Audio 88 & Yassin sagen mit neuer Platte, Dass Zeit zum Abdanken ist

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„Zeit zu sterben“ heißt die neue Platte der beiden Berliner Independent Rapper Audio88 & Yassin. Laut eigenen Angaben das beste Album, das sie jemals gebracht haben. Das soll etwas heißen, immerhin ist es bereits ihr siebtes. Ob es hält, was versprochen wurde – und warum manche von euch die Platte vielleicht schon etwas länger kennen – erzählen wir euch jetzt.

Erschienen ist „Zeit zu sterben“ eigentlich schon im März, allerdings nur in physischer Form. Mit dieser Strategie machen die beiden auf die für Künstler vorherrschenden Missstände auf Streamingplattformen wie Spotify aufmerksam. Damit sind sie nicht alleine. Der Kölner Musiker LGoony legte im April offen, dass es 15 Stunden Streaming braucht, um einen Euro zu generieren. Für die neue Platte von Audio88 & Yassin hieße das fast 20 mal durchhören. So wirkt der verspätete digitale Release wie ein dicker Mittelfinger an die Musikindustrie.

Es wird ausgeteilt

Doch nicht nur die Musikindustrie und Streamingdienste kriegen ihr Fett weg. Auf „Zeit zu sterben“ wird es in klassischer Manier wütend und laut. Beim Track „betrunkene Männer“ wird sarkastisch das Phänomen toxischer Männlichkeit unter Alkoholeinfluss kritisiert.

„Du hast Frust und Einsamkeit? Friss es nicht in dich hinein // Sauf und lass es raus, begrabsch ’ne Frau, start ne Schlägerei // What a Life – jeden Freitag wie ein Arschloch benehmen // Das Urteil ist gnädig: unzurechnungsfähig“

Die beiden hauen lyrisch auf alles drauf, was aus ihrer Sicht gerade schiefläuft. Bundeskanzler Friedrich Merz wird zum Einzelkampf gebeten, die Polizei macht Regelfälle in den eigenen Reihen zum Einzelfall. Man könnte ewig weitermachen – die Wut der beiden ist groß. „Zeit zu sterben“ wirkt inhaltlich wie ein subjektiver Stempel des Jetzt, mit wenig Hoffnung für morgen.

Der altbekannte Sound

Der Klang der Platte ist das, was man von Audio88 & Yassin erwartet: der altbekannte Sound der beiden Berliner. Minimalistische Beats mit düsteren Samples und melancholischen Loops. Dazu Boom-Bap-Einflüsse und viel Raum für das, was sie wirklich können – die Texte.

Audio‘s Flow ist wie immer unaufgeregt und sprechlastig. Rhythmisch präzise, aber bewusst laid back, was seine zynischen Lyrics erst richtig scharf macht. Fast monoton und trocken wirkt seine Stimme. Yassin ist der flexiblere Gegenpart – energischer, technischer, wenn er denn rappt. Die Kombination macht Spaß und ist das, was die beiden nicht erst seit diesem Album ausmacht. Besonders deutlich wird das beim Track „Komm ran“, wo Yassin zur Mitte Audios Part unterbricht und den Song neu dreht.

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Gleicher Sound, neue Kritik?

Aber warum die Spannung, wenn Audio88 & Yassin genau das liefern, was man erwartet? Weil sich über die Alben hinweg nicht viel verändert hat. Der Sound, der Stil – alles bleibt gleich. Wer das mag, wird viel Freude mit „Zeit zu sterben“ haben. Wer sich allerdings stilistische Veränderung oder musikalische Entwicklung wünscht, sucht auf der Platte doch etwas länger danach.

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Audio88 & Yassin haben ihren Sound gefunden und präsentieren mit „Zeit zu sterben“ ein gutes Album, das im Kopf bleibt und Rückgrat hat. Sie sind Independent, machen ihr Ding, kritisieren, was sie stört, und bleiben ihrer Linie treu. Kein Ausverkauf für den Mainstream, keine Anpassung nach außen. Wem es gefällt, weiß Bescheid – wem nicht, auch. „Zeit zu sterben“ ist zu 100% Audio88 & Yassin. 

Im Juni geht es auf Tour. Auf den 13 Tourstopps wird sich zeigen, wie die Platte live funktioniert.

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