Juju rechnet auf ihrem neuen Album „44 ME“ mit ihrer Vergangenheit ab
Sieben Jahre Pause, 19 Tracks und einiges abzurechnen: Juju rappt wieder. Am Freitag, den 7. August, hat sie ihr zweites Soloalbum „44 ME“ veröffentlicht. Bis 2019 war Juju Teil des legendären Deutschrap-Duos SXTN zusammen mit Nura, bevor die beiden getrennte Wege gingen. Direkt nach der Trennung veröffentlichte die Künstlerin ihr erstes Soloalbum „Bling Bling“. Danach wurde es, abgesehen von einigen Features lange ruhig.
Grund dafür war laut Juju ein Knebelvertrag, der sie über Jahre keine Musik veröffentlichen ließ. In dieser Zeit hat sich einiges angestaut, so fragen sich ihre Fans wie ihre Songs nun klingen, über was sie rappt und ob ihre neue LP „44 ME“ ihren vorherigen Veröffentlichungen das Wasser reichen kann.
Im April startete ihr Comeback. Mit „Crashout Freestyle“ veröffentlichte sie den ersten Vorboten des neuen Albums und rechnete darin mit ihrer Situation in der deutschen Raplandschaft sowie den Problemen mit ihrem Label ab. Das komplette Album erschien nun Anfang August mit vielen weiteren Songs, in denen Juju persönliche Einblicke in ihr Leben, ihre Karriere und die damit verbundenen Probleme gibt.
Unsicherheiten und Stolz
Ob in „Shorty“, in dem sie ihre mentalen Probleme aufarbeitet, die sie unter anderem mit dem Druck im Musikbusiness verbindet, oder in „Rich Bitch“, in dem sie ihren Aufstieg in der Deutschrapszene, ihren Hintergrund und ihren Stolz auf ihren bisherigen Weg besingt: Juju zeigt auf „44 ME“ viele verschiedene Seiten von sich.
In „Allein“, einem der zentralen Tracks der LP, beschreibt sie, wie es sich anfühlt, trotz Ruhm und öffentlicher Präsenz einsam zu sein, und spricht dabei offen über Selbstzweifel und Rückschläge. Gerade diese persönlichen Momente gehören zu den stärksten des Albums und zeigen eine verletzlichere Seite von Juju, ohne dass sie dabei ihr Selbstbewusstsein verliert.
„Komm, lauf in meinem Schuh, egal, was ich auch tu‘
Ich mache es allein, und daher kommt der Neid
Ich spüre diesen Druck und keiner hört mir zu
Dann mach‘ ich es allein, ganz allein“
Verstärkung dabei
Trotzdem zieht sich auch eines durch das Album: Ihre schwierigen Momente hat sie nicht allein überwunden. Auch ihr Umfeld, ihre Freundschaften und besonders ihre Girls haben ihr dabei geholfen. In „Girls Night“ besingt sie diese Freundschaften und die Kraft, die ihr ihre Freundinnen geben.
Das Album endet mit „Premium Chaya“, in dem Juju noch einmal deutlich macht, dass sie trotz aller Hürden stolz auf das ist, was sie geworden ist. Damit schließt sich auch der persönliche Kreis des Albums.
Ganz alleine ist Juju auf „44 ME“ allerdings nicht zu hören. Insgesamt gibt es drei Features auf dem Album. In „German Dream“ trifft ihr schneller Flow auf den direkten und ebenfalls zügigen Rapstil von Tom Hengst, der sich dadurch gut in den Track einfügt. RAF Camora übernimmt in „Komm Näher“ den stereotypisch männlichen Gegenpart des Lovesongs.
Auf „Millies“ ist mit der britischen Rapperin Ledbyher auch eine weibliche und englischsprachige Stimme vertreten. Ihr eher sanfter, melodischer Gesang und ihr ruhiger, fast schwebender Flow bilden dabei einen spannenden Kontrast zu Jujus Rap. Trotz der drei Gastbeiträge nehmen die Features insgesamt nicht allzu viel Raum ein, sodass Juju auf dem Album klar im Mittelpunkt bleibt.
Hinter den Beats stehen ebenfalls bekannte Produzent:innen wie WATERBOUTUS, Stoopid Lou, MARY und Krutsch, die bereits mit Künstler:innen wie Souly, Boondawg aber auch noch mit SXTN zusammengearbeitet haben.
Fazit: Juju hat sich weiterentwickelt
Während das letzte Album „Bling Bling“ noch viele Eindrücke der SXTN-Zeit widerspiegelte, hat die Rapperin nun verstärkt ihren eigenen Sound gefunden. 19 Tracks umfasst das Album – von Rapsongs über Partytracks bis hin zu melancholischeren Preludes und Liedern, in denen Juju ihr Leben in den unterschiedlichsten Facetten beschreibt. Trotzdem hört man in einigen Songs noch ihre musikalischen Anfänge heraus. Der Beat des Partytracks „Dumm“ erinnert beispielsweise noch an die alten SXTN-Lieder. Ihren direkten Stil hat sie definitiv nicht abgelegt.
Insgesamt hören sich viele der Songs jedoch deutlich mainstreamiger an und bewegen sich stärker innerhalb des Sounds, der aktuell in der deutschen Raplandschaft vertreten ist. Ganz so einzigartig wie das Duo früher oder auch das Solodebüt „Bling Bling“ klingt „44 ME“ dann doch nicht.
Wie Juju selbst in ihrem Auftakttrack betont, hat sie die Trends, die andere heute kopieren, ihrer Meinung nach selbst gesetzt:
„Kopier’n meine Moves, mein’n Stil, meine Fresse
Kopier’n all die Trends, die ich setze
Kopier’n meine Songs, meine Wörter und Sätze“
Gleichzeitig wirkt das Album persönlicher und reflektierter als Jujus bisherige Veröffentlichungen. Besonders die kurzen Preludes vor den meisten Songs geben Einblicke in ihre Lebensrealität und helfen dabei, die einzelnen Tracks in einen persönlichen Kontext einzuordnen.
Dass sie sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und viel reflektiert hat, macht Juju bereits in „Crashout Freestyle“ deutlich:
„Ich habe reflektiert und mich weiterentwickelt und kam zum Entschluss, dass ich euch alle ficke …“
Das hat sie auf diesem Album definitiv getan. Ihre Fans sind auf jeden Fall überzeugt von den neuen Tracks und posten auf TikTok schon die ersten Edits und Videos von den Releasekonzerten. Die lange Pause hat Songs hervorgebracht, die gute Laune und Nachdenklichkeit verbinden und sowohl zum Feiern als auch in ruhigen Momenten funktionieren.









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