TEMMIS veröffentlichen „Wohnung“: Post-Punk trifft Gentrifizierungskritik
Wenn eine Band wie TEMMIS den Kapitalismus im Moshpit verprügelt, ist das entweder mutig oder naiv. Oder beides. Mit „Wohnung“ liefern Roman Paetin, Alex Schießl, Emil Schürmann und Tizian Thieringer einen Post-Punk-Track, der sich zwischen Gentrifizierungskritik und eskapistischem „Lalalalala“ bewegt.
Die Frage ist: Kann ein Song über unbezahlbare Mieten gleichzeitig gute Laune machen, ohne zynisch zu wirken? Die Band selbst scheint die Antwort zu kennen, denn „Wohnung“ erscheint heute als neue Single nach „Eulenspiegel“ und zeigt TEMMIS in einer neuen, direkteren Ära.
Die Straße frisst mich auf
Der Sound erinnert an die Deutschpunk-Pioniere Einstürzende Neubauten oder Ton Steine Scherben, ohne bloße Retro-Spielerei zu sein. Verzerrte Synthesizer treffen auf eine analoge Soundkulisse, während die Lyrics zwischen harten Fakten und poetischer Düsternis changieren. „Die Straße frisst mich auf / Die Fassade blättert ab / Und die Würmer in der Erde / Winden sich durch meine Stadt“ – so klingt Großstadtfrust, der nicht nur anklagt, sondern auch das eigene Ausgeliefertsein reflektiert.
Die Dualität aus ernsthaftem Anliegen und einer fast narrenfreien Ironie zieht sich durch den gesamten Track. Produziert wurde der Song von Fabio Buemi, das Mastering übernahm Philipp Welsing, und das dazugehörige Video von Dan Trautwein visualisiert die dystopische Enge urbanen Lebens eindrücklich.
Ein neues Kapitel mit mehr Biss
Was „Wohnung“ von früheren Releases unterscheidet, ist die Schnörkellosigkeit. TEMMIS haben in der Vergangenheit vor allem Gefühle offenbart und Befindlichkeiten seziert, doch nun kommen die Ansagen direkter und die Systemkritik expliziter daher. Trotzdem geht weder der emotionale Pathos verloren – „Wann sticht endlich irgendjemand mir die Klinge in mein Herz?“ – noch die musikalische Virtuosität der vier Musiker*innen. Die Band hat die Release-Pause 2025 genutzt, um ihre Bühnenpräsenz zu perfektionieren, und wird im Juli und August 2026 live zu erleben sein.
Unter anderem am 24. Juli in Mainz im Schön Schön, am 25. Juli beim Free & Easy Festival in München, am 6. August beim Pangea Festival und am 9. August beim Skandaløs Festival. Wenn ein Song über Gentrifizierung im Moshpit funktioniert, liegt das vielleicht daran, dass Wut und Tanz sich näher sind, als wir glauben wollen. Oder seht ihr das anders?

Neustes Video
moé redet über Therapie, Fürsorge und sein Debütalbum „Geschichten die wir niemandem erzählen“. Wie aus persönlichen Erfahrungen Songs werden und warum manche Geschichten erzählt werden müssen, gibt’s jetzt auf YouTube.









