„Lotte“: ein verträumtes Spiegelbild ihrer Gefühlswelt

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Lotte macht ihrem Namen alle Ehre: Am 21. August veröffentlichte die Sängerin ihr neuestes Album und gab ihm kurzerhand ihren eigenen Namen: „Lotte“.

Dabei handelt es sich um das vierte Album der Künstlerin. Einige Tracks waren bereits vor der Veröffentlichung erschienen. Am Tag der Veröffentlichung folgten schließlich unter anderem „Groupies und Superstars“, „Wildes Kind“, „Traumpolizei“, „Leila“ und „dei dei dei“.

Die 31-Jährige ist bereits seit mehreren Jahren in der Musikwelt vertreten und wurde insbesondere durch ihren gemeinsamen Song mit Max Giesinger, „Auf das, was da noch kommt“, bekannt. Auf ihrer neuen LP steht Lotte jedoch ganz allein im Mittelpunkt. Trotzdem handelt das Album nicht ausschließlich von der Musikerin selbst, sondern vor allem von zwischenmenschlichen Beziehungen, Sehnsucht, Verlust und Selbstfindung. Aber schafft es die Sängerin das alles musikalisch zu verarbeiten und wie hat sie sich seit ihren letzten Release weiterentwickelt?

Zwischen Liebe, Verlust und Selbstfindung

Mit insgesamt zwölf Songs katapultiert Lotte ihre Zuhörer:innen in eine verträumte Welt voller Liebe, Kummer und Selbstfindung. Viele ihrer Songs handeln von ihrer Zuneigung zu einer anderen Person und um die Gefühle und Probleme, die damit einhergehen. Mit dem Auftaktsong „Wenn du tanzen willst“ lädt sie die andere Person dazu ein, gemeinsame Erlebnisse zu sammeln, sich näherzukommen und ganz offensichtlich, gemeinsam zu tanzen. Auch als Hörer:in fühlt man sich aufgerufen sich zum Takt zu bewegen.

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In „Teil von mir“ beschreibt sie, wie intensiv es sein kann, einen Menschen so nah an sich heranzulassen. Sodass dieser zu einem Teil der eigenen Identität wird. Dadurch wird es umso schwerer, die Person wieder gehen zu lassen. Besonders deutlich wird dies in der Zeile:

„Immer wenn du gehst, geht auch ’n Teil von mir mit dir da raus.“

In „Oh mein Herz“ geschieht schließlich genau das. Lotte besingt, wie sich die geliebte Person von ihr entfernt und wie schmerzhaft es ist, sich dies einzugestehen, dass dieser Mensch nicht mehr Teil des eigenen Lebens ist. Das „Herz“ steht dabei sinnbildlich für die geliebte Person. Das Lied steigert sich nach und nach und endet schließlich in einem Chor, in dem Lotte sehnsüchtig singt:

„Ich will nicht neu anfangen, ich will keinen anderen.“

Der Herzschmerz den Lotte besingt springt förmlich auf die Hörer:innen über und reißt einen stark mit.

Mit Songs wie „Groupies und Superstars“ lockert sie die Atmosphäre des Albums wieder etwas auf. Das Lied beschreibt das Gefühl, einen Crush auf jemanden zu haben. Sodass man sich dabei fast selbst wie ein Fan dieser Person fühlt. Zur Hälfte des Tracks verändert sich jedoch die Perspektive: Nun ist die andere Person der Groupie, während Lotte selbst weniger für sie empfindet.

Doch nicht nur die Liebe findet Platz auf Lottes neuem Album. Auch das Gefühl von Heimweh und das Vermissen eines vertrauten und geliebten Menschen thematisiert sie in „Leila“. Der Song vermittelt den Eindruck, dass es sich um eine alte Freundin handeln könnte, zu der der Kontakt mittlerweile abgebrochen ist. Dabei bleibt offen, ob es sich tatsächlich um eine konkrete Person handelt oder ob „Leila“ vielmehr sinnbildlich für eine vergangene Verbindung steht.

In „Jenny“ erzählt Lotte wiederum von ihrer Sehnsucht nach einem anderen Leben. Nach Freiheit, Selbstständigkeit und einem Leben ohne ständige Unsicherheiten. Sie singt dabei über ihre Nachbarin Jenny, die scheinbar genau dieses Leben führt und sie immer wieder dazu einlädt, in ihre Realität einzutauchen. Mit diesem Gefühl ist Lotte sicherlich nicht alleine, weshalb das Lied ein Verlangen nach einem Lebenswandel erweckt.

