doppelfinger veröffentlicht „footsteps“ – intime Rückkehr aus Österreich
Kann ein Song zugleich warm klingen und kühl wirken? doppelfinger aus Österreich zeigt mit „footsteps“, dass diese Spannung nicht nur möglich ist, sondern genau dort entsteht, wo Nähe und Distanz aufeinandertreffen. Die neue Single wirkt wie ein Versprechen, das sich nicht einlösen will, und genau das macht sie so eindringlich.
„footsteps“ ist letzte Woche am 26. Juni 2026 erschienen und markiert den Auftakt zum zweiten Album des Wiener Musikers. Nach dem Debüt „by design“ von 2022 und Auftritten beim Popfest Wien und Eurosonic war es lange still um ihn geworden. Jetzt meldet sich doppelfinger mit einer Studioproduktion zurück, die auf einer intimen Live-Aufnahme von Gitarre und Stimme basiert.
Musik zwischen Vertrautheit und Leere
Der Song beginnt minimalistisch und bleibt es auch – fingerpicked Gitarre, eine fast geflüsterte Stimme, kein Drumbeat, keine Effekthascherei. Trotzdem entsteht eine merkwürdige Unruhe, als würde der Song ständig darauf warten, dass etwas passiert, das nie kommt. Diese bewusste Zurückhaltung erzeugt einen Sog, der mehr Raum für Interpretation lässt als jede ausformulierte Hookline. Das begleitende Musikvideo verstärkt diesen Eindruck: schlicht, aber atmosphärisch dicht, ohne kitschige Symbolik.
Rückkehr mit Fragilität statt Pathos
doppelfinger löst seine These nicht durch einen dramatischen Höhepunkt, sondern durch das Aushalten der Spannung selbst. „footsteps“ ist kein Song, der Antworten gibt, sondern einer, der Fragen offen lässt und genau dadurch funktioniert.
Reduktion auf das Wesentliche macht die Single zu einem Gegenentwurf zur Überproduktion vieler aktueller Indie-Veröffentlichungen. Wer sich auf die Langsamkeit einlässt, findet hier mehr als nur eine Rückkehr – vielleicht den Beginn eines neuen Kapitels, das Mut zur Lücke hat. Was löst ein Song bei euch aus, der bewusst darauf verzichtet, sich zu steigern?
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