Jack Harlow droppt neues Album „Monica“ – Jazziger R&B statt Rap?
Pünktlich zu seinem 28. Geburtstag bringt Jack Harlow – ganz leise und ohne große Promo – sein neues Album „Monica“. Und es bricht mit fast allem, was wir vom Rapper aus Kentucky bislang kannten. Laut und prollig war gestern. Heute heißt es: weg vom eigenen Ego – und irgendwie auch weg vom Rap. Ob das funktionieren kann und was uns auf „Monica“ erwartet, schauen wir uns jetzt an.
Harlow hat sich für seine neue Platte in eines der legendärsten Studios der Musikgeschichte eingemietet. Die Electric Lady Studios in New York wurden in den 70ern von Jimi Hendrix gegründet und beherbergten neben Hendrix selbst auch Musiker wie AC/DC, David Bowie oder Stevie Wonder.
Der Tapetenwechsel von Kentucky nach New York scheint bei Harlow eine radikale Häutung ausgelöst zu haben: Bereits vier veröffentlichte Singles – darunter auch eine Kollaboration mit Doja Cat – haben es nicht auf das Album geschafft, weil sie schlicht nicht mehr in das neue, intime Klangbild passten.
Musikalische 180-Grad-Wende
Das auffälligste Merkmal von „Monica“: Jack Harlow rappt kaum noch. Stattdessen vollzieht er eine 180-Grad-Wende hin zu einem warmen, jazzigen R&B-Sound. Unter der Leitung von Executive Producer Aksel Arvid wurde eine klare Regel befolgt: Alles muss live eingespielt sein. Digitale Instrumente blieben – mit Ausnahme der Drums – außen vor.
Das Ergebnis ist eine Platte, die eher nach einer verrauchten Jazz-Lounge um drei Uhr morgens klingt als nach dem nächsten Radio-Hit. Unterstützt wird Harlow dabei von Schwergewichten wie Robert Glasper und Cory Henry, deren Einfluss besonders auf Tracks wie „My Winter“ spürbar ist. Auch die Vocals von Ravyn Lenae, die auf vier Songs im Hintergrund schweben, verleihen dem Album eine ätherische Tiefe.
Auch der Opener „Trade Places“ setzt mit warmen Orgeln und Saxophon-Einlagen sofort den Ton für diese neue Ära. Harlow klingt hier fast wie ein moderner R&B-Crooner – auch wenn man anmerken muss, dass seine gesanglichen Fähigkeiten aufgrund seiner eher dünnen Stimme stellenweise etwas limitiert wirken.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenEin Album mit Regeln und bitterer Bewunderung
Inhaltlich hat Harlow sich selbst klare „Regeln“ auferlegt: kein Braggadocio, keine Angeberei und keine Schimpfwörter. Wie er dazu kam, beschreibt er selbst in einem Interview mit der New York Times:
„But for me, I just became interested in saying, OK, what if I’m a little less self-indulgent, especially because I know that’s a little closer to the person I like to be, you know?“
Es ist also auch eine Art Selbstfindungsprozess, den Harlow hier durchlebt. Inspiration fand er dabei unter anderem in der Musik von Stevie Wonder. Harlow spricht beeindruckt von der Zeitlosigkeit seiner Werke und davon, wie bei Wonder die Liebe im Zentrum steht – und nicht das Ego. Der Albumtitel „Monica“ ist dabei eine Hommage an die gleichnamige R&B-Ikone der 90er. Eine Frau dieses Namens sucht man in den Texten allerdings vergeblich.
Generell dreht sich das Album fast ausschließlich um Romanzen. Die beschriebenen Frauen sind meist unabhängig, berufstätig und brauchen Harlow nicht – sie wirken oft distanziert oder sind bereits weitergezogen. Er singt über sie in einem Mix aus Melancholie und Bewunderung. Besonders gut erkennbar ist das auf dem Track „Living Alone“:
„But I’d remember if I met somebody like you // I can’t recall no one that I was so drawn to // Wonder if you’re ever wonderin‘ what I’m doin’“
Einen besonderen Gänsehaut-Moment liefert das Outro von „Against The Grain“. Nachdem Harlow neun Songs lang an der Unnahbarkeit seiner Liebschaften gescheitert ist, erzählen seine Eltern in einer Sprachnachricht, wie einfach und ohne Drama sie damals zueinander fanden. Es wirkt wie ein schmerzhafter Reminder daran, wonach Harlow in seinem New Yorker Exil eigentlich sucht.
Aus der Liebe zur Kunst
„Monica“ ist nicht makellos. Immer wieder merkt man im Laufe des Albums, dass Jack Harlow eben doch mehr Rapper als Sänger ist. Auch eine Tracklist von gerade einmal neun Songs wirkt für ein komplettes Album eines Artists seines Kalibers etwas dürftig.
Doch eines ist die Platte auf jeden Fall: ein klares Zeichen musikalischer Integrität. In einer Zeit, in der vieles automatisiert wird und sich vieles nur noch um Klicks, Zahlen und Streams dreht, wirft Jack Harlow all diese Faktoren über Bord und konzentriert sich auf eine Sache: seine Kunst.
Und zu jedem guten Artist gehört auch Wandel. So wie sich Menschen verändern, verändert sich auch ihre Musik. Jack Harlow wird mit diesem Stilwechsel wohl nicht jeden seiner Fans mitnehmen – aber er bleibt sich selbst treu und zeigt, dass Herzblut und Leidenschaft jeden Song stärker machen als technisch saubere, aber letztlich generische Musik.
MEHR INFOS
Tickets
Streaming
Du möchtest weitere Beiträge zu Neuveröffentlichungen, Events und Musik-News lesen? Hier kannst du weiter stöbern.
Anzeige*

Gewinnspiel
BANDUP verlost auf Instagram eine Vinyl von dem Album „ARIRANG“ von BTS.









