pixxi: „Die Themen bleiben größtenteils die gleichen, weil die MIssstände es auch bleiben“
pixxi macht feministischen Elektropop, der knallt. Mit ihrer neuen EP „lecker“ dreht sie Machtverhältnisse um, spricht über Objektifizierung in der Musikindustrie und verpackt ihre Wut in tanzbare Y2K-Beats.
Im Interview erzählt sie von toxischen Erlebnissen in Sessions und darüber, wie sich Männer mal eine Praktikumsausschreibung von ihr gewünscht haben.
Außerdem teilt sie ihre Meinung zu Modetrends und wie man die Kleiderwahl als Ausdrucksmittel verwenden kann. Botschaft ist klar: pixxi lässt sich nichts mehr gefallen.
Die Musikwelt kann super tolle Momente mit sich bringen, aber auch echt gruselig sein und wir müssen uns nicht alles gefallen lassen.
BANDUP: Vor Kurzem ist deine EP „lecker“ erschienen. Welcher war der Moment, in dem du wusstest: Genau diese Songs gehören zusammen auf eine EP?
pixxi: Wir hatten die ersten vier Songs der EP bereits einige Monate, bevor Stiletto Check in einem Songwritingcamp entstanden ist, fertig. Zu der Zeit bin ich, glaube ich, selbst auch noch gar nicht so fest von einer EP ausgegangen.
Ich hatte eigentlich erst nach dem Camp so eine richtige Eingebung darüber, wie eine EP aussehen könnte und darüber, dass das alles irgendwie soundtechnisch und thematisch ganz gut zusammenpasst.
Themen, mit der man sich als Frau gezwungenermaßen auseinandersetzen muss
BANDUP: Von „LECK“ über „supersexy“ bis „Stiletto check“ zieht sich ein roter Faden durch die EP: Du drehst Machtverhältnisse um und nimmst dir deinen Raum. Wie bewusst war dir dieser thematische Bogen beim Schreiben?
pixxi: Ich versuche schon seit ich mit pixxi angefangen habe, Machtverhältnisse umzukehren. Das zeichnet sich auch schon in einigen meiner ersten Songs wie beispielsweise „Tribal Tattoo“ ab.
Richtig geplant habe ich das Konzept für die EP und damit ja auch den roten Faden wie gesagt eigentlich nicht, aber die angesprochenen Themen sind welche, mit denen ich mich täglich auseinandersetze bzw. als Frau gezwungenermaßen auseinandersetzen muss.
Das verarbeite ich in meinen Songs mal mit Humor, mal mit Wut und manchmal halt auch als kleine Diva. Die Themen bleiben größtenteils die gleichen, weil die Missstände es auch bleiben.
Dementsprechend kam der rote Faden und der Zusammenhang ganz automatisch und ist mir dann im Nachhinein erst noch bewusster geworden. Das ist aber immer ein schöner Moment, wenn man realisiert, wie alles zusammenpasst!
Das Gesicht ist Chartstauglich, der Körper nur nicht
BANDUP: In „supersexy“ sprichst du die Objektifizierung von Künstlerinnen und toxische Strukturen in der Musikindustrie offen an. Welche Erfahrungen oder Beobachtungen haben dich dazu gebracht, genau diesen Song zu schreiben und wie fühlt es sich an, ihn jetzt in die Welt zu schicken?
pixxi: Das sind alles Erfahrungen, die weiblich gelesene Personen auch im Alltag machen, nur in einem spezifischen Rahmen. Deshalb fand ich es wichtig, über Objektifizierung zu sprechen.
Einige Themen, die im Song angesprochen werden, wurden mir aber tatsächlich auch von Produzenten gesagt, wie beispielsweise, dass ich zumindest das Gesicht für die Charts hätte, an meinem Körper aber arbeiten müsste. Das habe ich damals zum ersten Mal mit 17 Jahren in einer Session gehört.
Dort hat der Produzent mich auch aufgefordert, ihm in sein Gesicht zu pupsen, weil das ja alle machen würden, wenn er es wolle. Ich wollte es nicht machen, woraufhin eine Songwriterin das übernommen hat.
Das war eine super komische Situation und ich bin jetzt im Nachhinein total mitgenommen davon, dass ich mich damals nicht getraut habe, aus dieser Situation zu gehen.
Ich hoffe, dass, wenn es Songs darüber gibt, andere Menschen sich emotional auf sowas vorbereiten können, um in solchen Situationen ermutigt zu sein, für sich einzustehen. Die Musikwelt kann super tolle Momente mit sich bringen, aber auch echt gruselig sein und wir müssen uns nicht alles gefallen lassen!
Ohne Artists funktioniert auch die ganze Industrie dahinter nicht. Des Weiteren werde ich auch oft in meiner Kommentarspalte aufgrund meines Aussehens bewertet, während die Message, mein Gesang oder die Produktion keine Aufmerksamkeit bekommen.
Dieser Umstand und auch weitere, wie zum Beispiel, dass Menschen, die optisch nicht gewissen überholten Standards entsprechen, weniger Aufmerksamkeit in Bezug auf ihre Musik erfahren, nerven einfach und verdienen meiner Meinung nach Aufmerksamkeit, damit sich etwas ändert.
