit hat die Münchnerin nicht nur ein Album aufgenommen, sondern gleich ein eigenes Genre erfunden. Ihr Sound klingt nach Urban Pop mit Y2K-Flair, irgendwo zwischen Ayliva und Nina Chuba, nur eben erwachsener. Als Gewinnerin des Sony Female Producer Prize 2025 gehört sie zu den sichtbarsten Produzentinnen im deutschen Pop.
Hinter den zehn Songs stecken aber auch Geschichten, die unter die Haut gehen: der frühe Verlust ihres Vaters, das Muttersein mit 18 und ein schwerer Hörsturz. Im Interview spricht DEVADO über ihren Workflow ohne Sound-Library, über Mut als Frau hinter den Reglern und darüber, warum sie ihr Releasekonzert im Münchner Feierwerk plant, als stünde sie schon in der Olympiahalle. Nahbar und mit jeder Menge Feel Good Vibes.
Alles, was man hört, ist nur aus meiner Stimme und meinen Body Sounds produziert worden!
BANDUP: Mit „Body Pop“ gibst du nicht nur deinem Debütalbum einen Titel, sondern auch deinem eigenen Genre einen Namen. Was macht Body Pop für dich aus, und wann war dir klar, dass genau dieser Begriff dein Album tragen soll?
DEVADO: Body Pop ist für mich 100 % authentisch, organisch und echt. Da mir noch kein anderer Artist mit so einem Sound begegnet ist, wollte ich mit meinem Debütalbum ein Statement setzen: Alles von einer Frau geschrieben und nur aus Stimme und Body Sounds produziert, aber trotzdem irgendwo noch kommerzieller Pop. Cros erstes Album hieß „Raop“, meins heißt „Body Pop“.
BANDUP: Du arbeitest bewusst ohne klassische Instrumente und ohne KI. Warum ist dir diese Entscheidung so wichtig in einer Zeit, in der viele Produzent*innen auf KI-Tools setzen, und wo hast du die selbst gesetzten Grenzen sogar als kreative Freiheit erlebt?
DEVADO: Ich bin zugegebenermaßen etwas lazy, was neue Tools und Technik angeht, und mein Fazit ist irgendwie immer: Nutz, was du hast, und mach das Beste daraus! Manchmal ist weniger mehr. Und genau das hab ich versucht: einfach meinen eigenen Körper für alle Sounds nutzen und dann mit den Möglichkeiten, die ich hatte, kreativ umsetzen. Noch dazu liebe ich mittlerweile meinen Workflow dabei. Oft geht es schneller, ein Instrument selbst mit der Stimme zu imitieren, als ewig in einer Sound-Library danach zu suchen.
Wie viel Leben steckt in zehn Songs?
BANDUP: Die zehn Songs erzählen von Träumen, Liebe, Bestie-Freundschaften und den Herausforderungen des Erwachsenseins. Welcher Song ist für dich der persönlichste, und welche Situation aus deinem Leben steckt dahinter?
DEVADO: „Dankbar“ ist vermutlich der emotionalste, da ich davon erzähle, wie ich meinen Papa mit 13 Jahren an Krebs verloren habe, mit 18 dann unerwartet Mama geworden bin und kurz darauf einen super schweren Hörsturz hatte. Bis heute kann ich auf dem linken Ohr kaum was hören. Aber „20 für immer“ ist definitiv auch einer meiner Faves, weil ich glaube, dass sich viele, genau wie ich, trotz „Erwachsensein“ irgendwo noch genauso fühlen wie damals … Noch dazu werde ich immer viel jünger geschätzt, als ich bin 😉
BANDUP: Du bist mit 18 Mama geworden und verbindest heute Familie und Musikkarriere. Wie hat das Muttersein die Texte auf „Body Pop“ geprägt, und wie sieht ein typischer Produktionstag aus, wenn du ihn mit deinem Familienalltag zusammenbringen musst?
DEVADO: Ich bin überzeugt davon, dass das Mamasein uns Frauen einfach noch stärker und mutiger macht, weil wir plötzlich erleben, was im Leben wirklich wichtig ist. No time for bullshit! Dieser Mut, die Dinge trotz Familie einfach in die Hand zu nehmen und zu machen, spiegelt sich hoffentlich im kompletten Album und in DEVADO wider. Ich hoffe, es inspiriert auch andere Frauen, einfach drauf zu scheißen, was andere denken oder was eine Industrie uns Frauen seit Jahren aufzudrücken versucht. Ein typischer Produktionstag? Gibt’s nicht. Jeder Tag ist anders, und ich muss ständig meine Pläne ändern und eben flexibel bleiben. Dadurch habe ich übrigens lernen dürfen, sofort abzuliefern. Den Luxus, auf den „richtigen Vibe“ zu warten, hat man mit Kids nicht. Aber auf eins ist Verlass: Mein Wecker klingelt immer um 6:30 Uhr, yay.