Abgeschlossen wird das Album mit „dei dei dei“. Der Song vermittelt einen optimistischen Gedanken: Auch wenn es schlechte Tage gibt, kommen immer wieder positive Momente.

„Du musst nicht auf den Knien durch das Leben gehen“

fasst diese Haltung besonders gut zusammen. Schlechte Zeiten gehören zum Leben, trotzdem gibt es immer einen Lichtblick und man sollte immer wieder aufstehen.

Eine verträumte Klangwelt

Musikalisch ist das Album deutlich melancholischer als Lottes bisherige Veröffentlichungen. Durch Hall, sanfte Gitarren und spielerische Klänge entsteht beim Zuhören beinahe ein körperloses Gefühl. Der Sound erinnert stellenweise an die Cocteau Twins oder Mazzy Star und lässt sich auch mit dem Stil der britischen Sängerin Suki Waterhouse vergleichen.

Lotte schafft es, eine starke Sehnsucht zu erzeugen und durch ihre Songs kleine Geschichten zu erzählen. Das Album gibt den Hörer:innen einen Einblick in ihre Gefühlswelt allerdings erst bei genauerem Zuhören. Die Texte sind teilweise beinahe nur ins Mikrofon gehaucht und verschmelzen dadurch mit den sanften Gitarrenklängen.

Der besondere Sound des neuen Albums ist auch dem Produzenten Jules Apollinaire zu verdanken. Der französische Produzent ist für seinen verträumten und atmosphärischen Sound bekannt und hat bereits mit verschiedenen Künstler:innen zusammengearbeitet.

Eben auch Suki Waterhouse gehört zu den Künstlerinnen, mit denen er bereits gearbeitet hat. Stilistisch könnte sie daher durchaus als eine mögliche Inspiration für den Klang des neuen Albums gesehen werden. Dies ist ihr zum Großteil gelungen, sie rekreiert die nostalgische Suki Waterhouse Atmosphäre jedoch mit weniger Dynamik und emotionalen Höhepunkten.

Lyrisch gelingt es ihr meist gut Geschichten zu erzählen und den Hörer:innen ein Bild vor Augen zu malen. Trotzdem bleibt bei genauem Hören viel Spielraum für Interpretation offen. Für die Texte hat sich Lotte auch Unterstützung geholt. Einer der bekanntesten Namen in den Credits ist vermutlich der Sänger und Musiker Clueso.

Mit ihrem neuen Album wagt Lotte einen deutlichen Schritt weiter in Richtung Dreampop. Bereits auf ihrem letzten Album „Woran hälst du dich fest, wenn alles zerbricht” aus dem Jahr 2022 waren teils verträumte Elemente zu finden, allerdings wirkte der Sound damals noch deutlich greifbarer und unmittelbarer als in ihrer neuen Veröffentlichung. Themen wie Liebe und Selbstfindung behält sie aber immer noch bei, ähnlich wie in ihren früheren Alben.

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Lotte findet ihren eigenen Klang

Vielleicht ist genau diese musikalische und persönliche Veränderung der Grund dafür, dass Lotte ihr Album nach sich selbst benannt hat. Es wirkt, als würde sie auf dieser Platte stärker zu ihrem eigenen musikalischen Stil finden und sich von früheren Veröffentlichungen lösen. Das passt vom Zeitgeist sehr gut in die gegenwärtigen Musiktrends. Auch klanglich passt Lotte gut in das Genre Dreampop. Trotzdem hebt sich das Album nicht stark von anderen Veröffentlichung in der Kategorie ab.

Insgesamt klingt das Album sehr melancholisch und verträumt. Allerdings ähneln sich einige der Songs beim ersten Hören stark, wodurch einzelne Stücke zunächst schwer voneinander zu unterscheiden sind. Besonders „Wenn du tanzen willst“ sticht dabei heraus. Die nachfolgenden Tracks gehen teilweise sehr fließend ineinander über, was zwar zur träumerischen Atmosphäre des Albums passt, gleichzeitig aber auch dazu führt, dass einzelne Songs weniger eigenständig wirken. Insgesamt bleiben deshalb nur wenige einzelne Lieder wirklich hängen und es klingt teilweise austauschbar.

„Lotte“ ist damit ein Album, das weniger durch einzelne große Hits als durch seine gesamte Stimmung funktioniert. Es erzählt von Liebe, Verlust, Sehnsucht und dem Versuch, sich selbst wiederzufinden und schafft dabei eine verträumte Klangwelt, in die man sich beim Zuhören verlieren kann.

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