KOKA36: Berliner Kult-Konzertkasse meldet Insolvenz an
Die KOKA36, seit über 30 Jahren feste Anlaufstelle für Konzerttickets in der Kreuzberger Oranienstraße, hat Insolvenz angemeldet. Das Ladengeschäft ist seit letzter Woche geschlossen, die Website offline – der Google-Eintrag zeigt „Vorübergehend geschlossen“ an.
Ob die unabhängige Konzertkasse, die sich seit 1991 als echte Institution von Klassik bis Punk etabliert hat, jemals wieder öffnet, ist derzeit unklar. Der Tod von Gründer Christian Raschke im Oktober 2025 markierte das Ende einer Ära für die Berliner Musikszene, die sich bis zuletzt gegen Ticketgiganten wie Eventim und Ticketmaster behauptete.
Clubs stehen vor dem finanziellen Kollaps
Das legendäre SO36 verliert durch die Insolvenz rund 40.000 Euro aus Ticketvorverkäufen – Geld, das der Club dringend braucht. Auch das Lido, Festsaal Kreuzberg, Bi Nuu und das Astra Kulturhaus sind betroffen und wissen nicht, ob sie ihre Einnahmen jemals sehen werden.
Das SO36 hat einen Spendenaufruf gestartet, um unter anderem eine dringend benötigte Klimaanlage zu finanzieren, damit „es nicht mehr von der Decke tropft“ und Crew sowie Publikum auch bei 35 Grad arbeitsfähig bleiben. Die betroffenen Veranstaltungsorte laden für den 26. Februar zu einem Treffen ins Bi Nuu am Schlesischen Tor ein, um gemeinsam über die Situation zu sprechen.
Ein Stück Berliner Kulturgeschichte auf der Kippe
Die KOKA36 war mehr als nur eine Ticketkasse – sie war ein szenenaher Fixpunkt, der sich spartenübergreifend für die Berliner Musikkultur einsetzte. Mit ihrem möglichen Ende droht Berlin eine der letzten unabhängigen Konzertkassen zu verlieren, die nicht zu den großen Ticketkonzernen gehörte. Die Clubs betonen, dass alle angekündigten Konzerte trotzdem stattfinden und Künstler*innen bezahlt werden – auch wenn die finanzielle Belastung für die ohnehin gebeutelte Clublandschaft enorm ist.
Das SO36 versichert zwar, dass es diesmal „nicht um die blanke Existenz“ geht, doch die Situation zeigt einmal mehr, wie prekär die Lage für unabhängige Kulturorte in Berlin ist. Was denkt ihr: Kann die Berliner Clubszene diesen Schlag verkraften, oder braucht es mehr Unterstützung für unabhängige Kulturorte?

Empfehlung von der Redaktion
Jedes sechste Kind wächst im Ausnahmezustand auf – und die Politik versagt. Warum HELP(2) von War Child mit den Arctic Monkeys genau jetzt ein dringend nötiges Zeichen setzt, lest ihr hier.