BANDUP: Dieses Jahr hast du alle sechs Wochen eine neue Single veröffentlicht, darunter „Ring am Finger“, ein Song für alle, die glücklich vergeben sind. Wie hat dieser Rhythmus die Entstehung des Albums beeinflusst?
DEVADO: Das liegt am Hörverhalten der Fans. Es ist einfach so, dass alle ständig auf was Neues warten. Daher mache ich den Hype einfach mit und konnte dadurch auch die Aufmerksamkeit fürs Album aufrechterhalten. Ich muss aber auch zugeben, dass mir dieser Druck geholfen hat, die Songs wirklich zu Ende zu bringen und finale Entscheidungen zu treffen.
Was braucht es, um sich hinter die Regler zu trauen?
BANDUP: Als Gewinnerin des Sony Female Producer Prize 2025 bist du eine der sichtbarsten Produzentinnen im deutschen Pop. Welche Erfahrungen hast du als Frau hinter den Reglern gemacht, und was möchtest du jungen Produzent*innen mitgeben, die gerade erst anfangen?
DEVADO: Ja, das ist für mich nach wie vor einfach krass, und der Award steht direkt bei mir im Studio auf dem Schreibtisch, als Reminder, dass ich wohl doch was kann. Ich durfte vor Kurzem auch auf der Beatcon meinen Sound als Produzentin vorstellen und andere ermutigen, kreativ zu denken und einfach jeden Scheiß im Studio mal auszuprobieren. Was ich vor allem jungen Frauen mitgeben will: MUT. Just do it!!! Deine Sachen sind bestimmt nicht so schlecht, wie du denkst. Es hat mich Jahre gekostet, bis ich mich getraut habe, wirklich alles selbst zu produzieren, und mir zuzugestehen, dass ich das wirklich kann. Man muss einfach anfangen und sich damit rauswagen. Hätte ich mich schon früher selbst weitergebildet, wäre ich jetzt vielleicht noch weiter und hätte mega viel Geld gespart, das stattdessen andere Produzenten für meine Songs kassiert haben. Und noch was: Connectet euch mit anderen Female Producern! Es gibt sie. Schaut auf TikTok, IG oder auch beim Female Producer Collective vorbei!
BANDUP: Am 24. Oktober feierst du das Album mit einem Releasekonzert im Orangehouse im Münchner Feierwerk. Was erwartet die Besucher*innen an diesem Abend in deiner Heimatstadt?
DEVADO: Uff, ich arbeite daran, als wäre es eine Show in der Olympiahalle, for real! Endlich sind auch Tänzerinnen dabei, und ich muss nicht mehr alleine auf der Bühne alles rocken. Ich arbeite mit super vielen Visuals, die ich gerade noch filme und fertig editiere, es gibt ein Akustikset, natürlich auch was für alle Disneyfans, die meine Gesangsstimme aus „Vaiana“ kennen, und die Choreos, die ich schon beim Produzieren im Studio im Kopf hatte, stehen jetzt auch alle. Ich hoffe, dieser Abend wird für alle ein einmaliges Erlebnis. Mir geht’s immer weniger ums Beeindrucken als um Nahbarkeit und Echtheit, trotz der hohen Ansprüche an mich selbst. Meine Songs und Stories sind nun mal ECHT und die Person dahinter auch. Hoffentlich bewegen, motivieren und inspirieren meine Lieder an diesem Abend viele, und sie sagen: Ich muss unbedingt wieder mit meinen Freunden auf ein DEVADO-Konzert! Denn mein Ziel ist tatsächlich irgendwann die Olympiahalle 🙂
Aktuell sind keine Konzerte eingetragen.
BANDUP: Zum Schluss: Welchen Song empfiehlst du unseren Leser*innen gerade, egal ob eigener oder von anderen Künstler*innen, und warum gehört er genau jetzt auf ihre Playlist?
DEVADO: Hör dir unbedingt „20 für immer“ an, vielleicht fühlst du den genauso wie ich. Der Vibe ist irgendwas zwischen Melancholie und Party. Wenn du aber was mit bisschen mehr Kante suchst, dann „Cmd+Z“, eine Hymne über den Ex, den du bereust 😉

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