PHEA über ihre neue EP „Flowers on Caskets (Teaching a Cyborg How to Bury People)“
PHEA ist eine deutsch-amerikanisch Sängerin, Songwriterin und Produzentin die mit ihrem einzigartigen Stil schmerzhafte und tragische Momente aus ihrem Leben in musikalische Kunstwerke verwandelt. Nach einem Herzstillstand im Kindesalter, zahlreichen Operationen und dem Leben mit einem implantierten Defibrillator, beschreibt sie sich selbst als halben Cyborg.
Im Interview mit uns spricht sie über ihre neue EP „Flowers On Caskets (Teaching A Cyborg How To Bury People)“ und erklärt uns die Zusammenhänge zwischen ihrer persönlichen Leidensgeschichte und der Entstehung der Songs näher.
Die neue EP erzählt von Überleben
BANDUP: Der Titel deiner EP „Flowers on Caskets – Teaching a Cyborg How to Bury People“ klingt erstmal ungewöhnlich, fast ein bisschen gruselig. Wie kam es zu diesem Titel und was steckt für dich dahinter?
PHEA: Es soll gruselig klingen. Die Songs – und vor allem der Title Track Flowers on Caskets – sind in einer Zeit entstanden, in der ich nach vielen Operationen extreme Schmerzen hatte und mir kein Arzt wirklich helfen konnte. Ich habe mit einem implantierten Defibrillator gelebt – halb Mensch, halb Maschine – und war dankbar für den medizinischen Fortschritt, habe aber auch sehr darunter gelitten.
„Flowers on Caskets“ beschreibt diesen Zwiespalt: Schmerz und Verlust, aber auch die Hoffnung, dass daraus wieder etwas Schönes wachsen kann. Im Title Track erkläre ich das eigentlich am klarsten – die Lyrics erzählen genau diese Geschichte.
BANDUP: Deine neue Single „The Girl with the Secret Garden“ scheint sehr tiefgründig. Kannst du uns erzählen, wie dieses Symbol des Gartens entstanden ist und welche Geschichte du mit dem Song teilst?
PHEA: „‚The Girl with the Secret Garden‘ ist eine sehr persönliche Geschichte für mich. Der Song handelt davon, wie schmerzhaft es sein kann, von jemandem enttäuscht zu werden, dem man vertraut – in meinem Fall eine Freundschaft, die nicht das war, was sie zu sein schien. Rückblickend erkennt man oft klarer, wie Menschen wirklich handeln, und lernt, ihr Verhalten besser einzuschätzen.
Der Titel ist von The Secret Garden inspiriert: In dem Buch entdeckt die Protagonistin einen seit Jahren verschlossenen, verwilderten Garten, der voller Leben ist und zu ihrem persönlichen Paradies wird – ein Ort des Escapismus in einer sonst tristen Welt. In meinem Song steht der Garten als Metapher für ein versprochenes Paradies – ein Ziel, von dem die andere Person sprach, das aber nie wirklich existierte. Sie redete davon, Großes zu tun, aber in Wirklichkeit nutzte sie Menschen aus, anstatt sie zu unterstützen.
Der Song ist also auch eine Art Verarbeitung dieser Erfahrung und eine Reflexion darüber, wie ich mich selbst und andere künftig besser schützen und einschätzen kann.
phea ist mehr als ihr Herzfehler
BANDUP: Du erzählst auf der EP von deinem Leben mit einer chronischen Krankheit und deinen Erfahrungen mit Isolation, Schmerz und Überleben. Was hat dich dazu bewegt, genau jetzt diese Themen in den Fokus zu stellen?
PHEA: Für mich ist es unmöglich, diese Themen nicht in den Fokus zu stellen, weil sie oft den Mittelpunkt meines Lebens bilden. Operationen, Angstzustände und körperliche Belastungen prägen meinen Alltag, doch über solche Erfahrungen spricht man selten. Musik gibt mir die Möglichkeit, Isolation, Schmerz und Überleben auszudrücken – und sie wird sicher auch weiterhin ein zentraler Teil sein.
Mein Herzfehler definiert mich nicht vollständig. Aber ich habe gelernt, dass er seinen Raum braucht – Planung, Achtsamkeit und Sensibilität – und es gibt gerade deswegen viele Momente, in denen Menschen ihn gar nicht bemerken oder ich ihn selbst vergesse. Gerade durch die Musik kann ich diese Erfahrungen teilen, und mir ist es sehr wichtig, dass sie vielleicht auch anderen Menschen in belastenden Situationen Trost und Stärke gibt.
ein kreativer prozess hat keine Struktur
BANDUP: Wie sah der kreative Prozess für die EP aus? Hast du bestimmte Rituale oder Methoden, wenn du schreibst und produzierst?
PHEA: Mein kreativer Prozess ist eigentlich jedes Mal ein bisschen anders. Da ich hauptberuflich als Produzentin und Writerin arbeite, komme ich meistens erst abends zu meiner eigenen Musik.
