„ES IST OKAY, DASS DU FÜHLST“ – Liska gibt unausgesprochenen Gefühlen Raum
Was passiert eigentlich mit jemandem, der schon als Kind gelernt hat, dass Gefühle nicht reichen – sondern stören? Liska stellt mit ihrer neuen EP „ES IST OKAY, DASS DU FÜHLST“ genau diese Frage und holt dabei Momente aus der Vergangenheit zurück, die viele lieber vergessen würden. Es sind die stillen Überforderungen, die verleugneten Bedürfnisse, das Gefühl, sich selbst aus den Augen verloren zu haben.
Die EP erschien offiziell am Freitag und umfasst sechs Songs, die sich wie ein Brief an das jüngere Ich lesen. Im Zentrum steht „zähl die tage“, ein Song über Selbstzweifel und das Imposter-Syndrom – über die Angst, nicht gut genug zu sein, obwohl von außen alles stimmt.
Selbstverlust und Selbstfindung
Die Musik bewegt sich zwischen fragilen Pianotönen, dichten Synthesizern und einer Stimme, die sich nicht verstellt. Liska singt nicht über Gefühle, sie macht sie hörbar. In jedem Atemzug, jeder Pause, jedem Moment, in dem die Melodie kippt. Besonders „effy stonem“ zeigt das eindrücklich: „Willst auch so fucked up sein wie Effy Stonem / In den Clubs dieser Stadt hast du nichts verloren / Du bist noch so jung„, heißt es dort.
Es geht um Essstörungen, um Drogenkonsum als Flucht, um das Gefühl, nirgendwo hinzugehören und um den verzweifelten Versuch, sich selbst zu spüren. Die Produktion von Jakob Mecke unterstützt diese Atmosphäre mit klarer Reduktion: Nichts ist zu viel, nichts ist beschönigt.
Consent, Selbstwert und mentale Gesundheit
Die EP ist kein Feel-Good-Moment, sondern ein Raum, in dem es okay ist, nicht okay zu sein. Songs wie „lichter aus“, „lauf lilli lauf“ oder „mich hat man(n) nicht lieb“ thematisieren Verletzlichkeit, Grenzüberschreitungen und die Last, immer funktionieren zu müssen. Liska scheut sich nicht, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Und genau das macht ihre Musik so relevant.
Statt Lösungen zu versprechen, bietet sie Verständnis an. Für all die Momente, in denen man sich selbst fremd ist, in denen das Weitermachen schwerfällt, in denen die eigene Stimme verstummt ist. Der Titel „ES IST OKAY, DASS DU FÜHLST“ ist dabei nicht nur Erlaubnis, sondern auch Aufforderung: hinzuschauen, auszuhalten, anzuerkennen. Mit dieser EP wird Liska endgültig zur Stimme einer Generation, die zwischen Selbstoptimierung und Überforderung nach echtem Halt sucht. Habt ihr auch das Gefühl, dass Musik wie diese endlich ausspricht, was sonst ungesagt bleibt – oder braucht es mehr als nur Worte?
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