French, but not Québec? Unsere Kurzdoku über frankophone Musik aus Kanada
Wer an französischsprachige Musik aus Kanada denkt, denkt meist an Québec. Doch in New Brunswick, Ontario und Manitoba leben frankophone Communities, die ihre Sprache als Minderheit behaupten, und zwar mit einer erstaunlich lebendigen Musikszene. Bei einer Listening Session im Dussmann KulturKaufhaus haben wir drei ihrer Artists getroffen.
Ein Abend zwischen CD-Regalen und Live-Momenten
Am 10. September 2026 wurde die CD-Abteilung im Dussmann KulturKaufhaus Berlin zur Bühne für „Francophone Sounds from Canada“. Präsentiert von Better Things und der Alliance nationale de l’industrie musicale (ANIM), brachte der Abend drei Artists aus frankophonen Minderheitengemeinschaften zusammen: Sam Mallais, JOLY und Rayannah. Wir waren mit der Kamera dabei und haben aus Interviews und Konzertmitschnitten eine Kurzdoku geschnitten.
Drei Artists, drei Geschichten
Sam Mallais kommt von der Ostküste Kanadas, aus der akadischen Community in New Brunswick. Er macht Blues-, Rock- und Psychedelic-Musik, komplett auf Französisch. Wichtig ist ihm dabei, die Wörter so zu singen, wie seine Leute sie wirklich aussprechen.
JOLY stammt aus Ottawa und bewegt sich zwischen Folk, Rock und Emo.
Rayannah ist Franko-Manitobanerin, Beatmakerin und Produzentin aus Winnipeg. Sie ist mit Französisch und Englisch aufgewachsen und verbindet Stimme, Live-Looping und Synthesizer zu atmosphärischen Klangwelten.
Zwischen zwei Sprachen
Für Rayannah ist das Wechseln zwischen den Sprachen kein Bruch, sondern Teil ihrer Identität. Viele frankophone Kanadier*innen seien wie Chamäleons, erzählt sie, die sich ganz selbstverständlich zwischen den Welten bewegen.
Das hört man auch in der Musik. JOLY beschreibt, wie das Französisch außerhalb von Québec vom Englischen geprägt ist: Redewendungen werden aus dem Englischen übernommen, und manchmal landet ein englisches Wort im Song, einfach weil es das erste ist, das einem in den Kopf kommt. Genau das macht für ihn den eigenen Klang der kanadisch-frankophonen Musik aus.
Wie wichtig diese Szenen für ihre Communities sind, zeigt ein Gedanke von JOLY besonders deutlich: Für viele Menschen außerhalb von Québec sind Konzerte einer der wenigen Orte, an denen sie überhaupt Französisch sprechen können. Manchmal nur einmal im Monat. Die Show wird so zum Treffpunkt und zum Stück Zuhause.
Sprache verteidigen
Dass das nicht selbstverständlich ist, macht Sam Mallais klar. Es sei schwer, die eigene Sprache zu bewahren und respektiert zu sehen. Er verweist auf politischen Druck aus den USA und darauf, wie wichtig es ist, dass die kanadische Regierung am Französischen festhält. Für ihn steckt darin auch Geschichte: Die Akadier*innen wurden einst deportiert und über die USA und Frankreich verstreut und sind trotzdem zurückgekehrt. Seine Botschaft: Wir sind noch da.
Barriere oder Chance?
Rayannah blickt optimistischer auf die Sprachgrenze. Musik sei ein großer Connector, auch für Menschen, die die Sprache nicht verstehen. Sie beobachtet, dass französische Artists zunehmend auf englischsprachigen Festivals auftauchen und immer mehr anglophone Fans zu ihren Shows kommen. Für sie ist die Zweisprachigkeit deshalb vor allem eine Chance.
Ein Wunsch für die Zukunft
Zum Abschluss haben wir gefragt, was sich die Artists für die Zukunft ihrer Community wünschen. Die Antwort: dass sie weiter wächst, dass ihre Geschichten in beiden offiziellen Sprachen erzählt werden und dass die englisch- und französischsprachigen Communities ein bisschen mehr zusammenrücken.
„My only wish for my community is to just keep growing.“