Die Ideen für Lyrics schreibe ich oft vorher schon in meine Notizen, und dann, wenn der richtige Moment kommt, setze ich mich dran.
Bei Flowers on Caskets und The Girl with the Secret Garden war das zum Beispiel ganz intensiv: Ich habe die Songs quasi in einem Rutsch geschrieben, weil mich die Themen emotional sehr belastet haben. Danach habe ich die Produktion umgesetzt. Bei beiden Tracks war David Levy als Producer dabei – er ist ein sehr toller Producer aber auch ein sehr enger Freund, dem ich meine Situation nicht weiter erklären musste. Und obwohl die Songs sehr traurig und melancholisch sind war der Prozess sehr heilend und hat sehr spas gemacht.
Bei Where I Don’t Have to Hide war es anders: Da habe ich erst das Instrumental gebaut und dann direkt darauf geschrieben. Der Track war so dann nach ein paar Stunden, mitten in der Nacht, schon fast fertig.
Ich liebe es unterschiedliche Ansätze auszuprobieren und zu schauen, welcher Weg für einen Song passt. Mal entsteht alles spontan, mal Schritt für Schritt – genau diese Flexibilität macht den kreativen Prozess für mich so spannend.
Chronisch Erkrankte Menschen verdienen mehr Verständnis
BANDUP: In deiner Musik geht es nicht um Mitleid, sondern um Sichtbarkeit und Verständnis. Was wünschst du dir im Umgang mit Menschen, die mit chronischen oder psychischen Herausforderungen leben?
PHEA: Tatsächlich genau das. Ich wünsche mir, dass Menschen weniger mit Mitleid reagieren und mehr Verständnis zeigen.
Eine Krankheit oder Behinderung sieht man nicht immer von außen, und das macht es oft schwer einzuschätzen, wann jemand wirklich Unterstützung braucht. Ich selbst gehe mittlerweile sehr offen damit um, dass ich zum Beispiel nicht schnell gehen oder viele Treppen steigen kann. Wenn mir jemand hilft, etwas Schweres zu tragen, oder einfach nachfragt, wie er mir helfen kann, macht das einen riesigen Unterschied.
zwischen berlin und los angeles
BANDUP: Du lebst zwischen Berlin und Los Angeles. Wie beeinflussen diese beiden Orte dich künstlerisch?
PHEA: Es tut mir richtig gut, ab und zu den Ort zu wechseln. In Amerika gehe ich auch immer meine Familie besuchen, das hilft mir, kurz alles zu vergessen und neue Energie zu tanken. Ich liebe LA und die Szene dort – als Produzentin kann ich mich künstlerisch richtig austoben. Außerdem gehe ich dort einfach mehr raus, treffe Leute und habe ein richtiges Sozialleben. In Berlin fällt mir das schwerer. Berlin ist dafür aber sehr alternativ und bodenständiger, das tut auch gut. Für mich ergänzen sich die beiden Orte total und inspirieren mich auf ganz unterschiedliche Arten.
„Flowers on Caskets“ – Dunkle Momente & Akzeptanz
BANDUP: Gab es einen Song auf der EP , der dir besonders schwergefallen ist? Entweder beim Schreiben oder beim Veröffentlichen?
PHEA: Die Produktion von ‘Flowers on Caskets’ fertigzustellen ist mir sehr schwergefallen, weil der Text eine Zeit behandelt, an die ich nicht gerne zurückdenke. Es war emotional echt herausfordernd, alles so umzusetzen, dass der Song meine Gefühle rüberbringt. Mittlerweile kann ich ihn aber mit viel Dankbarkeit hören, weil er zeigt, dass ich diese Phase hinter mir habe und es mir heute viel besser geht.
BANDUP: Was hoffst du, dass Menschen fühlen oder mitnehmen, wenn sie „Flowers on Caskets“ hören?
PHEA: Die gesamte EP steht sinnbildlich dafür, die dunklen Momente anzunehmen, den Schmerz zu fühlen und das Schlechte zu akzeptieren – um es schließlich zu vergraben, damit etwas Besseres daraus wachsen kann. Ob es Menschen sind, die einem nicht guttun, der Verlust einer geliebten Person oder andere Schicksalsschläge: Mir ist wichtig, dass meine Musik den Menschen auf ähnliche Weise hilft, wie melancholische Musik mir früher geholfen hat – verstanden zu werden.
BANDUP: Hast du momentan einen bestimmten Artist oder eine Songempfehlung, der bei dir auf Dauerschleife läuft und welchen du unserer Community empfehlen möchtest?
PHEA: Ich höre zwar unglaublich vielfältige Musik, aber Phoebe Bridgers läuft bei mir immer wieder auf Dauerschleife. Heute habe ich außerdem viel Mura Masa und Jon Bellion gehört. Auf meinem Spotify-Profil findet ihr auch eine Playlist mit Songs, die mich inspirieren – schaut gern vorbei, wenn ihr Lust auf neue Musik habt ✨
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