Soft Loft Übers Erwachsenwerden & den Mut zum Würfeln

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Soft Loft aus der Schweiz sind eine Band, die das Leben so erzählt, wie es ist: mal traurig, aber immer zuversichtlich.

Mit ihrem zweiten Album „Throw The Dice“ haben die fünf Musiker*innen ein Werk geschaffen, das vom Erwachsenwerden, von Entscheidungen und von der Erkenntnis handelt, dass wir nicht alles kontrollieren können.

Nach ihrem Debüt „The Party And The Mess“ im Jahr 2024 haben sie unzählige Konzerte gespielt, Europa bereist und 2026 als Support von AnnenMayKantereit vor Tausenden Menschen gestanden.

Im Interview sprechen sie über ihre Entwicklung als Band, über das Loslassen alter Vorstellungen vom Leben und darüber, warum Geduld manchmal das Schwierigste ist.

[…] Ich finde es wichtig, nicht an einem festen Zeitplan festzuhalten und mehr danach zu leben, wo man tatsächlich gerade steht.

BANDUP: Euer Album „Throw The Dice“ handelt davon, dass das Leben ein großes Glücksspiel ist und wir nie genau wissen, wie etwas ausgehen wird. Was hat euch gerade an diesem Punkt in eurem Leben dazu gebracht, diese Idee zum Zentrum eines Albums zu machen?

Soft Loft: Das Ganze war tatsächlich keine bewusste Entscheidung. Nachdem wir uns das Album irgendwann einmal am Stück angehört haben, wurde uns aber klar, dass in eigentlich jedem Song das Thema Erwachsenwerden und Älterwerden auf irgendeine Art mitschwingt.

Die Songs erzählen alle kurze Geschichten aus dem Leben und davon, wie wir mit verschiedenen Situationen umgehen, wie zum Beispiel mit Veränderungen, Verlust, Entscheidungen oder einfach mit dem Gefühl, nicht genau zu wissen, wo man gerade steht.

Der Titel Throw The Dice ist eine Zeile aus dem Song „Wrists That Won’t Be Mine“, wo sie ursprünglich eher mit Verlust und Loslassen zu tun hatte. Aber je länger wir darüber nachgedacht haben, desto mehr hat sich die Zeile auch auf das ganze Album übertragen.

Wir können uns unglaublich viele Gedanken darüber machen, wie wir unser Leben besser machen könnten, welche Entscheidungen wir treffen sollten, was noch fehlt und was als Nächstes kommen muss.

Und schlussendlich können wir vieles davon einfach trotzdem nicht mitbestimmen. Deshalb Throw The Dice, lass mal würfeln.

Warum das Leben nicht nach Plan verlaufen muss

BANDUP: Auf dem Album taucht immer wieder die Frage nach verschiedenen Lebensphasen auf. Wie hat sich euer eigener Blick darauf in den letzten Jahren verändert?

Soft Loft: Ich dachte zum Beispiel als Kind immer, ich würde mit 25 eine junge Mama sein, jetzt mit Ende Zwanzig ist es für mich noch immer unvorstellbar.

Und genau aber so diese Realisation, dass man früher vielleicht klare Vorstellungen von wann was passieren soll und muss hatte und sich jetzt aber im Real Life das alles ganz anders anfühlt, ist irgendwie wichtig und auch richtig.

Ich finde es wichtig, nicht an einem festen Zeitplan festzuhalten und mehr danach zu leben, wo man tatsächlich gerade steht. Aber gewisse Fragen kann man dann wohl trotzdem nicht auf ewig aufschieben.

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Unkontrollierbare Entscheidungen

BANDUP: Viele Momente auf dem Album drehen sich um Entscheidungen, Chancen und das, was daraus entsteht. Wie geht ihr mit Entscheidungen um, deren Ausgang ihr nicht kontrollieren könnt?

Soft Loft: Im Zweifelsfall würfeln und immer versuchen zu akzeptieren was ist und sonst was daran ändern.

BANDUP: Gibt es etwas, von dem ihr früher dachtet, dass ihr es bis zu einem bestimmten Alter erreicht haben müsstet, das heute gar nicht mehr so wichtig ist?

Soft Loft: Mein Leben zum Beispiel sieht so überhaupt nicht klassisch aus momentan. Das heißt sehr kleines Einkommen, keine klaren Strukturen, kein Haus, keine Kinder, kein Vorgarten, auch kein Weltstar und riesen Sparkonto und trotzdem passt alles schon irgendwie, wie’s gerade ist.

Aber es braucht alles viel mehr Zeit, als man vielleicht gedacht hätte. In Geduld muss ich mich eh noch üben.

„Wir sind immer noch „all in““

BANDUP: Welche musikalischen Einflüsse oder Artists haben euch beim Schreiben und Produzieren von „Throw The Dice“ besonders begleitet?

Soft Loft: Wir hören als Band auch sehr unterschiedliche Musik, aber auch genau das macht es so interessant dann wieder zu fünft zusammen zu finden.

