„The Waves“: Giant Rooks & Solann veröffentlichen deutsch-franz. Indie-Track
Wer sich nicht wehren kann, lässt sich fallen. Giant Rooks wählen mit „The Waves“ genau diesen Weg. Und zwar ohne Schönfärberei, aber auch ohne ins Drama zu kippen. Gemeinsam mit der französischen Musikerin Solann loten sie die Mechanik einer Beziehung aus, die längst nicht mehr funktioniert, aber trotzdem nicht aufhört zu existieren. Der Song erschien am Freitag und war zeitgleich bei seiner Live-Premiere im ZDF Magazin Royale zu sehen sein.
Solanns Beitrag ist nicht schmückendes Beiwerk, sondern bringt eine zweite Perspektive ins Spiel. Im Text, im Gesang, in der Stimmung. Während Giant Rooks auf Englisch von Kontrollverlust singen, antwortet Solann auf Französisch mit dem Geständnis, dass Flucht ihre größte Sünde sei. Die Produktion bleibt dabei bemerkenswert zurückhaltend: keine übersteuerten Gitarren, keine dramatischen Drops, stattdessen viel Raum zwischen den Tönen. Das macht die einzelnen Momente umso greifbarer.
Wellen statt Wucht
Der Sound von „The Waves“ ist kein typisches Indie-Brett. Giant Rooks setzen auf zartes Arrangement, auf Wiederholungen, die hypnotisch wirken, nicht redundant. Jede Strophe baut metaphorisch auf: Steine, Knochen, Seiten, Stunden, alles wird zum Bild für Hingabe – oder Aufgabe.
Solann bringt die theatralische Seite mit, Giant Rooks die Melancholie. Zusammen wirkt das weniger wie eine perfekt ausbalanciertes Feature, mehr wie zwei Ansätze, die sich nicht vollständig auflösen wollen. Genau das passt zum Thema: Beziehungen, die bleiben, obwohl sie eigentlich nicht mehr tragfähig sind.
Kein Abschluss, nur Wellen
„The Waves“ hinterlässt keine klare Antwort, sondern eine Atmosphäre. Weder Solann noch Giant Rooks bieten Rettung an. Stattdessen bleibt die Frage, ob man sich treiben lässt oder sich wehrt.
Kann ein Feature funktionieren, wenn es gerade nicht harmonisiert, sondern bewusst Reibung offenlässt?

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