POM: „Enlightened, baby“ – Neues Album zwischen Verlust und Euphorie
Zwischen Kontrolle und Chaos sucht man bei POM vergeblich nach einem klaren Fahrplan, und genau darin liegt die Kraft ihres neuen Albums „Enlightened, baby“. Nach dem gefeierten Debüt „We Were Girls Together“ und der EP „AAAAH!“ schlagen POM einen Weg ein, der gleichzeitig intimer und größer klingt als alles zuvor.
Die Band aus Amsterdam treibt ihren charakteristischen Fuzz-Pop auf die Spitze und verwandelt Verlust in Bewegung statt in schwere Trauer. Entstanden im Schatten eines einschneidenden Ereignisses, stellt das Album keine Fragen nach endgültigen Antworten, sondern öffnet Perspektiven auf das Weitermachen. „If you had asked me a year ago how I felt about death, I would have said: I’m not afraid of it; I’m enlightened, baby“.
Vom Garage-Punk zum vielschichtigen Pop-Experiment
Musikalisch erweitern POM ihr Spektrum deutlich und lassen neben Gitarren nun auch Drum Machines, Synths und vielschichtige Vocal-Arrangements in die Songs einfließen. Das Video zu „LOVERS“, das kürzlich erschienen ist, zeigt bereits diese neue Offenheit: Die Kamera folgt zwei Protagonist*innen durch emotionale Räume, während die Band klassische Songstrukturen bewusst verweigert.
In Tracks wie „I WANT IT!“ feiern POM die Liebe in all ihren Formen, während Stücke wie „Sickening“ den Blick nach außen richten und Geschichten anderer Menschen spiegeln. Produziert hat das Album Gitarrist Luc Siegers selbst, über Monate hinweg wuchs „Enlightened, baby“ organisch und integrierte Freund*innen der Band als Chöre und Stimmen in eine kollektive Dimension. Das Ergebnis ist ein Album über das Scheitern an eigenen Erwartungen und die leise Erkenntnis, dass man vielleicht nie „fertig“ ist, sondern immer irgendwo dazwischen bleibt.
Euphorie und Überforderung
POM verweigern sich auch auf ihrem zweiten Album jeder Form von Eindeutigkeit und lassen Raum für Brüche, Übertreibung und Humor zwischen Garage, Pop und Punk. Was zunächst wie überdrehter Zuckerschock klingt, trägt eine andere Geschichte in sich: Die vermeintliche Erleuchtung wird nicht gefeiert, sondern als Konstrukt entlarvt, das im Angesicht echter Verletzlichkeit zusammenbricht. „Enlightened, baby“ ist kein geradliniges Statement, sondern ein Gefühlsprotokoll, das Trauer nicht in Schwere verwandelt, sondern in Bewegung – als Gegenmittel gegen das Gefühl, im Schmerz stecken zu bleiben.
Zwischen Wet Leg, Snail Mail und Soccer Mommy finden POM ihren eigenen Raum und beweisen, dass Fuzz-Pop mehr sein kann als nur laut und verspielt. Am Ende bleibt die Frage: Braucht es wirklich Erleuchtung, um durch schwierige Zeiten zu kommen, oder reicht vielleicht die Bereitschaft, sich dem Chaos hinzugeben?
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