Kapa Tult: „Immer alles gleichzeitig“ – ein Album zwischen Überforderung und Tanzdrang
Die Leipziger Indie-Band Kapa Tult veröffentlichte am Freitag ihr zweites Album „Immer alles gleichzeitig“ – und der Titel ist Programm. Auf 13 Tracks verarbeiten Inga Oder, Raphael, Robin und Angi die komplette emotionale Bandbreite des Gen-Z-Daseins: Leistungsdruck, Dating-Chaos, Kapitalismuskritik und die ständige Frage, warum man trotz aller Bemühungen das Gefühl hat, nichts auf die Reihe zu bekommen.
Das Album wurde im Sommer 2025 in nur fünf Tagen live mit Produzent Moses Schneider (Beatsteaks, Tocotronic) eingespielt – ohne Schnickschnack, mit Hall-Verbot und maximal direkt. „Als würde man der Band auf dem Schoß sitzen“, beschreibt Schneider den Sound, der roh und intim klingt, dabei aber tanzbare Hooks liefert, die sich ins Gehirn bohren.
ARD-Mediathek und Existenzangst
Die Texte lesen sich wie ein kollektives Tagebuch einer überforderten Generation: In „Es bringt mir nichts“ geht es um die Erkenntnis, dass weder Fleiß noch Entspannung gegen das ständige Gefühl der Unzulänglichkeit helfen. „ARD-Mediathek“ erzählt von einem Abend allein auf der Couch, während der Crush auf einem Date ist – die perfekte Coping-Strategie, denn „da gibt es keine Liebesfilme, in denen es um mehr als zwei Menschen geht“.
Songs wie „Ich will ein Kind von mir“ richten sich gegen Tech-Bros und die Frage, ob es überhaupt noch verantwortbar ist, Kinder in diese Welt zu setzen – während manche sich diese Frage durch ihre Machtposition gar nicht stellen müssen. Das Album schafft es, große gesellschaftliche Themen mit persönlichen Momenten zu verweben: Wohnungsmarktkritik trifft auf gescheiterte Tinder-Dates, Klimakrise auf die Schwierigkeit, einen Kaffee-Termin zu finden.
Kein Lösungsansatz, aber ein verdammt guter Sound
Kapa Tult liefern keine Antworten auf die Fragen unserer Zeit – aber sie schaffen einen Raum, in dem sich die Überforderung zumindest tanzen lässt. Der Sound ist eine Mischung aus NDW-Pling-Plong, verzerrten Gitarren und mehrstimmigen Gesängen, die organischer und einheitlicher klingen als auf dem Debüt „Es schmeckt nicht“ von 2023. Alle vier Bandmitglieder haben mindestens einen selbst geschriebenen Gesangspart übernommen, was „Immer alles gleichzeitig“ zu einem echten Band-Werk macht.
Ab März 2026 geht Kapa Tult auf große Deutschland- und Österreich-Tour, mit Stops in Hamburg, Berlin, Wien, München und vielen weiteren Städten – und wer die Band live erlebt hat, weiß: Hier wird die ganze Wut, Verzweiflung und Lebensfreude des Albums noch mal potenziert. Wie findet ihr den neuen Sound von Kapa Tult – und welcher Song spricht euch am meisten aus der Seele?
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