Das in die Welt zu tragen ist manchmal erschütternd aufgrund der Relativierungen und Hasskommentare, denen ich begegne, jedoch ist es für mich gleichzeitig auch eine Erlösung und gibt mir Kraft, wenn andere Menschen mir erzählen, dass es ihnen geholfen hat.
Mode als Ausdrucksmittel
BANDUP: „Stiletto check“ ist ein humorvoller Break-up-Song mit Girl Power und Club-Energie. Gleichzeitig aber auch ein Statement über Selbstbestimmung bis zur Kleiderwahl. Wie wichtig ist dir Mode als Ausdrucksmittel, und gab es schon mal Momente, in denen du dich dafür rechtfertigen musstest, wie du dich präsentierst?
pixxi: In dem Song wird die Beziehung ja vor allem mit zu enger Kleidung, unvorteilhaften Farben und einer gewissen Last beschrieben. Ich finde das trifft auch auf Kleidung zu.
Ich fühle mich gerne schön und schminke mich auch super gern, weil es mir Spaß macht, aber ich halte nichts davon, mich einzuengen, um einem gewissen gesellschaftlichen und vor allem männlich geprägten Ideal zu entsprechen.
Des Weiteren ist Mode auch immer eine Klassenfrage, die nicht so oft mitgedacht wird, zumindest kommt es mir so vor.
Ich bin natürlich nicht frei von patriarchalem Denken und dem Male Gaze, das sind wir alle nicht, aber ich versuche mich immer daran zu erinnern, dass ich nicht jeden Trend mitmachen muss und, dass ich auch cool bin ohne Klamotten, die in einem Monat eh wieder aus der Mode sind.
Rechtfertigen musste ich mich aber schon oft für das, was ich getragen habe, gerade in meiner Heimatstadt. Da darf man bloß nicht herausstechen, sonst zerreißen sich alle das Maul, aber Skinnyjeans und beigen Cardigan möchte ich nicht rocken, tut mir nicht leid.
Unzählige Männer, die Stiefel lecken wollen
BANDUP: In „LECK“ werden Männer zu „Praktikanten“, die dienen müssen. Du spielst mit Dominanz, Humor und Provokation. Welche Reaktionen hast du auf diese Umkehrung bekommen, gerade von männlichen Hörer*innen oder aus der Szene?
pixxi: Ich musste bei der Frage schmunzeln, denn genau diese Gedanken habe ich mir vor der Veröffentlichung auch gemacht und war von dem Ergebnis ziemlich überrascht.
Ich habe durch Erfahrungen mit ähnlichen Songs ziemlich viele Hasskommentare erwartet, aber die Reaktionen sind, zumindest in Bezug auf die Machtumkehrung, sehr unterwürfig ausgefallen.
Auf einmal habe ich unzählige Nachrichten von Männern bekommen, die dann wirklich meine Stiefel lecken und mir dienen wollten. Ich habe aber keine Praktikumsausschreibung veröffentlicht. Sie sollten den Song also besser nochmal hören und verstehen lernen, denn hier geht’s nicht darum, was die wollen.
BANDUP: Die EP knüpft klanglich an die 2000er und 2010er an. Girlgroups, Pop-Diven, Y2K-Ästhetik. Was fasziniert dich an dieser Ära, und welche Künstler*innen oder Songs haben dich beim Schreiben von „lecker“ besonders inspiriert?
pixxi: Ich liebe diese Ära einfach, weil sie voll mit Wohlfühl-Vibes ist. Zu dieser Musik tanze ich beim Zähneputzen und bin danach nicht mehr müde, wenn ich eigentlich schlafen müsste.
Pitbull, The Pussycat Dolls und Justin Timberlake waren für die EP definitiv eine Inspiration. Es werden auch in Zukunft sicherlich noch mal Songs in diesem Vibe von mir kommen.
Was steht als nächstes bei pixxi an?
BANDUP: Nach dem Release von „lecker“: Was kommt als Nächstes? Gibt es Live-Shows, neue Songs oder Projekte, auf die du dich jetzt schon freust?
pixxi: Auf meiner Liste stehen noch viele Features, auf die ich mich sehr freue! Ich habe auch gerade erst ein Songwritingcamp mit einigen Features hinter mir, mit denen wir für unser erstes Album gearbeitet haben.
Darauf liegt jetzt auf jeden Fall erstmal der Fokus. Vielleicht wird es sogar ein ganzes pixxi-and-friends-Album, wer weiß?
BANDUP: Zum Abschluss: Welchen Song empfiehlst du unseren Leser*innen gerade, egal ob von dir, aus deiner EP oder von jemand anderem, der dich gerade bewegt?
pixxi: Das wird wohl kaum ein Geheimtipp oder eine große Überraschung sein, aber mein Top-Song ist gerade Can’t Tame Her von Zara Larsson. Viel Spaß beim Hören!

Gewinnspiel
BANDUP verlost auf Instagram zwei Vinyls des Albums “sunny side up/:down” von jolle.