Ein großer gemeinsamer Nenner zu der Zeit als wir das Album geschrieben haben war zum Beispiel aber Sam Fender.

BANDUP: 2024 habt ihr euer Debütalbum „The Party And The Mess“ veröffentlicht. Was hat sich seitdem für euch verändert – als Band, aber auch persönlich – und wie hat diese Entwicklung „Throw The Dice“ beeinflusst?

Soft Loft: Seit „The Party And The Mess“ war für uns eigentlich klar, dass wir alles auf diese Band setzen möchten. Uns war damals aber noch gar nicht richtig bewusst, was das eigentlich bedeutet.

Wir haben unsere ersten Touren gespielt, sind wochenlang gemeinsam durch Europa gereist und haben unzählige Konzerte gespielt.

Eigentlich haben wir erst durch diese Erfahrungen herausgefunden, ob wir dieses Leben überhaupt so wollen. Zum Glück lieben wir es alle und verbringen auch sehr gerne so viel Zeit miteinander.

Wir sind also immer noch „all in“, aber wir wissen heute viel besser, was es bedeutet, diese Entscheidung wirklich zu treffen. Unsere Entscheidung für die Band und dieses Projekt ist dadurch auch viel bewusster geworden.

Und natürlich sind wir in dieser Zeit auch einfach eine bessere Band geworden. Wir haben unglaublich viel gespielt und dadurch immer besser verstanden, welche Musik wir machen möchten und wie wir als Band funktionieren.

Auch die Studioerfahrungen haben uns dabei sehr geholfen. Ein Thema, das uns wahrscheinlich immer begleiten wird, ist die Kommunikation untereinander.

Wenn man so viel Zeit miteinander verbringt und gemeinsam so viel erlebt, muss man lernen, sich auszutauschen und Dinge anzusprechen. Als Team funktioniert vieles besser, und daran arbeiten wir eigentlich ständig weiter.

Ich glaube, all diese Erfahrungen sind auch in „Throw The Dice“ eingeflossen – wir waren beim zweiten Album als Band einfach an einem anderen Punkt als noch bei unserem Debüt.

Songwriting ohne festen Ablauf

BANDUP: Wie arbeitet ihr beim Songwriting zusammen? Gibt es dabei feste Rollen oder entsteht ein Song bei euch eher aus einem gemeinsamen Prozess?

Soft Loft: Es gibt bei uns nicht den einen festen Ablauf. Manchmal beginnt ein Song mit einer Idee, einem Text oder einer Melodie, manchmal entsteht etwas direkt im Proberaum oder jemand hat schon eine fixe Songidee mit dabei.

Wir spielen viel Ping Pong mit den Songs, mal beginnt jemand oder auch zwei gemeinsam und dann schickt man den Song quasi auf die andere Seite, wo wieder zwei warten, um daran weiterzuarbeiten.

Wir spielen den Song also in Kleingruppen hin und her bis er sich gut anfühlt. Das Schönste ist dann, sich die weiteren Ideen zu zeigen und gemeinsam ans Ziel zu kommen.

Lichter von 10.000 Menschen

BANDUP: Ihr habt dieses Jahr als Support Act bei AnnenMayKantereit gespielt. Wie war diese Erfahrung für euch und was habt ihr davon mitgenommen?

Soft Loft: Wir sind irgendwie immer noch in einem kleinen Fiebertraum und fragen uns zwischendurch, ob das Ganze wirklich passiert ist. Wir durften bisher fünf von sechs Shows spielen und jede einzelne war unglaublich schön.

Es tut gut zu merken, dass wir so eine große Bühne auch wirklich stemmen können. AnnenMayKantereit hat ein wahnsinnig schönes Publikum, und wir freuen uns noch immer sehr, dass sie dieses mit uns geteilt haben.

Wenn bei einem unserer Songs plötzlich 10.000 Menschen von alleine ihre Lichter anmachen und hochhalten, ist das schon ein ziemlich spezieller Moment. Ich glaube, der wird uns für immer bleiben.

Und auch die ganze Band und Crew von AnnenMayKantereit waren einfach so unglaublich lieb zu uns und nicht nur der Umgang mit uns, sondern auch, wie wertschätzend und freundschaftlich sie untereinander miteinander umgehen.

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Bei einer so großen Produktion, mit so vielen Menschen und so viel Aufwand, könnte man sich auch ganz anders begegnen. Zu sehen, dass so etwas Großes trotzdem mit so viel Wertschätzung und Freundschaft funktionieren kann, nehmen wir definitiv mit.

Das läuft bei Soft Loft auf Repeat

BANDUP: Und zu guter Letzt: Welchen Song oder Artist würdet ihr unserer Community aktuell gern ans Herz legen?

Soft Loft: Ich hatte gerade als ich die Fragen beantwortet habe „Emma Ogier – Baby Don’t Hurt Me“ auf Repeat, deshalb empfehle ich euch gerne Emma Ogier weiter.

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